Altersvorsorge mit Fonds Zillmers Rezept

Deutschlands Fondsindustrie wittert ihre Chance in der Altersvorsorge und setzt dabei besonders auf Sparpläne. Neue Vorabgebühren sollen diese für Vertrieb und Kunden attraktiver machen. Doch Zweifel daran sind angebracht. manager-magazin.de sagt, worauf Sie achten müssen.
Von Lutz Knappmann

Hamburg - Nicht immer ernten die Schnellsten auch die größte Aufmerksamkeit. "Wir waren zu früh am Markt", sagt Martin Bubeck von Activest, der Fondstochter der HypoVereinsbank . Im Sommer 2003 brachte die Fondsgesellschaft unter dem Namen "Activest Sparplan Plus" ein Produkt auf den Markt und bewarb es als langfristigen Vermögensaufbau für Anleger, "die beim Sparen sparen wollen".

Die Activest-Strategen versprachen den Interessenten zudem auf lange Sicht eine deutliche Kostenersparnis - dank eines neuartigen Provisionsmodells. Doch die Anleger winkten ab. "Das Produkt wurde nicht besonders stark angenommen", räumt Bubeck ein. Hauptgrund: Die Anleger sahen in kapitalbildenden Lebensversicherungen ein attraktiveres Angebot für die Altersvorsorge.

Seit Jahresbeginn ist das anders. Mit dem Wegfall des Steuerprivilegs für Lebensversicherungen sieht die Fondsbranche ihre große Stunde im Geschäft mit der Altersvorsorge gekommen - und kündigt eine Vielzahl neuer Produkte an.

Diesmal ist die Aufmerksamkeit groß, denn private Anleger suchen nun möglichst schnell nach Alternativen zu den Lebensversicherungen. Vor allem zwei Modelle gelten mittlerweile als aussichtsreiche Innovationen für die fondsgebundene Altersvorsorge: Vorab provisionierte Fondssparpläne, zu denen auch der Activest Sparplan Plus zählt, und so genannte Policenfonds, die Fondsanlagen mit Versicherungsprodukten koppeln.

Doch mit Informationen über ihre Konzepte halten sich die Fondshäuser und Vertriebsgesellschaften noch zurück. Viele Anbieter befinden sich nach eigener Aussage noch "in der Planungsphase" oder "beobachten den Markt". Detaillierte Konditionen oder aussagekräftige Beispielrechnungen sind deshalb bislang rar.

Der Branchenriese DWS, Tochter der Deutschen Bank , hat seit Jahresbeginn mit dem "Zukunftsplan System" einen Sparplan im Angebot, der - ähnlich wie das Beispiel des Konkurrenten Activest und einiger kleinerer Fondshäuser - mit den traditionellen Gebührenstrukturen der Branche bricht. Auch der Dit, Ableger der Allianz , will in Kürze ein ähnliches Produkt auf den Markt bringen.

Die Provision ist sofort fällig

Die Provision ist sofort fällig

Die zentrale Neuerung dieser Sparpläne liegt in der so genannten "gezillmerten" Abrechnung der Vertriebsprovision - benannt nach dem Versicherungsmathematiker August Zillmer, der dieses Vergütungssystem 1863 ursprünglich für Versicherungen entwickelte. Statt wie bislang bei jedem Kauf eines Fondsanteils einen Ausgabeaufschlag zu kassieren, streichen die Fondshäuser die Vertriebsgebühren gleich zu Beginn der Laufzeit ein.

So zweigt beispielsweise Activest in den ersten zwölf Monaten nach dem Vertragsabschluss jeweils ein Drittel des Sparbeitrags als Provision für den Vermittler ab. Ab dem zweiten Sparjahr fällt der Ausgabeaufschlag dann vollständig weg. Damit schöpft die HVB-Fondstochter exakt den rechtlichen Rahmen aus, den der deutsche Gesetzgeber vorgibt.

