BVB-Finanzkrise Die Stunde der Juristen

Die Insolvenz ist abgewendet, doch der BVB bleibt unter Beschuss. Möglicherweise zieht der Deal mit dem Gerling-Konzern eine Anklage wegen Kapitalanlagebetrugs nach sich. Ein Anwalt hat Strafanzeigen angekündigt. Zudem wurde bekannt: Die Borussia hat offenbar die Transferrechte für Mittelfeldspieler Thomas Rosicky verpfändet.

Dortmund - Kaum hat sich die finanzielle Misere etwas entspannt, bereiten die Juristen ihren Auftritt im BVB-Krisenspektakel vor. Denn der Börsengang der taumelnden Fußball AG könnte möglicherweise ein Fall für den Staatsanwalt werden. Der Leasing-Vertrag von Borussia Dortmund  mit dem Kölner Versicherungskonzern Gerling aus dem Jahr 2000 droht den Stoff zu liefern für eine Anklage wegen Kapitalanlagebetrugs.

In dem Vertrag hatte die Borussia vor ihrem Börsengang die Markenrechte an ihrem Sportartikelhersteller Goool für 20 Millionen Euro an Gerling abgegeben - und als Sicherheit ihre Rechte am Vereinsnamen und -logo verpfändet. Beiden Seiten wurde eine Ausstiegsoption ab dem 30. Juni 2005 gewährt. Im Börsenprospekt wird jedoch nur eine Ausstiegsmöglichkeit für den BVB erwähnt.

Andreas Kühne von der Düsseldorfer Rechtsanwaltskanzlei Velten Franz Jakoby hält diese Option aber für einen erheblichen Punkt, um damals die neue Aktie zu bewerten: "Schließlich kann eine solche Option wesentliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage des Vereins haben", sagte Kühne dem "Handelsblatt". Daher hätte sie ebenso an gleicher Stelle im Börsenprospekt erwähnt werden müssen wie die ausdrücklich erwähnte Option zugunsten des BVB.

"So etwas muss natürlich in den Prospekt", sagte auch der Münchener Anwalt Klaus Rotter. Am Montag kündigte er deshalb eine Strafanzeige gegen die Geschäftsführung des BVB an. Er sei "zutiefst davon überzeugt", dass die Mitteilung über die Verpfändung der Markenrechte an den Gerling-Konzern im Börsenprospekt bewusst unterlassen wurde, so Rotter. Im Gegensatz zu den inzwischen verjährten Ansprüchen aus der Prospekthaftung seien Ansprüche aus einem Kapitalanlagebetrug nicht verjährt.

Mittelfeldspieler als Kreditsicherheit

Zudem gehe die Kanzlei davon aus, dass die Emittentin auch gegen Pflichten aus dem Wertpapierhandelsgesetz verstoßen hat. Die beiden Geschäftsführer Michael Meier und Gerd Niebaum hätten bereits in den vergangenen Monaten "wesentliche Aspekte der katastrophalen BVB-Finanzmisere per Ad-hoc" kommunizieren müssen. Investoren, die erst 2004 in die Aktie eingestiegen seien, können daher laut Klaus Rotter künftig einen Schadenersatz aus dem Paragraph 37b des Wertpapierhandelsgesetzes geltend machen.

Und noch ein weiterer Deal des BVB sorgt für Wirbel: Als Gegenleistung für eine Finanzspritze von 15 Millionen Euro sollen Niebaum und Meier die Transferrechte an dem tschechischen Mittelfeldstar Thomas Rosicky an den Grevener Bauunternehmer Sahle abgetreten haben. Das berichten die Dortmunder "Ruhr Nachrichten".

Sollte der Spielmacher verkauft werden, müsste ein Teil der Ablösesumme an den Geldgeber abgeführt werden. Offenbar aus diesem Grund hatte die BVB-Geschäftsführung einem Wechsel des Tschechen im Jahr 2004 stets die Zustimmung verweigert. Multimillionär Sahle stimmte allerdings wie alle anderen Gläubiger einer Stundung der Zinsen zu. Dies war Voraussetzung für den in der vergangenen Woche vorgestellten Sanierungsplan des BVB.

Insgesamt wollen die Gläubiger dem Fußballverein knapp 6 Millionen Euro frisches Kapital zu Verfügung stellen, sagte der vom BVB eingesetzte Wirtschaftsprüfer Jochen Rölfs. Zudem hätten die Gläubiger akzeptiert, dass ihre Kredite nur noch mit vier Prozent verzinst werden. Dies gelte für 18 Monate, so Rölfs.

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