Wochenausblick Lanxess und Deutsche Bank im Blick

Der Börsengang der abgespaltenen Bayer-Tochter Lanxess, der Quartalsbericht der Deutschen Bank und die Sitzung der US-Notenbank stehen in der kommenden Woche im Mittelpunkt. Kuriosum: Lanxess wird am Montag als erstes Unternehmen für einen einzigen Tag im Dax notieren.

Frankfurt - Angesichts einer Verschnaufpause in der laufenden Berichtssaison erhoffen sich Börsianer in der neuen Woche von Konjunkturdaten und Notenbanksitzungen Impulse für den Aktienmarkt. Während in den USA die Flut der Quartalsberichte langsam abebbt, wird in Deutschland von den großen Konzernen lediglich die Deutsche Bank  neue Zahlen vorlegen. Am Montag wird die Chemiegesellschaft Lanxess nach der Abspaltung vom Mutterkonzern Bayer erstmals an der Börse notiert.

"Die Konjunkturdaten und die Notenbanken werden nächste Woche wohl die Hauptrolle spielen", sagte Frank Schallenberger, Aktienstratege bei der LBBW. In der vergangenen Woche hatte sich der Deutsche Aktienindex (Dax) über der psychologisch wichtigen Marke von 4200 Punkten gehalten. Am Freitag verlor der Index 0,35 Prozent auf 4201 Zähler.

Lanxess für einen Tag im Dax

Starten wird die Börsenwoche mit einem Kuriosum: Erstmals wird mit Lanxess ein Unternehmen für einen einzigen Tag im Dax  notieren. Dax-Mitglied Bayer spaltet seine Chemiesparte nach vergeblichen Verkaufsversuchen ab und bucht seinen Aktionären insgesamt 73 Millionen Lanxess-Titel in die Depots, über deren Wert die Meinungen weit auseinander gehen.

Optimistische Analysten sehen ihn bei 21 Euro je Aktie, die Pessimisten der Branche bei weniger als der Hälfte. Die Deutsche Börse löst das daraus entstehende Problem für die korrekte Berechnung ihres Eliteindex, indem der Lanxess-Kurs für einen Tag in den Dax einfließt. Am Dienstag wird das Gewicht von Bayer in dem Index dann mit Hilfe des Lanxess-Schlusskurses korrigiert. Orientierung zum Börsenstart von Lanxess gibt der vorbörsliche Kurs beim Broker Lang & Schwarz, der am vergangenen Freitag bei 13,50 Euro lag.

Aus den USA erwarten die Investoren indes die Quartalszahlen von Walt Disney . Der amerikanische Unterhaltungs- und Medienkonzern hat Analysten zufolge im ersten Geschäftsquartal weniger verdient und umgesetzt als im Jahr zuvor. Die von Thomson First Call befragten Analysten erwarten im Schnitt einen verwässerten Gewinn von 29 US-Cent (VJ: 33 Cent) bei einem Umsatz von 8,538 (8,862) Milliarden Dollar.

Deutsche Bank muss Farbe bekennen

Die Deutsche Bank wird nach Analysteneinschätzungen am Donnerstag auf Grund der angekündigten Restrukturierungskosten in Millionen-Höhe einen Gewinneinbruch im vierten Quartal ausweisen. Gleichwohl dürfte das Institut in 2004 den höchsten Überschuss seit 2000 erzielt haben, schätzen die Experten.

Da die Deutsche Bank bereits Mitte Januar einen Restrukturierungsaufwand von 600 Millionen Euro bekannt gegeben hat, stehen bei der Bilanzpressekonferenz eher die Aussagen über den Umfang des Stellenabbaus, den Gewinnperspektiven im laufenden Jahr sowie mögliche weitere Aufwendungen für den Konzerumbau als das Zahlenwerk im Mittelpunkt.

Von Bankchef Josef Ackermann erwarten die Experten vor allem Antworten auf die Frage, wie die Bank im laufenden Jahr eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25 Prozent erreichen und damit den Abstand zur internationalen Konkurrenz verringern will. Nach Einschätzung von M.M.-Warburg-Experte Jörn Kissenkötter ist das Renditeziel bei freundlichen Kapitalmärkten eventuell erreichbar. Er bleibt jedoch skeptisch, ob die Bank das Renditeziel binnen Jahresfrist erreichen kann.

Irak-Wahl voraussichtlich ohne große Wirkung

"Die Wahlen im Irak könnten sich auf den Ölpreis auswirken, wenn dort etwas besonders Schlimmes passiert", sagte Carsten Klude, Aktienstratege bei MM Warburg. Im Irak wurden am Sonntag nach der Besetzung durch US-geführte Truppen 2003 erstmals freie Wahlen abgehalten. Aufständische in dem ölreichen Land versuchten die Wahl mit weiteren Anschlägen zu sabotieren.

US-Notenbank wird den Leitzins wohl anheben

Positive Impulse könnten Kludes Einschätzung nach von der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Notenbank (Fed) ausgehen. "Einige im Markt befürchten, die Fed könnte den Ausblick auf die weitere Zinsentwicklung hin zu stärkeren Anhebungen verschieben. Wenn das ausbleibt, könnte das den Kursen helfen", sagte Klude. Erwartet wird eine Anhebung des US-Leitzinses um 25 Basispunkte auf dann 2,5 Prozent.

Bei den zurückliegenden Sitzungen hatte die Fed für kommende Zinsschritte stets ein "maßvolles Tempo" in Aussicht gestellt. Der am Freitag anstehende US-Arbeitsmarktbericht für Januar könnte den Finanzmärkten zusätzliche Signale für die Entwicklung der US-Konjunktur und mithin der Zinsen liefern.

Von der Europäischen Zentralbank (EZB), die turnusmäßig am Donnerstag tagt, wird keine Zinsänderung erwartet.