BVB-Krise "Spieler von Wert" verpfändet?

Jeden Tag eine neue Enthüllung: Offenbar hat der klamme Fußballclub Borussia Dortmund nicht nur die Transferrechte an seinem Mittelfeldstar Thomas Rosicky verpfändet. Einem Medienbericht zufolge hat der BVB vielmehr die Rechte an nahezu allen wichtigen Spielern als Sicherheit für die Gläubiger hinterlegt.

Dortmund - Um seine dramatischen Finanzlöcher zu stopfen hat der Bundesligist Borussia Dortmund  offenbar nicht nur die Transferrechte am tschechischen Mittelfeldstar Tomas Rosicky verpfändet. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, hat der börsennotierte Club die Transferrechte fast aller "Spieler von Wert" als Sicherheit für Darlehensverträge hinterlegt.

Erst am Montag war bekannt geworden, dass der BVB die Transferrechte an Rosicky als Gegenleistung für eine 15-Millionen-Euro-Geldspritze des Grevener Bauunternehmers Sahle abgetreten hat. Rosicky selbst zeigte sich über den Vorgang "schockiert". "Wenn so etwas passiert, dann müssen ich und mein Berater informiert sein. Aber wir wussten das nicht", sagte der Tscheche dem DSF.

Der Wirtschaftsprüfer Jochen Rölfs, der das Sanierungskonzept des BVB ausgearbeitet hat, betonte, er halte die Verpfändung von Transferrechten durch die Borussia "in dieser Lage" keineswegs für überraschend. Die Spieler seien nun einmal neben Einnahmen aus TV-Rechten, Sponsoring und Kartenverkauf das wichtigste Kapital eines Fußballvereins. Es sei in der gesamten Branche üblich, dass sich Gläubiger durch Übertragung der Spielerrechte absichern, so Röhls. Die Liga-Konkurrenten Schalke 04, Werder Bremen, VfB Stuttgart, Hamburger SV, VfL Bochum und Hansa Rostock betonten gegenüber dem "Handelsblatt" allerdings, keine Transferrechte als Kreditsicherheiten zu benutzen.

Türkischer Investor will Anteil aufstocken

Erstmals hat sich jetzt auch der türkische Unternehmer Sadettin Saran zur BVB-Krise geäußert. Saran, der erst jüngst ein 5 Prozent der Anteile am BVB übernommen hatte, will sein Aktienpaket möglicherweise auf 15 bis 20 Prozent aufstocken. Das kündigte er in einem Interview mit dem Auslandsfernsehen "Deutsche Welle TV" (DW-TV) an. Außerdem erarbeite er zusammen mit amerikanischen Partnern derzeit ein tragfähiges Finanzkonzept für den von der Insolvenz bedrohten Revierclub. Die Verhandlungen liefen "relativ gut", eine Entscheidung falle voraussichtlich in diesem Juni, sagte der türkische Unternehmer.

Saran glaube fest daran, dass die Borussia "die Wende schafft". Seine Hoffnung gründet sich auf der "beeindruckenden Unterstützung durch die Fans" und die konstant hohen Zuschauerzahlen. Bei einer Kulisse von bis zu 83.000 Fans im Westfalenstadion auf Dauer "nicht erfolgreich zu sein, ist schwierig", meinte Saran. Zunächst aber müssten in "allen Bereichen die Kosten gesenkt" werden. Der Geschäftsführung und das BVB-Vereinsmanagement riet Saran, die Probleme "langfristig anzugehen" und "nicht darauf zu warten, dass ein Investor mit Geld vorbei" komme.

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