Viag Kein gutes Jahr

Der Wettbewerb im Stromgeschäft kostet den Münchner Versorger richtig Geld. Das Ergebnis vor Steuern wird in diesem Jahr voraussichtlich um mehr als zehn Prozent schrumpfen.

München - Der Preisdruck im Strommarkt und höhere Ausgaben für den Ausbau des Telefongeschäfts drücken bei der Viag auf die Zahlen. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr um 7 Prozent. Werden die Veränderungen im Konzernkreis eingerechnet, fällt der Umsatz sogar um 29 Prozent niedriger aus.

Ein Minus steht demzufolge auch beim Ergebnis vor Steuern. Hier erwirtschaftete das Unternehmen im ersten Halbjahr rund 15 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dabei sind Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf von Kühne&Nagel und SKW Canada schon eingerechnet, während die Vergleichszahl des Vorjahres um den Erlös aus dem Verkauf von Computer 2000 erhöht war.

Für das Gesamtjahr geht die Viag davon aus, daß ihr Ergebnis vor Steuern prozentual zweistellig zurückgehen wird. Im Jahr 2000 sollen dagegen die Investitionen in die Telekommunikation und die Restrukturierung im Stromgeschäft bessere Zahlen bringen.

Strom: Mehr verkauft, weniger verdient

Wie der Wettbewerb auf dem Strommarkt die Zahlen drückt, zeigt der Ausblick bei der Bayernwerk AG. Der Stromversorger als Führungsgesellschaft der Energie-Aktivitäten der Viag hat das Rekord-Vorsteuerergebnis aus dem Vorjahr in den ersten sechs Monaten 1999 verfehlt. Kostensenkungen und ein ausgeweiteter Vertrieb hätten den Preisverfall am liberalisierten Strommarkt nicht kompensieren können.

Obwohl der Stromabsatz des Bayernwerks durch vermehrten Stromhandel, Neukunden und die kühle Witterung im ersten Halbjahr um fünf Prozent ausgeweitet wurde, blieb der Umsatz mit 5,5 Milliarden Mark nahezu konstant. Noch 1999 will die Viag mit einem "Strukturpojekt" für massive Effizienzsteigerungen in den nächsten Jahren sorgen.

Telefongeschäft wächst nach Plan

Hoffnungen setzt die Viag auch auf das Telefongeschäft. Die Viag Interkom GmbH & Co oHG sei im ersten Halbjahr 1999 schnell gewachsen. Der Gesamtumsatz des Joint Ventures lag bei 494 Millionen Mark. Davon entfallen auf die Viag ein Umsatzanteil von rund 223 Millionen Mark - rund dreieinhalb mal mehr als im Vorjahr.

Das Privatkundengeschäft habe zum Umsatzwachstum bereits die Hälfte beigetragen, teilte die Viag mit. Allein im zweiten Quartal sei die Zahl der Mobilfunknutzer um 140.000 auf 230.000 gestiegen. Bei noch zunehmenden Wachstumsraten soll die Kundenzahl bis zum Jahresende auf 700.000 steigen, womit Viag Interkom an ihrem Ziel festhält.

Beteiligungen: Leichtes Plus

Das Ergebnis gesteigert haben die beiden Verpackungsunternehmen Gerresheimer Glas AG, Düsseldorf, und Schmalbach-Lubeca AG, Ratingen. Von beiden erwartet die Viag auch im Gesamtjahr einen höheren Ergebnisbeitrag.

Der Verkauf des Standard-Behälterglasgeschäfts an ein Joint Venture von Groupe Danone SA, Paris, und CVC Capital Partners wird am Donnerstag vollzogen. Damit zieht sich Gerresheimer aus dem Commodity-Geschäft zurück.

Schmalbach-Lubeca überkompensierte einen Rückgang des Umsatzes um zwölf Prozent durch die Restrukturierung des PET-Geschäfts in Amerika. Den Umsatz beeinträchtigten die fehlende Nachfrage, der schwierige osteuropäische Markt und die Weitergabe gesunkener Kunststoffgranulat-Preise.

Die VAW aluminium AG, Bonn, hat das hohe Ergebnis vor Steuern aus dem Vorjahr nicht wiederholen können, hofft aber, zum Jahresende an den Wert von 1998 anknüpfen zu können. Die Metallpreise entwickelten sich inzwischen wieder positiv, nachdem der niedrige Preis für Aluminium zu Jahresbeginn den Halbjahresumsatz um neun Prozent drückte. Die Verarbeitungsbereiche zeigten eine gute Entwicklung.

Bei der Goldschmidt AG, Essen, deren Chemie-Bereich im September in die SKW Trostberg AG, Trostberg, eingegliedert wird, rechnet die Viag nach dem Verkauf des Thermit-Geschäfts ebenfalls mit einem besseren Ergebnis als im Vorjahr. Bereits im ersten Halbjahr lag es knapp über dem Wert von 1998, obwohl der Umsatz - um Zu- und Verkäufe bereinigt - um neun Prozent zurückging. Oligomere und Silicone glichen die schwierige Lage der anderen Geschäftsfelder mehr als aus.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.