Börsenschluss / Wall Street Schwaches US-Wachstum belastet Dax und Dow Jones

Am Freitag waren es schwache Vorgaben von der Wall Street, die den Dax ins Minus drückten. Selbst sinkende Ölpreise und die 57-Milliarden-Offerte von P&G für Gilette brachten die Börsianer nicht in Stimmung. Vor der Wahl im Irak hielten sich US-Investoren zurück.

Frankfurt - Belastet von Kursverlusten an den US-Börsen sind deutsche Aktien am Freitag ins Minus gerutscht. Der Dax  fiel auf die 4.200-Punkte-Marke und endete mit minus 0,35 Prozent bei 4.201,81 Zählern - im Wochenvergleich verlor der deutsche Leitindex 0,28 Prozent. Der MDax  kletterte um 0,04 Prozent auf 5.573,13 Zähler und behauptete sich damit zur Vorwoche gut. Der TecDax gab 0,24 Prozent auf 522,46 Punkte ab und endete damit nahe dem Schluss am vergangenen Freitag.

Die Quartalsberichte seien sowohl in Deutschland als auch in den USA zwar bisher überwiegend positiv ausgefallen, die Ausblicke hätten die Investoren aber oftmals nicht überzeugt, sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Nach dem starken Kursanstieg zum Ende des Vorjahres müssten diese Vorschlusslorbeeren nun erst noch verdient werden. Entsprechend versuchten die Indizes zunächst ihr Niveau zu verteidigen und bewegten sich seitwärts, hieß es am Markt.

Die Kurse an der Wall Street entwickelten sich bis Freitag abend gegen 20.30 Uhr negativ. Ein unerwartet schwaches Wachstum der US-Wirtschaft im vierten Quartal und Nervosität vor der Wahl am Sonntag im Irak haben den US-Börsen am Freitag empfindliche Einbußen beschert.

McDonald's und Merck konnten nicht überzeugen

Belastend wirkten sich Händlern zufolge zudem enttäuschende Quartalsergebnisse von Unternehmen wie McDonald's  und die Nachricht aus, dass der Patentschutz für das Osteoporose-Mittel des Pharmakonzerns Merck & Co. , Fosamax, früher als erwartet entfällt. Selbst die angekündigte Übernahme des Rasiererherstellers Gillette durch den Konsumgüterriesen Procter & Gamble  vermochte nicht, die Kauflust der Investoren anzuregen. Darüber hinaus hätten deutlich gesunkene Ölpreise die Aktienkurse der führenden Energiekonzerne ins Minus gedrückt.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor bis zum New Yorker Mittagshandel um 0,61 Prozent auf rund 10.403 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel um 0,89 Prozent auf rund 2028 Zähler. Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft  konnte seinen Gewinn im zweiten Quartal zwar mehr als verdoppeln, doch verging den Anlegern nach der Ankündigung der EU, neue Strafen gegen den Konzern seien nicht auszuschließen, der Appetit auf Aktien des Unternehmens. Diese notierten daraufhin mit 26,12 Dollar nur knapp im Plus. Ein deutliches Kursplus erreichte Gillette. Nach der 57-Milliarden-Dollar-Offerte von P&G stieg der Aktienkurs um mehr als zwölf Prozent auf 51,27 Dollar.

Anzeichen dafür, dass die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) bei ihrem Treffen am Sonntag die Förder- und Exportmengen unverändert lassen wird, ließen die Ölpreise beiderseits des Atlantiks um rund 1,50 Dollar je Barrel (knapp 159 Liter) absacken. Energiewerte verloren dadurch an Attraktivität und wurden verkauft. Die Titel des weltgrößten Energiekonzerns Exxon Mobil  verloren rund 0,8 Prozent auf 51,35 Dollar.

Tops und Flops in Frankfurt - Lufthansa vorn

Siemens  waren nach der positiven Kursentwicklung am Vortag im Zuge der Hauptversammlung zweitschwächster Dax-Wert. Die Titel wurden nach der Ausschüttung von 1,25 Euro an die Aktionäre ex Dividende gehandelt, verloren aber bereinigt um diesen Abschlag 1,52 Prozent auf 61,40 Euro. Händler verwiesen auf negative Analystenstimmen und die Unsicherheit um die Handy-Sparte sowie einen Stellenabbau als Belastungsfaktoren. Das Indexschlusslicht waren Infineon, die 1,54 Prozent auf 7,02 Euro verloren.

Aktien der Deutschen Lufthansa  legten 1,37 Prozent auf 10,35 Euro zu. "Bei den Analysten der Lufthansa ist der Investorentag gestern sehr gut angekommen", sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank. Er habe am Morgen mehrere positive Analystenkommentare gesehen. Zudem habe der rückläufige Ölpreis positiv gewirkt. Tagesgewinner im Dax waren Fresenius Medical Care  mit einem Aufschlag von 1,60 Prozent auf 61,61 Euro.

Henkel  verloren nach anfänglichen Kursgewinnen 0,15 Prozent auf 68,20 Euro, während die im MDax notierten Papiere von Beiersdorf 0,82 Prozent auf 86,49 Euro zulegten. Die milliardenschwere Übernahme des weltgrößten Rasierklingen-Herstellers Gillette  durch Procter & Gamble  löse neue Übernahmespekulationen für die deutschen Werte dieser Branche aus, sagten Händler.

Im MDax waren Norddeutsche Affinerie  mit einem Abschlag von 2,58 Prozent auf 15,10 Euro der größte Kursverlierer. Händler verwiesen auf einen negativen Analystenkommentar als Belastungsfaktor. Die größten Gewinner waren dagegen K+S (Kali und Salz)  mit plus 3,48 Prozent auf 37,77 Euro, Techem  legten 2,28 Prozent auf 32,32 Euro zu.

Süss Microtec  bauten an der TecDax-Spitze ihre Kursgewinne vom Vortag um weitere 8,20 Prozent auf 5,41 Euro aus. "Die lange Zeit erwarteten negativen Nachrichten sind jetzt raus und es gibt keinen Grund mehr, die Aktien zu verkaufen", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Der Anbieter von Fertigungs- und Prüfsystemen für die Halbleiterindustrie hatte am Mittwoch vorläufige Zahlen vorgelegt. Solarworld  verloren als schwächster Wert in dem Technologieindex 3,96 Prozent auf 71,55 Euro.