IBM Stark auch ohne PC-Geschäft

Der derzeit noch weltgrößte Computerkonzern ist auf den Wegfall seiner PC-Sparte gut vorbereitet. Denn mit mit Software und Dienstleistungen verdient IBM sehr gutes Geld. Im vierten Quartal stieg der Gewinn stärker als erwartet.

New York - IBM  hat im vierten Quartal dank eines vom schwachen Dollar getragenen Absatzes zum Jahresende 2004 den Gewinn stärker gesteigert als von Analysten erwartet. Die Aktie legte nach Bekanntgabe der Zahlen zu. Besonders gut entwickelten sich bei IBM das Software- und das Dienstleistungsgeschäft, teilte der Konzern am Dienstag nach US-Börsenschluss mit.

Chinas größter Computerhersteller wird die PC-Sparte von IBM kaufen. Die Transaktion, hofft Lenovo-Chef Yang Yuanqing (PC-Bild) soll Ende des zweiten Quartals 2005 abgeschlossen sein. In den drei letzten Monaten des vergangenen Jahres sei ein Netto-Gewinn von 3,1 Milliarden Dollar oder 1,81 Dollar je Aktie erwirtschaftet worden nach 2,71 Milliarden Dollar oder 1,56 Dollar je Aktie im Jahr zuvor, teilte der Konzern weiter mit. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt einen Gewinn je Aktie von rund 1,76 Dollar vorausgesagt. Der Umsatz wuchs auf um 7 Prozent auf 27,7 Milliarden Dollar von 25,9 Milliarden Dollar im Vorjahr.

"Der Gewinn pro Aktie war hervorragend", sagte Steve Neimeth von AIG SunAmerica. "Sie haben sogar die kühnsten Gerüchte übertroffen", sagte er mit Blick auf Spekulationen an der Wall Street. "Es sieht so aus, als sei das Ergebnis von Anfang bis Ende solide. Als Leithammel der Branche, sollten die anderen Technologiewerte nach diesem Bericht anziehen", fügte er hinzu. Die IBM-Aktie legte nachbörslich auf 95,10 Dollar von 94,90 Dollar zu.

Mit den Gewinn- und Umsatzprognosen der Analysten für das Geschäftsjahr 2005 zeigte sich IBM einverstanden. Die Erwartung eines Gewinnwachstums von elf Prozent im Gesamtjahr sei angemessen, sagte IBM-Finanzchef Mark Loughridge zu Investoren auf einer Telefonkonferenz. "Auf der Grundlage unseres jetzigen Kenntnisstandes können wir in 2005 beim Umsatz einen Prozentpunkt stärker wachsen als der gegenwärtige Marktdurchschnitt."

Nicht mehr im Umsatz auftauchen wird dann die PC-Sparte, die IBM für 1,25 Milliarden Dollar an das chinesische Unternehmen Lenovo verkauft. Damit konzentriert sich der in Armonk (Bundesstaat New York) ansässige Computerriese noch stärker auf seine ertragsstärksten Sparten. Mit PCs hatte das Unternehmen häufig nur wenig Geld verdient oder rote Zahlen geschrieben. Die Transaktion soll im zweiten Quartal 2005 abgeschlossen werden.

Gute Geschäfte mit Dienstleistungen und Software

Der Dienstleistungsumsatz erhöhte sich in dem Dreimonatsabschnitt um zehn Prozent auf 12,6 Milliarden Dollar. IBM holte mit seinen Dienstleistungsgeschäften Neuaufträge von 12,7 Milliarden Dollar herein und hatte zum Jahresende in diesem Geschäftsbereich einen beeindruckenden Auftragsbestand von 111 Milliarden Dollar. Dies ist inzwischen die mit Abstand größte und wichtigste IBM-Geschäftssparte. IBM betreibt für große und mittelgroße Unternehmen und andere Großkunden deren Informationstechnologiesparten und bietet ihnen auch Consulting sowie andere Dienstleistungen an.

Der Hardware-Umsatz, sprich das IBM-Geschäft mit den Rechnern, stieg um vier Prozent auf 9,5 Milliarden Dollar. Es gab bei bestimmten Server-Modellen starke Umsatzsteigerungen. Die Personal-Systems-Sparte, zu der auch der PC-Geschäftsbereich gehört, verbuchte eine bescheidene Umsatzsteigerung von zwei Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar. Der Softwareumsatz legte im Schlussquartal 2004 deutlich um sieben Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar zu.

Jahresergebnisse ebenfalls deutlich gesteigert

Der IBM-Jahresumsatz stieg um acht Prozent auf 96,5 Milliarden Dollar. IBM verdiente im laufenden Geschäft im vergangenen Jahr 8,4 Milliarden Dollar oder elf Prozent mehr als 2003. Der Gewinn pro Aktie legte auf 4,94 (4,34) Dollar zu. Analysten rechnen bei IBM in diesem Jahr mit einem Umsatz von 101,88 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 5,63 Dollar je Aktie.

Der Jahresumsatz erhöhte sich im nord- und südamerikanischen Markt um vier Prozent auf 40,1 Milliarden Dollar. In der Region Europa/Naher Osten/Afrika legte IBM um zehn Prozent auf 32,1 Milliarden Dollar zu, doch gab es unter Ausklammerung von Wechselkursveränderungen dort nur einen Zuwachs von einem Prozent. Im asiatisch-pazischen Raum steigerte IBM den Umsatz um elf Prozent auf 21,5 Milliarden Dollar und im Geschäft mit anderen Computerfirmen um zehn Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar.

IBM hatte zum Jahresende zehn Milliarden Dollar liquide Mittel verfügbar. Die Gesellschaft hatte im Gesamtjahr eigene Aktien im Wert von 7,3 Milliarden Dollar zurückgekauft.