Dax Telekom flop, MAN top

Die Unternehmenszusammenschlüsse von heute werden ganz unterschiedlich bewertet: Während die Telekom mit ihrem Zukauf in Grossbritannien ins Minus rutscht, wird MAN nach der schwedischen LKW-Fusion höher bewertet.

Frankfurt - Mit einem leichten Plus für MAN quittierte die Börse die Nachricht von der geplanten Übernahme des schwedischen LKW-Produzenten Scania durch Volvo. Nach wie vor gilt die Ankündigung von VW, den Bereich schwere LKW ausbauen zu wollen. Nachdem die Gespräche mit Scania offensichtlich zu keinem Ergebnis führten, gilt nun MAN als möglicher Übernahmekandidat.

Telekom: Guter Schritt, aber hoher Preis

Ein leichtes Plus verzeichnete die Telekom-Aktie nach der Nachricht von der Übernahme des britischen Mobilfunk-Providers One2One. Doch dann rechneten die Analysten und Investoren nach - und ließen den Wert fallen. Bis Mittag rutschte der Kurs sogar leicht ins Minus.

Analysten bewerteten den Kauf in ersten Reaktionen überwiegend als strategisch richtige Entscheidung, störten sich jedoch an der Höhe des Kaufpreises, der das eingesammelte Kapital aus der Kapitalerhöhung übersteigt.

Reserviert gab sich beispielsweise die BHF-Bank. "Die Übernahme ist strategisch gut", sagte der zuständige Analyst Michael Schatzschneider. "Der Preis ist fair und liegt unter den Erwartungen im Markt", heißt es weiter. Negativ sei jedoch, dass fast der gesamte Kaufpreis Goodwill sei. Dieser ziehe Abschreibungen von etwa einer Milliarden Mark pro Jahr nach sich und drücke entsprechend "massiv" das Ergebnis in der Zukunft. Hinzu kämen noch die Verluste bei One2One. Dementsprechend wird Schatzschneider die Gewinnreihe je Aktie nach unten anpassen. Die Einstufung der BHF-Bank lautet unverändert "Halten".

Andere Analysten hatten den Deal zuvor positiv bewertet. Das Unternehmen habe einen guten Preis bezahlt und eine strategisch wichtige Ergänzung vorgenommen, sagte der Telekom-Analyst der DG Bank, Robert Vinall am Freitag gegenüber vwd. Großbritannien sei der einzige europäische Markt, auf dem die Telekom bisher nicht präsent gewesen sei. "Aber es muß noch mehr kommen, das ist klar", kommentierte Vinall die Absicht der Telekom, zur Weltspitze aufzurücken.

Ähnlich die Hypovereinsbank. Die Telekom sei nach ihrer zweiten Kapitalerhöhung in Sachen Expansion "im obligo" gewesen, sagte Expertin Petra Heist am Freitag zu vwd. Zum Einstieg der Telekom in Großbritannien meinte sie, dies sei ein "interessanter Markt", auf dem sich die Bonner aber auch auf sehr intensiven Wettbewerb einstellen müssten.

Die wichtigsten Wettbewerber wie Mannesmann und die E-Plus-Teilmutter Veba hielten sich mit Kommentaren zurück. "Sehr gelassen" sieht Viag Interkom die Akquisition ihres Konkurrenten. Ein Unternehmenssprecher sagte vwd, die Telekom tue damit nur einen Schritt, den Viag Interkom im Verbund mit Viag und British Telecom hinsichtlich Europa-Präsenz längst vollzogen habe: BT sei auf dem gesamten europäischen Markt an Lizenzen in Mobilfunk wie Festnetz beteiligt, und für Viag gelte dies mit Deutschland, der Schweiz und Österreich für den gesamten deutschsprachigen Raum.

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