Wladimir Putin Einst als Spion in Deutschland

Russlands neuer designierter Regierungschef kennt Deutschland. Der damalige KGB hatte ihn hier jahrelang als Agent eingesetzt. In Rußland setzte Jelzin die "Graue Eminenz" bereits als potentiellen Nachfolger ein.

Moskau - Einzelheiten der Geheimdienst-Karriere Putins, der fließend Deutsch spricht, sind nicht bekannt. Über seine Spionagetätigkeit hatte er Anfang der 90er Jahre Andeutungen gemacht. Damals gab er selbst bekannt, dass er zu KGB-Zeiten ein führender Mitarbeiter der sowjetischen Auslandsaufklärung in Deutschland gewesen war.

Über seine Tätigkeit war auch der Verfassungsschutz der Bundesrepublik informiert, nach dessen Erkenntnissen Putin mehrere Jahre lang in der damaligen DDR eingesetzt war - wo genau, weiß man nicht, es wird gemunkelt in Dresden.

Jelzins neuer Favorit, der von Jelzin selbst als heißer Anwärter auf seinen eigenen Posten herausgestellt wurde, ist ein schweigsamer Mann und schlechter Redner, der selten in der Öffentlichkeit auftrat. Putin steht dem inzwischen ausgemusterten Wirtschaftsreformer Anatolij Tschubais nahe, den er aus seiner Zeit im heutigen St. Petersburg kennt und dessen marktpolitische Vorstellungen er teilt.

Seine politische Karriere startete Putin in seiner Heimatstadt St. Petersburg, wo er Anfang der 90er Jahre ein enger Mitarbeiter des Oberbürgermeisters Anatolij Sobtschak wurde und mit ihm zusammen die Grundlagen der Marktwirtschaft in der Stadt schuf.

Auch Tschubais arbeitete damals eng mit Sobtschak zusammen. Putin blieb zwar im Schatten Sobtschaks, machte sich jedoch bei der Führung der Stadtgeschäfte unentbehrlich und erhielt den Spitznamen "Graue Eminenz".

In Sobtschaks Abwesenheit leitete Putin häufig die Sitzungen der Stadtregierung. Die Wirtschaftszeitung "Kommersant" zitierte damals einen Kollegen Putins mit der Bemerkung, dieser habe die Sitzungen der Stadtverwaltung so gut geleitet, dass er ein perfekter Ministerpräsident sein würde. 1994 wurde Putin schließlich Stellvertretender Oberbürgermeister.

Nach der Wahlniederlage Sobtschaks 1996 ging Putin auf Vermittlung von Tschubais nach Moskau und wurde Stellvertreter von Pawel Borodin bei der Leitung der Liegenschaftsbehörde des Kreml. Nach einem Jahr wurde Putin in den Machtapparat von Präsident Boris Jelzin berufen und zum Leiter des Aufsichts- und Kontrollamtes ernannt.

Putin war auch für die Beziehungen des Präsidialamtes zu den 89 Republiken und Regionen der Russischen Föderation zuständig. Mit harter Hand, so sagen Analysten, sorgte Putin für Gefolgschaft unter den Regionalpolitikern.

Im Juli 1998 wurde Putin schließlich von Jelzin zum Leiter des Inlandsgeheimdienstes FSB ernannt. Im März dieses Jahres wurde er auch Sekretär des Sicherheitsrates, der Jelzin berät.

Putin wurde am 7. Oktober 1952 im damaligen Leningrad geboren. Hier studierte er auch Rechtswissenschaft und graduierte 1975. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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