Neuer Aktienindex Familien nach vorn

Die Deutsche Börse startet Anfang kommenden Jahres einen neuen Index für eigentümergeführte Unternehmen. Die großen Fondsgesellschaften sind noch skeptisch, die kleineren Firmen sollten aber von dem Werbeeffekt profitieren.

Frankfurt am Main - Das letzte Überbleibsel des Neuen Marktes wird in wenigen Tagen aus der deutschen Börsenlandschaft verschwinden: Der Index Nemax 50 der einst wichtigsten Wachstumswerte wird am 30. Dezember zum letzten Mal berechnet.

Am darauf folgenden Börsentag startet die Deutsche Börse  einen neuen Index, den so genannten Gex, der sich an einer ganz anderen Zielgruppe orientiert: Mehr als 120 Unternehmen, bei denen die Gründer oder Eigentümer mitsamt Verwandtschaft trotz der Börsennotierung immer noch großen Einfluss haben. Viele der Firmen zählen zum bodenständigen Mittelstand - aber auch einige Überlebende vom Neuen Markt sind dabei.

Gex steht für "German Entrepreneurial Index", was so viel wie "Deutscher unternehmerischer Index" bedeutet. Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist, dass 25 bis 75 Prozent der stimmberechtigten Aktien im Besitz von Vorständen, Aufsichtsräten oder deren Familien sind.

"Der Gex schafft erstmals ein Schaufenster für diese Firmen", erläutert ein Sprecher der Deutschen Börse. Allerdings dürfe der Börsengang nicht länger als zehn Jahre zurückliegen. Maßstab für den Index sei nämlich die Kursentwicklung im Anschluss an die Neuemission. Etliche Vorzeige-Unternehmen, in denen die Stimme einzelner Eigentümer nach wie vor großes Gewicht hat - zum Beispiel der Autohersteller BMW  mit der Familie Quandt - sind daher nicht im Gex vertreten.

Investmentbranche zurückhaltend

"Von Juni 2002 bis Oktober 2004 hätte der Gex die Indices Dax , TecDax  und SDax  geschlagen", heißt es bei der Deutschen Börse. Fondsgesellschaften sollen dazu bewegt werden, neue Finanzprodukte wie etwa Zertifikate aufzulegen, die sich an dem Index orientieren. Doch die Investmentbranche zeigt sich zunächst zurückhaltend. Beim Marktführer DWS, einer Tochter der Deutschen Bank , sind erst einmal keine Gex-Produkte geplant.

Und auch Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, winkt ab. "Grundsätzlich halten wir viel von Unternehmen, an denen die früheren Hauptanteilseigner noch beteiligt sind - die Firma ist ihnen dann nämlich nicht gleichgültig", sagt ein Sprecher. "Aber die Marktkapitalisierung und der Streubesitz im Gex sind relativ gering".

Die beiden Kriterien sind entscheidend, wenn es darum geht, wie leicht Aktien des betreffenden Unternehmens gekauft und verkauft werden können. Liquidität und Wertentwicklung bestimmen wiederum die Attraktivität einer Aktie oder eines Indices. Die im Gex notierten Unternehmen selbst glauben auch nicht daran, dass ein Erfolg garantiert ist.

Werbung für kleinere Firmen

"Es stimmt, dass Eigentümer sich primär am langfristigen Erfolg ihres Unternehmens orientieren. Aber es gibt auch Investoren, die kurzfristig spekulieren - die haben vielleicht gar kein Interesse daran", heißt es bei dem gleichzeitig im MDax  notierten Brillenhersteller Fielmann . Dort ist Gründer Günther Fielmann Vorstandsvorsitzender, und er hält auch mehr als 70 Prozent der Aktien.

Fielmann hat die zusätzliche Werbung durch den Gex ebenso wie die Index-Schwergewichte - dazu zählen vor allem Fresenius Medical Care , Henkel , United Internet  und AWD  - vermutlich auch gar nicht nötig.

Anders sieht es bei den kleineren Firmen aus. Zum Beispiel die Mosaic Software AG  aus Meckenheim bei Bonn, die einst im Neuen Markt gelistet war. "Wir stehen nicht unmittelbar im Mittelpunkt des Aktienmarkts, deshalb ist die Aufnahme in den Gex ein positives Signal für uns", meint eine Sprecherin. Die Reaktionen der Investoren müssten aber noch abgewartet werden.

Mosaic entstand aus einem internationalen Handelshaus; der jordanische Geschäftsmann Assem Audi bildet gemeinsam mit seinem Sohn Fosi den Vorstand. Familiärer dürfte es im Gex nirgendwo sonst zugehen.

Alexander Missal, dpa

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