Continental Werk kannte die Zwangsarbeiter

Drei ehemalige KZ-Häftlinge haben mit ihren Entschädigungs-Klagen gegen den Reifenhersteller vor dem Arbeitsgericht Hannover einen Teilerfolg errungen. Gegen die bisherige Praxis ließ das Gericht die Klagen zu.

Hannover - Die 10. Kammer nahm eine Klage an, mit der die heute in Israel lebenden Ex-Häftlinge 40.000 Mark Schmerzensgeld und Lohnzahlung für ihre Zwangsarbeit unter dem NS-Regime fordern. Die Richter fällten damit einem Bericht der Hannoverschen Allgemeine Zeitung zufolge einen offenbar einmaligen Beschluss. Denn bisher hätten sich deutsche Arbeitsgerichte nur bei Entschädigungsforderungen von osteuropäischen Zwangsarbeiter für zuständig erklärt, die im Dritten Reich verschleppt und zur Arbeit gezwungen wurden.

KZ-Häftlingen, die Zwangsarbeit leisten mussten, war der Rechtsweg zu den Arbeitsgerichten bislang meist verwehrt. Es habe gar kein Arbeitsverhältnis bestanden, weil der Arbeitsnehmer nicht freiwillig tätig gewesen sei, heißt es der Zeitung zufolge in einer früheren Entscheidung des Bundesgerichtshofes, auf die sich auch die Conti beruft.

Das Unternehmen habe zudem unter staatlichem Zwang gehandelt: Die Gestapo habe ein Barackenlager auf dem Werksgelände Stöcken zum KZ ausgebaut und jeden Zutritt verboten, heißt es in einem in dem Beschluß zitierten Brief. Der Reifenhersteller habe nicht einmal die Namen der Häftlinge gekannt.

Das Arbeitsgericht stützte sich den Angaben zufolge aber auf historische Quellen, die belegten, dass Mitarbeiter aus dem Conti-Werk die Häftlinge im Lager einwiesen und anlernten. Conit habe die Arbeiter "gemietet".

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