EU Weniger Wachstum, mehr Jobs

Straßburg/Brüssel - Die Europäische Kommission nimmt ihre Wachstumsprognose für 1999 wegen der Asien- und Rußlandkrise um 0,6 Prozentpunkte auf 2,4 Prozent zurück. Für das laufende Jahr korrigiert sie die Wachstumsaussichten dafür leicht nach oben auf 2,9 Prozent. Das geht aus der EU-Herbstprognose hervor.

Trotz des Wachstumsdämpfers erwartet die EU eine deutliche Verbesserung der Beschäftigungslage. So wird mit 1,7 Millionen neuen Arbeitsplätzen in diesem Jahr und 1,3 Millionen Stellen 1999 gerechnet. Die Arbeitslosenquote könnte von 10,7 Prozent im Jahr 1997 auf 9,0 Prozent im Jahr 2000 fallen.

Im ganzen zeichnet EU-Währungskommissar Yves-Thibault de Silguy ein positives Bild der EU-Wirtschaft. Das Wachstum werde von der Binnennachfrage angetrieben, die die Verluste auf den asiatischen und russischen Märkten ausgleiche. Die Inlandsnachfrage werde 1998 um 2,6 Prozent und 1999 um 2,5 Prozent zunehmen.

Als positiv wertet die Kommission ferner die Währungsstabilität in den elf zukünftigen Euro-Ländern, niedrige Inflation, geringere Zinsen und sinkende öffentliche Defizite. Mit 1,6 Prozent in diesem Jahr sei die Teuerungsrate sogar auf einem Rekordtief - sie bleibe auch 1999 mit 1,7 Prozent und im Jahre 2000 mit 1,8 Prozent unter Kontrolle.

Dagegen warnt die Kommission vor einem weiteren Fall des US-Dollars. Die Prognosen basierten auf einer Bewertung von 1,65 Mark pro Dollar. Negativ auf das Vertrauen der Investoren könnten sich auch andauernde Turbulenzen auf den Finanzmärkten auswirken.

Die kommende Währungsunion habe sich in der gegenwärtigen Krise als ein "Stabilitätspol" erwiesen, sagte de Silguy. Er forderte die Mitgliedsländer auf, ihre Sparanstrengungen fortzusetzen, um mittelfristig zu ausgeglichenen Haushalten zu kommen. Das durchschnittliche Haushaltsdefizit in der EU werde von 2,3 Prozent im Jahre 1997 über 1,8 Prozent in diesem Jahr auf 1,2 Prozent im Jahre 2000 fallen, schätzt die Kommission. Der Schuldenabbau gehe damit langsamer voran als in den Jahren 1996/97. Aber kein Land verletze die in Maastricht vereinbarte Obergrenze von drei Prozent.

Deutschland liegt in der Tabelle der Kommission deutlich über dem Durchschnitt. Für dieses Jahr wird ein Haushaltsdefizit von 2,6 Prozent und für die beiden kommenden Jahre von jeweils 2,2 Prozent vorhergesagt. Bei der Staatsverschuldung bleibt Deutschland nach den Schätzungen über dem Maastricht-Grenzwert von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (61,3 Prozent 1998, 61,0 Prozent 1999 und 60,7 Prozent 2000).

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