Ölmarkt Opec dreht vorerst nicht am Ölhahn

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hält ihre Fördermengen stabil. Da die gegenwärtigen Preise kaum Auswirkungen auf das Wachstum der Weltwirtschaft hätten, wolle die Opec die Preise auch nicht senken, teilte das Kartell am Sonntag mit.

Wien - Die Opec behält ihre derzeitigen Fördermengen unverändert bei, hebt aber ihre bisherige Zielpreisspanne für ein Barrel Öl vorübergehend auf. Das Kartell habe am Sonntag beschlossen, weiterhin 27 Millionen Barrel (ein Barrel = knapp 159 Liter) pro Tag zu fördern, hieß es in einer Mitteilung des Kartells nach Abschluss des Treffens der Opec-Minister in Wien. Die Entscheidung war so erwartet worden.

Die Opec beschloss gleichzeitig, ihre bisherige Zielpreisspanne von 22 bis 28 Dollar pro Barrel vorübergehend aufzuheben. Einem Opec-Delegierten zufolge könnte im Jahresverlauf eine neue Preisspanne beschlossen werden. Das nächste Treffen soll am 16. März im iranischen Isfahan sein.

Preise notieren längst über angegebener Spanne

Die Opec hatte ihre Preisspanne, die sich auf einen Korb verschiedener Ölsorten bezieht, im März 2000 eingeführt. Allerdings liegen die Ölpreise tatsächlich schon seit mehr als einem Jahr deutlich über dieser Spanne. Der Sortenkorb, den das Kartell als Referenzgröße ansieht, war am Freitag zuletzt mit 41,88 Dollar bewertet worden. In den USA lag am Freitag der Preis für ein Barrel des US-Leichtöls über der Marke von 47 Dollar. Die Industrienationen befürchten, dass ein hoher Ölpreis das Wachstum ihrer Volkswirtschaften beeinträchtigen wird.

Opec will die Preise nicht senken

Angesichts nur geringer Auswirkungen der hohen Ölpreise auf die Inflationsraten und das Wirtschaftswachstum in den Industrienationen gab es für die Opec keine Veranlassung, für eine Verbilligung des Energierohstoffs zu sorgen. "Wir glauben, dass der hohe Ölpreis die Weltwirtschaft nicht belasten wird. Es wird keine schwer wiegenden negativen Folgen für die Konjunktur geben", sagte der kuwaitische Opec-Präsident Scheich Ahmad al-Fahd al-Sabah.

Andererseits waren die Ölpreise vor dem Wochenende zu hoch, um eine Kürzung der Opec-Fördermengen zu rechtfertigen, die im zweiten Quartal 2005 umgesetzt worden wäre. Irans Ölminister Bidschan Sanganeh sagte: "Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, die Fördermengen zu kürzen." Scheich Ahmad stellte klar: "Wir müssen bis zum zweiten Vierteljahr dieses Jahres warten, um genau zu wissen, in welche Richtung der Preisindikator sich bewegen wird." Mit Blick auf die Preisspanne ergänzte er: "Aber ich glaube 35 Dollar sind ein annehmbarer Durchschnittspreis für den Opec-Ölsortenkorb."

Er kündigte außerdem rasches Handeln an, sollten sich die Öl-Lagerbestände vor dem Treffen in Isfahan zu schnell auffüllen. Dann könne eine Telefonkonferenz der Ölminister einberufen werden.