US-Klage Telekom stimmt Vergleich zu

Der Streit um den Börsenprospekt der Telekom scheint zumindest in den USA für den Konzern ein gutes Ende zu nehmen. In einem Sammelklageverfahren hat das Unternehmen sich nun zu einem Vergleich bereit erklärt und zahlt den Aktionären umgerechnet 92 Millionen Euro.

Bonn - Damit werde aber kein Fehlverhalten anerkannt, betonte der Konzern am Wochenende. "Die Telekom  ist nach wie vor davon überzeugt, dass die Vorwürfe unbegründet sind", hieß es. Der Vereinbarung muss noch ein Bezirksgericht zustimmen.

Hintergrund des Prozesses vor einem New Yorker Gericht sind angeblich falsche Angaben in einem Prospekt bei der Übernahme der US-Mobilfunkfirma VoiceStream im Juni 2000. Dabei geht es auch um die korrekte Bewertung des Telekom-Immobilienbesitzes. Der Kurs der Telekom war drastisch abgestürzt.

"Vereinbarung hat keinen Einfluss auf das Ergebnis"

Mit dem Vergleich will die Telekom nach eigenen Angaben "die erheblichen Kosten, die Bindung von Management-Kapazitäten und die Unwägbarkeiten vermeiden", die mit einem unter Umständen langwierigen Geschworenenprozess verbunden sein könnten. Die Vereinbarung hat laut Telekom keinen Einfluss auf die gegenwärtigen oder zukünftigen Ergebnisse, da bereits Rückstellungen in entsprechender Höhe gebildet wurden.

Auch in Deutschland haben mehr als 15.000 Aktionäre gegen die Telekom geklagt. Das Frankfurter Landgericht hatte das Mammut-Verfahren zum Prozessauftakt auf den 21. Juni 2005 vertagt. Die Kläger werfen der Telekom vor, im Börsenprospekt zum Verkauf der dritten Tranche von T-Aktien im Jahr 2000 falsche Angaben gemacht zu haben, und fordern ihr Geld zurück. Als Kern des Prozesses schält sich auch dort der Streit um die Bewertung des Immobilienbesitzes der Telekom heraus.

DSW erwartet Entgegenkommen nun auch in Deutschland

Aktionärsschützer erwarten nach dem Vergleich der Telekom in den USA, dass das Unternehmen auch den deutschen Klägern entgegenkommen könnte. Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), äußerte im "Tagesspiegel am Sonntag" die Erwartung, "dass sich der öffentliche Druck auf die Telekom erhöht, dass sie auch hier nachgibt".

Obwohl die meisten Klagen dieser Art in den USA von den Unternehmen mit einem Vergleich abgeschlossen werden, sieht Hocker nun einen moralischen Druck auf der Telekom lasten. "Der Vergleich ist ein Indiz dafür, dass die Immobilien-Bewertung vielleicht doch nicht ganz in Ordnung gewesen ist", sagte Hocker.

Dass es jetzt keinen Prozess in den USA geben wird, könne allerdings auch ein Nachteil für die deutschen Kläger sein. In den USA müssen die Unternehmen den Gerichten weit umfangreicheres Material zur Verfügung stellen als hier zu Lande. "Dieses Material steht jetzt für das Verfahren hier in Deutschland leider nicht zur Verfügung", sagte Hocker.