Hoechst Schrumpfkur im Ergebnis

Im letzten Halbjahresbericht vor der Fusion zeigt sich ein deutlich geschrumpfter Konzern. Das Geschäft mit Life-Sciences wächst, das Industriegeschäft bringt Verluste.

Frankfurt - Der Konzernumbau drückt bei Hoechst deutlich auf die Zahlen. Im ersten Halbjahr 1999 mußte das Unternehmen einen Rückgang beim Betriebsergebnis von 33 Prozent auf 437 Milliarden Euro hinnehmen. Der operative Gewinn im zweiten Quartal erreichte nur noch 128 Millionen Euro, das sind 63 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Im Life Sciences-Geschäft - dieses Geschäftsfeld will Hoechst-Chef Dormann in der neuen Aventis ausbauen - habe das Betriebsergebnis dagegen um 56 Prozent auf 409 Millionen Euro zugenommen. Dafür hätten vor allem neue Pharmaprodukte in den USA gesorgt.

Bereinigt um die Strukturaufwendungen bei Hoechst Marion Roussel - 88 Millionen Euro im ersten Quartal, vier Millionen im zweiten - nahm das Betriebsergebnis im Life Sciences-Geschäft noch um 18 Prozent auf 413 (350) Millionen Euro zu.

Analyst: Durch Sonderdividende attraktiv

Nach den veröffentlichten Geschäftszahlen und dem Conference Call stuft Andreas Theisen, Analyst bei der WGZ-Bank, die Aktien von Hoechst unverändert als "Marketperformer" ein. Auf den ersten Blick hätten die Umsatz- und Ergebniszahlen sehr schwach ausgesehen, so der Analyst. Dies sei jedoch hauptsächlich auf den Industriebereich und gebildete außerordentliche Rückstellungen zurückzuführen. Positiv sei dagegen zu werten, dass das Kerngeschäft Life Sciences per saldo über den Erwartungen lag.

Den weiteren Geschäftsverlauf in 1999 sieht der Analyst eher zurückhaltend. So laufe bei Hoechst Marion Rousell das Patent für Cardizem aus, wobei sich jedoch neue Produkte zuletzt recht gut entwickelten. Auch bei AgrEvo sei keine nachhaltige Erholung zu erwarten und der Industriesektor dürfte weiter enttäuschen, so Theissen. Dennoch wird die Aktie weiter als "Marktperformer" eingestuft, nicht zuletzt aufgrund der angeküdigten Sonderdividende von 3,80 Euro.

Industriegeschäft schwach

Das Industriegeschäft verbuchte nach Hoechst-Angaben ein Minus von 216 Millionen Euro. Der Verlust sei in erster Linie durch Rückstellungen bei Ticona, Sonderaufwendungen für Nutrinova sowie durch Strukturaufwendungen bei Celanese in Höhe von 23 Millionen Euro verursacht gewesen.

Zusätzlich habe bei Celanese der starke Anstieg der Rohstoffkosten, der nicht in den Verkaufspreisen weitergegeben werden konnte, auf die Margen gedrückt. Bereinigt um die erwähnten Sonderfaktoren ergibt sich für das Industriegeschäft noch ein Verlust von drei Millionen Euro. Im Vorjahresquartal verzeichnete das Geschäftsfeld noch einen operativen Ertrag von 148 Millionen Euro.

In den ersten sechs Monaten 1999 erhöhte sich der Konzerngewinn - einschließlich des Ertrags aus dem Verkauf von Herberts - um zwei Prozent auf 539 Millionen Euro. Der Gewinn je Aktie stieg auf 0,92 (0,89) Euro, vor Goodwill-Abschreibungen auf 1,35 (1,29) Euro. Diese Hoechst-Angaben basieren auf der Zahl der Aktien, die im ersten Halbjahr in Umlauf waren. Nach Steuern habe sich, bedingt durch Sonderfaktoren, ein Verlust von 188 Millionen Euro oder 0,32 Euro je Aktie ergeben.

Für das Gesamtjahr rechnet Hoechst bei Hoechst Marion Roussel (HMR) mit einem deutlichen Anstieg des operativen Ergebnisses, trotz des einsetzenden Generika-Wettbewerbs bei Cardizem CD in den USA. Im zweiten Quartal habe sich HMR erfreulich entwickelt.

AgrEvo und Hoechst Roussel Vet hätten unter der schwierigen Situation auf den Agrarmärkten Nordamerikas und Europas gelitten. AgrEvo erwarte für das Gesamtjahr ein Ergebnis in etwa auf Vorjahreshöhe. Für die Industriegeschäfte sei die konjunkturelle Lage bislang angespannt geblieben. In der zweiten Jahreshälfte dürfte mit weiteren Sonderaufwendungen zu rechnen sein. Allerdings mehrten sich die Anzeichen, daß die Talsohle des Chemiezyklus erreicht sei.

In der europäischen Wirtschaft steige die Zuversicht gestützt durch zunehmende Industrieproduktion und höhere Exporte. Die stärksten Signale sende nach wie vor die US-Konjunktur, die ihr robustes Wachstum fortsetzt. In Südostasien und Japan stabilisiere sich die Wirtschaftslage, so Hoechst.

Der Verkauf des Hoechst-Anteils an Clariant Anfang Juli werde im dritten Quartal zu einem Ertrag von rund 500 Mio EUR nach Steuern führen.

Hoechst habe, wie bereits angekündigt, mit dem Rückkauf eigener Aktien begonnen. Von den vorgesehenen 28,8 Millionen Aktien (rund fünf Prozent des Grundkapitals) sind bis 28. Juli seien insgesamt 22,6 Mio Aktien erworben worden, 3,8 Prozent des gezeichneten Kapitals. Der Gesamtaufwand habe sich auf 980 Millionen Euro belaufen.

Wie Hoechst weiter berichtete, war der Cash-Flow aus Geschäftstätigkeit in den ersten sechs Monaten 1999 deutlich niedriger als im Vorjahreszeitraum. Die Gründe waren das schwächere Industriegeschäft und die fehlenden Beiträge veräußerter Aktivitäten.

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