Telekom Muß Finanzchef Joachim Kröske gehen?

Bonn - Die Deutsche Telekom AG rechnet nach einem Bericht der Düsseldorfer "Wirtschaftswoche" für das kommende Jahr mit einem Gewinneinbruch und will sich deshalb aller Voraussicht nach von Telekom-Finanzvorstand Joachim Kröske trennen.

Konzernchef Ron Sommer werfe Kröske vor, nicht rechtzeitig auf eine verschlechterte Ertragslage bei Europas größter Telefongesellschaft aufmerksam gemacht zu haben, berichtete die Zeitschrift am Mittwoch. Ein Telekom-Sprecher bezeichnete die Vorabmeldung als "böswillige Spekulation".

Kröske werde das Unternehmen "mit großer Wahrscheinlichkeit" verlassen, heißt es. Während die Telekom für dieses Jahr wie 1997 mit einem Vorsteuergewinn von mindestens 7,2 Milliarden Mark rechne, solle nach einer internen Analyse 1999 nur noch eine "schwarze Null" übrig bleiben. Hauptgrund sei ein sinkender Marktanteil im Telefon-Festnetz.

Der Telekom-Sprecher wollte sich nicht zur aktuellen Ertragslage äußern. Er wies darauf hin, daß Sommer auch mit Blick auf noch ausstehende Wettbewerbsentscheidungen der Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post weder für das laufende noch das nächste Jahr eine Gewinnprognose abgegeben habe. Der Vorstandschef habe es auf der Hauptversammlung im Juni lediglich für möglich gehalten, daß die Gesellschaft ihren Aktionären für dieses Jahre wie 1997 eine Dividende von 1,20 Mark je Aktie zahlen könne.

Für diese Gewinnbeteiligung hatte die Telekom damals ihren gesamten Jahresüberschuß von 3,3 Milliarden Mark aufwenden müssen. Für die erste Hälfte dieses Jahres wies sie im Juli einen Gewinn von 1,9 Milliarden Mark aus. Die Zahlen für das laufende Quartal sollen Ende des Monats veröffentlicht werden.

Sommer hat mehrfach das Ziel ausgegeben, in diesem Jahr Defizite von insgesamt vier Milliarden Mark zu halbieren, die 1997 unter anderem im TV-Kabel-Bereich und beim Verkauf von Endgeräten aufgelaufen waren. Von einem schnell und drastisch sinkenden Marktanteil im Telefon-Festnetz, wo die Telekom seit Januar einem unbeschränkten Wettbewerb ausgesetzt ist, war der Vorstand bisher zumindest öffentlich nicht ausgegangen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.