Steuer-Kolumne Altersvorsorge 2005

Anleger und Verbraucher erwarten 2005 viele Veränderungen. Besonders einschneidend sind die Umstellungen bei der Altersvorsorge. Denn die schrittweise Einführung der nachgelagerten Besteuerung bei Renten hat weit reichende Konsequenzen.
Von Hartmut Fischer

Die wesentlichste Veränderung bei der Altersvorsorge spielt sich im steuerlichen Bereich ab. Aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichtes wird die bisherige vorgelagerte Versteuerung (Beitragszahlung wird versteuert, Altersruhegeld bleibt steuerfrei) durch eine nachgelagerte Versteuerung abgelöst.

Dieser Prozess kann jedoch nicht durch einen Schnitt herbeigeführt werden. Das würde zu großen Ungerechtigkeiten führen. Stellen wir uns einen Arbeitnehmer vor, der 2005 in Rente geht. Bei einer kompletten Umstellung der Versteuerung hätte er seine gesamten Beiträge versteuert und müsste zusätzlich seine Rente versteuern.

Es könnte nun der Eindruck entstehen, dass die Renten bisher steuerfrei waren. Doch dem ist nicht so. Der so genannte Ertragsanteil wurde schon immer versteuert. Es handelt sich hierbei - vereinfacht dargestellt - um eine rechnerische Größe, die jenen Wert abbildet, der die eingezahlte Summe übersteigt. Dieser Ertragsanteil unterscheidet sich nach der Rentenart, also danach, ob eine lebenslange oder eine abgekürzte Leibrente vorliegt.

Unter "lebenslänglichen Leibrenten" versteht man die Altersrenten und große Witwenrenten, sofern diese lebenslang gezahlt werden. Als "abgekürzte Leibrenten" bezeichnet man Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, kleine Witwenrenten, sowie zeitlich begrenzte große Witwenrenten, Waisenrenten und Erziehungsrenten.

Bei lebenslangen Leibrenten wird der Ertragsanteil vom Renteneintrittsalter abhängig gemacht. Derzeit beträgt dieser Anteil bei Rentenbeginn mit vollendetem 65. Lebensjahr 27 Prozent der Jahresbruttorente (vor Abzug der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge). Da allein der so genannte Grundfreibetrag derzeit 7664 Euro beträgt, bleiben die meisten Rentnerinnen und Rentner von der Steuerzahlung verschont.

Bei den abgekürzten, also befristeten Leibrenten richtet sich die Höhe des Ertragsanteils nicht nach dem Eintrittsalter des Empfängers. Grundlage ist hier der Zeitraum, für den die abgekürzte Leibrente gezahlt wird. Je kürzer die Laufzeit dieser Rente, desto geringer ist der Ertragsanteil.

Anhebung des Ertragsanteils

Anhebung des Ertragsanteils

Wurde - wie bereits geschildert - in diesem Jahr ein Ertragsanteil von 27 Prozent bei einem Rentenbeginn mit 65 Jahren versteuert, wird dieser Satz ab 2005 drastisch angehoben. Er steigert sich für Rentenbezieher und für alle, die 2005 in Rente gehen, auf 50 Prozent. In den folgenden Jahren wird der zu versteuernde Anteil zunächst um zwei und dann um ein Prozent jährlich angehoben, so dass bis 2040 die Rente zu 100 Prozent versteuert wird. Der im Jahr des Renteneintritts zu versteuernde Anteil (beziehungsweise für alle, die bereits Rente beziehen, der Anteil im Jahr 2005) wird als Freibetrag eingefroren.

Dies bedeutet, dass für einen Rentner mit einer Jahresrente von 18.000 Euro ein Freibetrag von 9000 Euro im Jahr 2005 ermittelt wird. Steigt die Rente in den folgenden Jahren, bleibt der Freibetrag bei 9000 Euro. Sollte die Rente also beispielsweise auf 21.000 Euro steigen, blieben weiterhin 9000 Euro steuerfrei, was nur noch rund 42,8 Prozent der Gesamtrente ausmachen würde.

Wie hoch sind die Steuern?

Die Umstellung hat zur Folge, dass der so genannte Ertragsanteil der Rente - das ist der zu versteuernde Anteil - von 27 Prozent auf 50 Prozent angehoben wird. Daraus ergibt sich beispielsweise für einen Single, dass ein Renteneinkommen von maximal 18.892 Euro (also rund 1574 Euro im Monat) steuerfrei bleibt. Dies ergibt sich aus folgendem Beispiel:

Beispielrechnung Single

Steuerfreier Grundfreibetrag 7664 Euro
Sonderausgabenpauschbetrag 36 Euro
Werbungskostenpauschbetrag 102 Euro
Sonderausgabenabzug (7,8 Prozent von 18.892 Euro) 1644 Euro
Gesamt 9446 Euro

Da dieser Anteil immer steuerfrei bleibt, darf er maximal 50 Prozent der Gesamtrente ausmachen, so dass wir auf 18.892 Euro im Jahr 2005 kommen.

Dies ist nur eine Beispielrechnung. Steuerpflichtig ist grundsätzlich die gesamte Bruttorente abzüglich des persönlichen Rentenfreibetrags. Die tatsächliche Steuerbelastung ist jedoch von vielen weiteren Faktoren abhängig: Familienstand, Höhe der Krankenversicherungsbeiträge, außergewöhnliche Belastungen (beispielsweise bei Behinderungen) und Vieles mehr. Aussagen zur Steuerbelastung können daher immer nur der groben Orientierung dienen.