Mit dieser Vorabprovisionierung wollen die Fondshäuser ihre Sparpläne vor allem für die Vermittler attraktiver machen. Statt jahrelang tröpfelnder Provisionen soll nun gleich nach dem Abschluss eine ordentliche Summe fließen - und die Vermittler vor Einbußen bewahren, falls die Kunden vorzeitig aus ihrem Sparplan aussteigen.

Anleger, so verheißen es die Fondshäuser, profitieren durch den späteren Wegfall der Ausgabeaufschläge von einer Kostenersparnis - wenn sie denn mindestens zehn Jahre durchhalten. So rechnet Activest für seinen gezillmerten Sparplan vor, er liege im Kostenvergleich mit klassischen Fondssparplänen nach spätestens zehn Jahren gleichauf.

Verbraucherschützer wie Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg haben daran allerdings Zweifel. "Für diese Beispielrechnung wurde als Vergleichswert ein Ausgabeaufschlag von 5 Prozent angesetzt", sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg unter Verweis auf den Angebotsprospekt.

"Aber wer zahlt das heute noch?" Bei Onlinebrokern, so der Verbraucherschützer, seien Fondsanteile schon für 2 oder 2,5 Prozent Ausgabeaufschlag zu haben. "Wenn Sie diesen Wert ansetzen, erreichen Sie den Break-even bei den Kosten erst nach mehr als 20 Jahren", kritisiert Grieble.

Policenfonds statt Fondspolice

Policenfonds statt Fondspolice

Auch im Blick auf die Rendite gezillmerter Sparpläne ist der Finanzexperte skeptisch. "Im ersten Jahr nehmen die Anleger nur unterproportional an der Wertentwicklung der Märkte teil", so Grieble. Um den drohenden langfristigen Renditenachteil auszugleichen, müssten sie theoretisch in ein solches Fondsmodell einsteigen, "wenn sie erwarten, dass die Märkte ein Jahr lang runtergehen." Allerdings, so Grieble, investierten Anleger normalerweise gerade dann in Fonds, wenn sie mit steigenden Kursen rechnen.

Achim Tiffe, Kapitalmarktexperte beim Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen, ist von den Fondssparplänen mit Vorabgebühr ebenso wenig überzeugt. Er befürchtet, dass die Anbieter in einen Zielkonflikt zwischen der Bestandspflege und dem Neugeschäft geraten.

"Die Gefahr ist, dass sich ein Fondsvermittler nach dem Vertragsabschluss nicht mehr um die bestehenden Kunden kümmert, weil er mit einem Neuabschluss mehr verdient", warnt Tiffe.

Eine dem Zillmer-Modell angelehnte Provisionsabrechnung nutzt auch der Finanzvertrieb AWD  bei seinem so genannten Policenfonds. Bislang ist AWD der einzige Anbieter, der unter diesem Namen ein Kombinationsprodukt aus Fondsanlage und Versicherungsprodukten anbietet.

Der Policenfonds, so verspricht AWD, soll dabei den Gegenentwurf zu fondsgebundenen Lebensversicherungen bilden, die durch den Wegfall des Steuerprivilegs erheblich an Bedeutung verlieren dürften. Beim Policenfonds diene ein Fondssparplan als Trägerprodukt, dem Versicherungsteile wie beispielsweise eine Basisrente, ein Berufsunfähigkeitsschutz oder eine Risikolebensversicherung beigemischt werden können, erklärt AWD. Damit ermögliche das Angebot einen nahezu steuerfreien Vermögensaufbau und biete durch seine Versicherungskomponente auch für die Angehörigen des Sparers Schutz.

Verbraucherschützer Grieble mag darin keinen Vorteil erkennen. Eine Koppelung dieser Produkte macht in meinen Augen keinen Sinn", sagt Grieble. Letztlich handele es sich um einen normalen Fondssparplan. Ob er bei einem einzelnen Anbieter um eine Versicherung ergänzt werde, mache keinen Unterschied. "Ich kann mir die einzelnen Elemente genauso gut einzeln zusammenkaufen", sagt Grieble.