Fußball AG Borussia Gerling 09

Borussia Dortmund taumelt immer tiefer in die Krise. Mehrere Mitarbeiter wurden entlassen, der Rückkauf des Westfalenstadions steht auf der Kippe. Zudem hat der Verein offenbar die Rechte an seinem Namen und Logo an den Gerling-Konzern verpfändet. Das könnte ihm mächtigen Ärger mit der Deutschen Börse einbringen.

Dortmund - Die angeschlagene Fußball-AG Borussia Dortmund kommt partout nicht aus den Schlagzeilen. Während sich die prekäre Finanzlage des BVB weiter zuspitzt, schlittert der Club nun offenbar auch noch in einen handfesten Konflikt mit der Deutschen Börse.

Im Jahr 2000 hatte Borussia Dortmund seine Sportartikelmarke "Goool" für 20 Millionen Euro an den Versicherungskonzern Gerling verkauft und die Nutzungsrechte anschließend zurückgeleast. Seither wird alljährlich eine Leasingrate von 1,4 Millionen Euro für die Nutzung der Marke fällig. In seinem Prospekt zum Börsengang im Oktober desselben Jahres wies der Fußballclub seine Anleger auf dieses Geschäft auch ordnungsgemäß hin.

Verschwiegen hat der BVB im Börsenprospekt dagegen, wie er das Leasinggeschäft gegenüber dem Gerling-Konzern absicherte. Wie erst jetzt bekannt wurde, hat der Club offenbar die Rechte an seinem Namen und seinem Logo an die Versicherung verpfändet. Die "Süddeutsche Zeitung" zitierte aus einem "Sicherungsübereignungsvertrag" zwischen Gerling und dem BVB und berichtete, das Papier räume dem Gerling-Konzern zudem die Möglichkeit ein, den Vertrag zum 30. Juni dieses Jahres zu kündigen. Dann müsste der BVB 20 Millionen Euro zurückzahlen, um den Verlust seiner Namensrechte zu verhindern. Beobachter werten diese Klausel als "Zeitbombe".

Gerling bestätigt Verpfändung

Es bestehe tatsächlich die Möglichkeit, dass Gerling ab Ende Juni auf den Vereinsnamen des börsennotierten Klubs Zugriff habe, bestätigte ein Gerling Sprecher diesen Bericht. Es sei aber noch nicht entschieden, ob Gerling diese Option auch tatsächlich ausüben werde. "Zum Umfang der möglichen Markennutzung wollen wir uns zur Zeit nicht äußern", so der Gerling-Sprecher.

Mit seiner Stellungnahme widersprach der Versicherer jedoch einem halbherzigen Dementi des BVB. Der hatte Berichte über die Verpfändung seiner Markenrechte zurückgewiesen: "Es ist nicht richtig, dass die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA Vereinsnamen und Vereinsemblem zur Sicherungsübereignung an Gerling übertragen hat." Der BVB habe lediglich "sechs Markenrechte, bei denen der Vereinsname und das Vereinsemblem Bestandteil sind" übertragen. Die ideelle Nutzung von Vereinsnamen und Vereinsemblem stehe dem Verein und allen Fanclubs uneingeschränkt zu, "und zwar auch im Verwertungsfall", so Manuel Neukirchner, Leiter der BVB-Abteilung Investor Relations.

"Wir reden über Lockenwickler und Damenstrümpfe"

BVB-Geschäftsführer Gerd Niebaum mag die Aufregung um das Vertragswerk ohnehin nicht verstehen. "Das war ein ganz normales Geschäft. Es wurden lediglich die gewerblichen Schutzrechte für die Verwendung von Merchandising-Artikeln als Sicherheitsleistung abgetreten. Wir reden hier über Lockenwickler, Damenstrümpfe, Kaffeetassen und Ähnliches", sagte Niebaum der "Sport Bild".

