Jahresbilanz Volkswagen übertrifft reduziertes Gewinnziel

Der Autobauer kommt mit seinem Sparprogramm überraschend schnell voran und hat im abgelaufenen Jahr mehr Geld verdient als erwartet. Mit einem operativen Gewinn von zwei Milliarden Euro übertraf Volkswagen die eigene Prognose deutlich.

Wolfsburg - Volkswagen  erreichte ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen von 2,015 Milliarden Euro und liegt damit über seiner eigenen Prognose vom Juli (1,9 Milliarden Euro). Wie der Konzern am Montag mitteilte, senkte er im Zuge des Sparpakets "ForMotion" die Kosten um 1,6 Milliarden Euro. Bisher waren nur Einsparungen von einer Milliarde Euro bekannt.

Die VW-Aktie setzte sich mit einem Kursplus von über 2 Prozent zeitweilig an die Spitze der Dax-Gewinner. Mit 38,30 Euro wurde der höchste Kurs seit Mai 2004 erreicht.

Der operative Gewinn von VW vor Sondereinflüssen lag allerdings trotz der Erfolge beim Sparen um 12,3 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Damit hat der Konzern im letzten Quartal des Jahres aber noch kräftig aufgeholt, denn Ende September war dieses Ergebnis noch um über 20 Prozent schlechter als im Vorjahr. Der Reingewinn nach Steuern fiel um fast 29 Prozent auf 716 Millionen Euro, was auch auf geänderte Bewertungen zurückgeführt wurde.

Der Konzern hat die Investitionen 2004 kräftig zurückgefahren, von 8,5 auf 6,8 Prozent. Die hohen Investitionen hatten jahrelang das VW-Ergebnis belastet. Wie VW weiter mitteilte, erreichte der Konzern im Kerngeschäft Autoproduktion einen positiven Cash-Flow von 1,9 Milliarden Euro. Die Finanzsparte des Konzerns habe ein Ergebnis "auf dem hohen Vorjahresniveau" abgeliefert", teilte VW mit. Für 2003 hatte der Konzern ein Bruttoergebnis für die Finanzsparte von 1,26 Milliarden Euro gemeldet.

Der Umsatz stieg 2004 um 4,9 Prozent auf 88,96 Milliarden Euro. Die Zahl der ausgelieferten Wagen weltweit steigerte der Konzern um 1,3 Prozent auf 5,079 Millionen. Die Dividende soll nach Vorschlag des Vorstandes unverändert bei 1,05 Euro für die Stammaktien und 1,11 Euro für die Vorzugsaktien bleiben.

Gemischte Reaktionen von Analysten

Trotz eines Ergebnisrückgangs seien die Zahlen besser ausgefallen als von Analysten prognostiziert, sagte ein Aktienhändler.

Analyst Robert Heberger von Merck Finck bestätigte die Volkswagen-Aktie nach Bekanntgabe der Zahlen für 2004 mit "Hold". Das Kursziel liege weiter bei 38 Euro, sagte er. Die Daten hätten leicht unter seinen, aber über den Durchschnittserwartungen gelegen. Positiv hob der Experte hervor, dass VW die Dividende auf dem aktuellen Niveau belasse.

Auch die Analysten von der Helaba werteten die unveränderte Dividende positiv. "Das zeigt doch eine gewisse Zuversicht", sagte Analyst Fabian Kania. Seine Einstufung mit "Verkaufen" behält der Experte indes bei.

Eine Vielzahl von Problemen lastet auf VW

Nach schwachen Verkaufszahlen hatte Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder bereits zur Jahresmitte seine operative Gewinnprognose für das Gesamtjahr von ursprünglich 2,5 Milliarden auf 1,9 Milliarden Euro gesenkt. Die Erträge litten unter dem verpatzten Start des neuen Golf, Absatzproblemen auf dem einstigen Boom-Markt China und negativen Währungseffekten durch den hohen Euro-Kurs. Hinzu kamen Einbußen durch die mittlerweile in allen wichtigen Weltregionen tobende Rabattschlacht.

Detaillierte Zahlen für das abgelaufene Jahr will der Konzern auf seiner Bilanzpressekonferenz Anfang März nennen. Eine Prognose für das laufende Jahr blieb der Konzern zunächst schuldig.

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