Devisen Dollar-Schwäche setzt sich fort

Die andauernde Unsicherheit über die hohen Defizite der USA im Staatshaushalt und in der Leistungsbilanz setzen dem Dollar stark zu. Der Euro ist am Dienstag auf ein Rekordhoch gestiegen.

Frankfurt am Main - Zeitweise stieg der Euro im Dienstagshandel auf 1,3643 Dollar und notierte damit so hoch wie noch nie seit seiner Einführung an den Finanzmärkten im Januar 1999. Unerwartet gute Konjunkturdaten gaben dem Dollar am Nachmittag aber etwas Unterstützung, so dass der Euro leicht auf 1,3630 Dollar abbröckelte.

Händler sprachen von einem sehr geringen Umsatz. Schon wenige Orders reichten, um den Kurs zu bewegen. Zum Yen und zum Schweizer Franken notierte der Dollar leicht über 103 Yen beziehungsweise 1,1322 Franken kaum verändert zum Vortag.

"Es gibt einen starken Konsens, dass der Dollar weiter fallen wird", fasste Joachim Schütz, Chefökonom bei UBS in Zürich, die Marktstimmung zusammen. Viele Marktteilnehmer seien bisher aber offenbar noch nicht entsprechend positioniert, hieß es in Frankfurt.

"Schon ein kleiner Rückschlag (des Euro) würde genügen, um diejenigen in den Markt zu locken, die noch Positionen beim Euro aufbauen müssen", erklärte Claudia Bauer, Devisenstrategin bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in Frankfurt. Somit konnte der Dollar nur geringfügig von dem überraschend deutlichen Anstieg des vom Forschungsinstitut Conference Board ermittelten US-Verbrauchervertrauens im Dezember profitieren. Der Index fiel mit 102,3 Punkten deutlich höher als von Analysten mit 94,6 Punkten prognostiziert aus.

Der von der Europäischen Zentralbank (EZB) ermittelte Referenzwert stieg um mehr als einen US-Cent auf 1,3633 (Vortag 1,3527) Dollar. Damit kostete ein Dollar 73,33 Euro-Cent und ist für Bundesbürger ungefähr so günstig wie zuletzt Anfang Januar 1996, als für einen Dollar etwa 1,4345 DM bezahlt wurden.

Sein tiefstes Niveau zur Mark hatte der Dollar übrigens im März 1995 mit rund 1,3450 DM erreicht, was etwa 68,80 Euro-Cent je Dollar oder umgekehrt ausgedrückt rund 1,46 Dollar je Euro entspricht.

Keine konzertierten Interventionen erwartet

Aussagen des japanischen Finanzministers Sadakazu Tanigaki, wonach die Währungshüter die Lage am Devisenmarkt auch zwischen Weihnachten und Neujahr genau beobachteten, blieben ohne spürbare Auswirkung auf die Kurse. Während Japan bis zum März dieses Jahres Milliarden von Yen zur Stützung des Dollar ausgegeben hatte, hat es in der derzeitigen Schwächephase des Dollar noch keine Interventionen gegeben.

Interventionen der Zentralbanken können nach Einschätzung vieler Händler nur dann Erfolg haben, wenn sich alle maßgeblichen Banken, also auch die US-Notenbank (Fed), daran beteiligt. Dies gilt aber angesichts der hohen Defizite der USA als äußerst unwahrscheinlich, es sei denn der Dollar-Kursverfall würde bedrohliche Züge annehmen. Allgemein wird davon ausgegangen, dass Fed und US-Regierung den schwachen Dollar als willkommenes Instrument zur Finanzierung der Defizite ansehen.

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