Volkswagen Der Motor stottert

Europas größter Autobauer Volkswagen ist schwach in das neue Jahr gestartet – nach einem schwachen Geschäftsjahr 2004. Dennoch will der Konzern 2005 seinen Gewinn steigern, verzichtet auf ein Werk in den USA und lässt dazu den designierten VW-Markenchef Wolfgang Bernhard früher als geplant auf den Chefsessel.

Wolfsburg - Der Volkswagen-Konzern  hat im Januar und Februar 2005 rund 687.000 Fahrzeuge weltweit an Kunden ausgeliefert. Das sind 0,5 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum, teilte der Autobauer am Dienstag anlässlich der Bilanzpressekonferenz in Wolfsburg mit. Das operative Ergebnis des ersten Quartals 2005 werde "wie auch schon im Vorjahr nicht befriedigend ausfallen", hieß es.

Das operative Ergebnis in 2005 nach Sondereinflüssen werde sich aber gegenüber 2004 verbessern - "um wie viel, hängt von heute nicht prognostizierbaren externen Umständen ab", erklärte VW. Dank neuer Produkte und tief greifender Sparmaßnahmen werde es aber besser werden.

VW-Chef Bernd Pischetsrieder (l.) mit Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch (r.): Lächeln trotz durchwachsener Geschäftszahlen

VW-Chef Bernd Pischetsrieder (l.) mit Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch (r.): Lächeln trotz durchwachsener Geschäftszahlen

Foto: DDP
Hoffnungsträger für eine bessere Volkswagen-Zukunft: Der brandneue VW-Passat

Hoffnungsträger für eine bessere Volkswagen-Zukunft: Der brandneue VW-Passat

Foto: REUTERS
VW-Personalvorstand Peter Hartz (l.) neben VW-Chef Bernd Pischetsrieder (r.): Nun soll die Wende zum besseren im zweiten Quartal 2005 kommen

VW-Personalvorstand Peter Hartz (l.) neben VW-Chef Bernd Pischetsrieder (r.): Nun soll die Wende zum besseren im zweiten Quartal 2005 kommen

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Wenig Grund zur Freude für Volkswagen
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Nach Meinung von Stefan Droxner, Autoanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, sind die vorgelegten Zahlen mehr als enttäuschend. "Sie sind sogar noch eine Spur schlechter ausgefallen, als ich gedacht hatte, obwohl meine eigene Analyse schon schlechter für Volkswagen ausgefallen war als im Durchschnitt der Analystenkollegen", sagte er zu manager-magazin.de.

Der als VW-Sanierer in den Konzern geholte Wolfgang Bernhard soll nun deutlich früher als bisher bekannt die Führung der angeschlagenen Marke übernehmen und den Spardruck weiter erhöhen. Das kündigte Pischetsrieder an, ohne einen genauen Zeitpunkt zu nennen. Bisher war der Amtsantritt für Ende des Jahres geplant gewesen. Vor wenigen Tagen war Bernhard mit den Worten zitiert worden, er bereite sich derzeit "mit Hochdruck auf die neue Aufgabe vor", indem er Modelle und Abläufe kennenlerne.

In einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" sagte Pischetsrieder außerdem, trotz des schwachen Dollars werden der Konzern kein Werk in den USA bauen: Dies sei "betriebswirtschaftlich sinnlos, solange in anderen Fabriken des Konzerns Kapazitäten frei sind". "Deshalb kann sich ein US-Werk in den nächsten Jahren nicht rechnen."

Mit neuen Modellen will Pischetsrieder in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass die Fabriken des Konzerns besser ausgelastet werden. Im Jahr 2004 wurden von den Konzernmarken wie VW, Audi, Skoda, Seat, Bentley oder Lamborghini gut 5 Millionen Fahrzeuge verkauft - produzieren könnten die Fabriken aber fast eine Million mehr. Pischetsrieder bestätigte in diesem Zusammenhang, dass erfolgreiche VW-Offroader Touareg durch mindestens einen kleineren Geländewagen ergänzt wird.

Pischetsrieders Gehalt im Detail

Schwieriges Geschäft in China

Zahlen zu Umsatz und Gewinn 2004 hatte Volkswagen schon vor drei Wochen mitgeteilt. Demnach stieg der Umsatz um 4,9 Prozent auf 88,96 Milliarden Euro. Der operative Gewinn vor Sondereinflüssen sank trotz Sparerfolgen aber um 12 Prozent auf 2,015 Milliarden Euro.

Der größte europäische Autokonzern wurde in letzter Zeit von guten und schlechten Entwicklungen gleichermaßen beeinflusst. So sind die Tochterunternehmen Audi, Seat, Skoda und Financial Services teilweise hochprofitabel, die Nutzfahrzeuge auf dem Weg aus der Verlustzone und die Krise in Brasilien nach teuren Personalmaßnahmen überwunden. Doch gleichzeitig tun sich für Volkswagen im wichtigen chinesischen Markt unerwartet große Probleme in der Modellpolitik auf. Die Hauptmarke VW steckt trotz scharfer Sparmaßnahmen in den roten Zahlen.

Für Jürgen Pieper, Automobilexperte des Frankfurter Bankhauses Metzler, hat vor allem der Ausblick auf das laufende erste Quartal des Jahres 2005 beunruhigt. "VW hat heute keine wirkliche Verbesserung der Lage melden können, sondern musste sie für das zweite Quartal in Aussicht stellen", sagt der Experte des Bankhauses Metzler. "Ich glaube zwar nicht, dass sich der VW-Vorstand um Bernd Pischetsrieder damit besonders weit aus dem Fenster gelehnt hat, aber es ist wieder eine Verschiebung."

Pischetsrieders Gehalt im Detail

Volkswagen teile am Dienstag mit, dass vor allem in China der Absatz im laufenden Jahr bislang zurückgegangen sei. "Während die Auslieferungen in China um 33.000 Einheiten unter Vorjahr lagen, wurden in allen anderen Märkten kumuliert von Januar bis Februar circa 30.000 Fahrzeuge mehr verkauft", hieß es.

Volkswagen geht davon aus, dass die Lage auf den wichtigen Automobilmärkten wie Deutschland, China und den USA schwierig bleibt. Als Gründe nannte der Konzern zunehmenden Preisdruck, weiterhin ungünstige Wechselkurse und die ungewisse Entwicklung der Rohstoffpreise. Allerdings würden "aufgrund der mehr als 20 neuen Produkte und Produktvarianten, die in diesem Jahr auf den Märkten eingeführt werden", die weltweiten Auslieferungen an Kunden steigen.

Volkswagen hat dem Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder für das Jahr 2004 insgesamt 2.631.479 Euro bezahlt. Davon entfielen 831.479 Euro auf fixe Vergütungsbestandteile und 1,8 Millionen Euro auf eine variable Jahressondervergütung. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch erhielt im vergangenen Jahr inklusive aller Sitzungsgelder eine feste Vergütung in Höhe von 22.000 Euro sowie - auf Basis der Dividende von 1,05 Euro je Stammaktie - eine variable Zahlung in Höhe von 225.000 Euro.

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