Doch dieses "ganz normale Geschäft" könnte den Verein nun vor ernste juristische Probleme stellen. Denn weil der Börsenprospekt der Fußball-AG die Marken-Verpfändung nicht erwähnt, prüft die Deutsche Börse nun, ob der BVB möglicherweise gegen das Aktiengesetz verstoßen habe. Das bestätigte eine Börsensprecherin am Freitag. Sollten die Kontrolleure feststellen, dass der Emissionsprospekt in "wesentlichen Angaben falsch oder unvollständig" ist, droht dem BVB eine finanzielle Katastrophe.

Stadionrückkauf auf der Kippe

Stadionrückkauf auf der Kippe

Dann nämlich hätten die Aktionäre Anspruch auf die Rückerstattung des Emissionskurses. Der lag bei elf Euro - insgesamt hatte der Börsengang dem Verein rund 130 Millionen Euro in die Kassen gespült. Doch schon jetzt ist der BVB mit fast 120 Millionen Euro verschuldet und hat allein im vergangenen Geschäftsjahr Verluste von 68 Millionen Euro angehäuft. Zuletzt war die Aktie  gerade noch rund 2,50 Euro wert.

Unabhängig von der aktienrechtlichen Bewertung zeigten sich Fans und Mitglieder des Fußballclubs empört über den Umgang mit der Traditionsmarke. Der neue BVB-Präsident Reinhard Rauball bezeichnete das Gerling-Geschäft als "sehr emotionales Thema". Er könne der Geschäftsführung der Fußball-AG "nur anraten, diese Sicherungsabtretung herauszuverhandeln".

Der Ärger um die Markenrechte reiht sich ein in eine ganze Serie von Hiobsbotschaften auf dem Weg zur Sanierung der klammen Vereinsfinanzen. Auch der geplante Rückkauf des Westfalenstadions steht auf der Kippe. Wie das "Handelsblatt" berichtet, sollen die Beziehungen zwischen dem Fußballanleihen-Anbieter Stephen Schechter und der Borussia Dortmund AG beendet sein. Mit dem BVB laufe "nichts mehr", zitiert auch die "Frankkfurter Allgemeine Zeitung" den Finanzmanager.

Wenig Aussicht auf neue Investoren

Schechter, so schreibt das "Handelsblatt", besitze praktisch ein Monopol im Markt für Fußballanleihen. Einzige Möglichkeit für den BVB, sein Stadion zurückzukaufen, sei deshalb nunmehr die Gründung einer Stadiongesellschaft, an der sich Investoren beteiligen. Doch nachdem Ende vergangenen Jahres schon der Kapitalgeber Blackstone abgewunken habe, zeige auch die WestLB wenig Interesse, Teil einer solchen Betreibergesellschaft zu werden, so die Zeitung.

Wenige Tage zuvor erst hatte sich der BVB von der Münchener Beratungsfirma Metrum getrennt, die das Sanierungsprogramm für den Zeitraum bis 2007 erstellt hatte. Erstmals hatte der Club auch mehreren Mitarbeitern betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen.

Ohne Sanierungserfolge ist die Lizenz gefährdet

Diese Kündigungen riefen auch den amtierenden Trainer Bert van Marwijk auf den Plan: "Ich finde es unglaublich, dass jetzt Leute entlassen werden. Aber es ist immer so, dass die Kleinen als erste entlassen werden", kritisierte van Marwijk die Sparpolitik seines Vereins.

Denn zur gleichen Zeit war bekannt geworden, dass der der neue Präsident Rauball auch das Amt des sportlichen Leiters übernimmt - und ihm dafür jährlich 480.000 Euro zustehen. Am Freitag kündigte Rauball allerdings an, auf diese Bezahlung zu verzichten.

Angesichts all dieser Querelen wird die Zeit für den BVB allmählich knapp. Der Verein muss schleunigst erste Erfolge auf dem Weg zur Sanierung vorweisen. Denn bis zum 15. März muss er - wie jeder andere Bundesligaclub - seine Unterlagen bei der Deutschen Fußball-Liga abliefern. Die entscheidet anschließend, ob der BVB auch für die kommende Saison 2005/2006 seine Lizenz behält.