Besteuerung trifft Zusatzeinkommen

Besteuerung trifft Zusatzeinkommen

Die neue Besteuerung der gesetzlichen Renten wirkt sich besonders negativ aus, wenn weitere Einkünfte bezogen werden. Für die Ermittlung des zu versteuernden Einkommens werden grundsätzlich alle Einkünfte addiert. Alle Einkünfte (inklusive des steuerpflichtigen Teils der Rente), die nach Berücksichtigung aller übrigen Abzüge den steuerlichen Grundfreibetrag von derzeit 7664/15.328 Euro (Single / Paare) übersteigen, müssen versteuert werden.

Ab 2005 wird der zu versteuernde Rentenanteil steigen. Dadurch wird der Grundfreibetrag früher überschritten und Steuern werden auch bei kleineren Einkommen fällig.

Steuererklärung für Rentner

Grundsätzlich sind Rentner auch heute verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Bisher galt jedoch die Regel, dass Rentner, die keine Steuern zu zahlen hatten, eine so genannte Nichtveranlagungsbescheinigung erhielten. Eine Einkommensteuererklärung musste dann nur abgegeben werden, wenn wesentliche Veränderungen in den Einkommensverhältnissen eintraten.

Sicher werden Rentner in Zukunft häufiger aufgefordert, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Ob sie zukünftig regelmäßig eine Einkommensteuererklärung abgeben müssen, ist noch nicht klar. Es wird wahrscheinlich im Ermessensspielraum des Finanzamtes liegen, ob jährlich eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden muss oder nicht. Die Entscheidung wird dabei von vielen Faktoren abhängen: Einkünfte des Ehepartners, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung oder Kapitaleinkünfte oberhalb des Sparerfreibetrags.

Sonderausgaben ab 2005 geteilt

Steuerzahler, die noch nicht in Rente gehen, sollten unbedingt beachten: Ab 2005 wird die Abzugsmöglichkeit für Vorsorgeaufwendungen im Rahmen der Sonderausgaben in zwei Aufwendungsarten getrennt: Altersvorsorgeaufwendungen und sonstige Vorsorgeaufwendungen. Darüber hinaus gibt es noch die zusätzlichen Abzugsmöglichkeiten für Beiträge zur Riester-Rente und Sonderregelungen für die betriebliche Altersversorgung.

Ab dem kommenden Jahr werden die folgenden Altersvorsorgeaufwendungen im Rahmen der Sonderausgaben absetzbar sein.

  • Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung
  • Beiträge zur landwirtschaftlichen Alterskasse
  • Beiträge zu berufsständischen Versorgungswerken, die eine den gesetzlichen Rentenversicherungen vergleichbare Leistung erbringen
  • Beiträge zu neu zu schaffenden privaten Leibrentenversicherungen, bei denen die erworbenen Anwartschaften nicht beleihbar, nicht vererblich, nicht übertragbar, nicht veräußerbar und nicht kapitalisierbar sind. Diese Versicherung darf nur als monatliche lebenslange Leibrente nicht vor Vollendung des 60. Lebensjahrs ausgezahlt werden. Der Abschluss einer ergänzenden Hinterbliebenenversicherung beziehungsweise einer Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsminderungsversicherung ist möglich.

Einrechnung des Arbeitgeberanteils

Einrechnung des Arbeitgeberanteils

Beiträge zu diesen genannten Versicherungen sind bis 20.000 Euro (Single) beziehungsweise 40.000 Euro (Verheiratete) 2005 zu 60 Prozent absetzbar. Allerdings gelten diese Beträge einschließlich der Arbeitgeberbeiträge, was den absetzbaren Betrag stark vermindert. Wurden beispielsweise in einem Jahr 20.000 Euro Rentenversicherungsbeiträge gezahlt, wären hiervon 12.000 steuerlich absetzbar. Da der Arbeitgeber hiervon bereits die Hälfte des Beitragsaufkommens getragen hat (10.000 Euro) verbleiben tatsächlich 2.000 Euro, die steuerlich geltend gemacht werden können.

Ab 2005 wird es für die übrigen Sozialversicherungsbeiträge (Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung) und andere Vorsorgeaufwendungen (zum Beispiel private Haftpflicht- und Risikoversicherungen) einen eigenen, getrennten Höchstbetrag geben. Steuerpflichtige, die ihren Krankenversicherungsschutz nicht vollständig selbst bezahlen müssen, können hierfür maximal 1500 Euro absetzen (also alle sozialversicherungspflichtig Tätigen wie Arbeiter und Angestellte oder Personen mit Beihilfeanspruch und Rentner). Für alle anderen Steuerzahler beträgt dieser Höchstbetrag 2400 Euro. Bei Ehepaaren, die zusammen veranlagt werden steht jedem Ehepartner der Abzugsbetrag gesondert zu.

Neben diesen Sätzen können natürlich weiterhin die Beiträge zur Riesterrente im Rahmen der hierfür vorgesehenen Höchstbeträge abgesetzt werden. Auch für Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung gibt es eigene Steuervergünstigungen.

Ganz wichtig: Beiträge zu Kapitallebensversicherungen, die nach dem 31. Dezember 2004 abgeschlossen werden, lassen sich nicht mehr absetzen.

Rentner können ebenfalls ihre Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung und sonstige Vorsorgeaufwendungen (Beispielsweise Haftpflicht, Unfallversicherung) Steuer mindernd geltend machen. Hier gelten die gleichen Höchstbeträge wie für Arbeitnehmer.