Thilenius-Kolumne Folgen des merkwürdigen Januar-Effekts 2005

Der flaue Start ins Börsenjahr 2005 sieht auf den ersten Blick nicht besonders vielversprechend aus. Der so genannte Januar-Effekt, dem zufolge Aktien im Januar steigen, weil viel neues Geld an die Börse fließt, glänzt 2005 durch Abwesenheit. Ist hier vielleicht ein schlechtes Vorzeichen für das Gesamtjahr 2005 zu sehen?

Man muss den größeren Zusammenhang sehen. Nach dem steilen Anstieg in den zwei Monaten seit der amerikanischen Präsidentenwahl entspricht es langjähriger Erfahrung, dass die Aktienmärkte einige Wochen Pause machen, um den Anstieg zu konsolidieren.

Neben den ordentlichen Ergebnissen der großen Unternehmen im Jahr 2004, den zuversichtlichen Ausblicken und den wieder erwachenden Übernahmen wie bei Procter & Gamble  und Gillette spielt die Markttechnik eine große Rolle.

Die Technik der Aktienmärkte hat sich in den vergangenen Monaten wesentlich verbessert. Damit sehen die Märkte auf absehbare Zeit attraktiv aus. Die Marktbreite, also die Zahl der steigenden Aktien im Vergleich zu fallenden Aktien ist sehr günstig. Sie ist jedoch nicht so ausgeprägt, wie man sie normalerweise auf dem Höhepunkt der Marktentwicklung sehen würde. Das Verhältnis der steigenden zu fallenden Werten ist insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen günstig.

Viel niedrig verzinstes Geld wartet auf gute Momente

Zusätzlich ist die Liquidität hoch. Nach Jahren der Abstinenz vom Aktienmarkt liegt viel Geld in Geldmarktfonds mit niedriger Verzinsung, das den Weg an den Aktienmarkt finden dürfte. Gleichzeitig haben die großen Unternehmen in den vergangenen Jahren gut verdient und verfügen über hohe Barbestände. Als Folge sehen wir zum einen höhere Dividenden, zum anderen ausgehend von den USA viel Aktivität im Übernahmesektor im Jahr 2005. Dies ist ebenfalls ein positives Element für den Markt.

Eine größere Korrektur stellt sich häufig dann ein, wenn der Markt sich über eine längere Zeit seitwärts bewegt ohne eine deutliche Aufwärtsbewegung. Das Hoch des Dow Jones Index  aus dem Jahr 2000 lag bei 11.722 Punkten, also etwa 10 Prozent über dem jetzigen Niveau.

Widerstandslinien für Dax und Dow Jones

Ungefähr in diesem Bereich und ähnlich etwa im Dax  auf dem Niveau von ungefähr 4600 Punkten treffen die Märkte auf erheblichen technischen Widerstand. Das Überwinden solcher Widerstände dauert üblicherweise eine ganze Weile. Oft, und zuletzt 1994, erreichen die Indizes die Widerstandszone, fallen danach zurück und nehmen einen neuen Anlauf - so lange, bis der Widerstand überwunden ist.

Nachdem die Märkte vom Tief im August bis zum Jahresende ungefähr 10 Prozent zugelegt haben, dürfte bei weiterhin günstiger Entwicklung diese Widerstandszone im Sommer erreicht werden. Der Aktien-Investor sollte sich daher vom flauen Start 2005 nicht entmutigen lassen und bestehende Engagements bis zum Erreichen der Widerstandszone halten.