Hedging Rekord-Euro trifft Dax-Konzerne mit Wucht

Auf einen Eurokurs von 1,347 Dollar hat sich laut einem Medienbericht kaum ein Dax-Konzern eingestellt. Viele haben für das kommende Jahr nur mit einem Anstieg bis 1,30 Dollar gerechnet und sich für ein noch stärkeres Plus nicht abgesichert.

Düsseldorf/Frankfurt - Der jüngste starke Anstieg des Euros gegenüber dem US-Dollar hat Deutschlands führende Konzerne nach einem Bericht des "Handelsblatts" anscheinend überrascht. Viele Unternehmen hätten den Planungen für das Jahr 2005 einen deutlich niedrigeren Durchschnittswert als den aktuellen Devisenkurs von knapp 1,35 Euro je Dollar zu Grunde gelegt, schreibt das "Handelsblatt" (Mittwochausgabe) unter Berufung auf eine eigene Umfrage unter den 30 Dax-Unternehmen.

Nur wenige Konzerne wie zum Beispiel Siemens  rechneten bislang mit einem Euro-Kurs von 1,35 Dollar. Bayer , Commerzbank , die Deutsche Post  ThyssenKrupp  dagegen rechneten mit Kursen von 1,27 bis 1,30 Dollar. Aktuell plane kein Unternehmen eine Änderung der Währungsabsicherungspolitik (Hedging), schreibt die Zeitung.

Die besorgten Äußerungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Finanzminister der Euro-Zone über den hohen Kurs der Gemeinschaftswährung konnten den Dollar am Dienstag nicht nachhaltig stützen. "Die Kommentare des Treffens waren weitgehend eine Wiederholung vorhergehender Äußerungen, und sie werden den gegenwärtigen Anstieg des Euro nicht stoppen", sagte Ian Stannard, Währungsstratege bei BNP Paribas.

"Rechtfertigung für Interventionen ist gestiegen"

Mögliche Interventionen der Zentralbanken sind zwar am Markt schon seit längerem Diskussionsthema. Nach Einschätzung von Börsianern stehen Eingriffe am Devisenmarkt zumindest durch die EZB aber kaum unmittelbar bevor.

"Die Rechtfertigung für Interventionen ist ganz klar gestiegen", kommentierte Mitul Kotecha, Devisenanalyst bei Calyon. Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit von Interventionen sehr viel höher, sollte der Euro die Marke von 1,40 Dollar durchbrechen.

Gegen Mittag notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,3465 Dollar nach einem Schlusskurs in New York am Vorabend bei 1,3407 Dollar. Kaum Auswirkungen auf die Devisenkurse hatte der überraschende Anstieg des Indikators des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Appell der EZB an Washington verhallt

Im Referenzkursverfahren der Banken EuroFX wurde der Kurs des Euro mit 1,3458 (Montag 1,3433) Dollar festgelegt. Die EZB ermittelte den Referenzkurs mit 1,3456 (1,3435) Dollar.

Die gemeinsame Erklärung der EZB und der Euro-Finanzminister vom Montagabend stützte den Dollar nur kurz. Die Zentralbank und die Minister hatten bekräftigt, dass die jüngsten starken Schwankungen der Wechselkurse aus ihrer Sicht nicht willkommen seien.

Zugleich riefen sie die USA zum Handeln auf und betonten, die Wechselkursentwicklung genau zu beobachten. Die Äußerungen nährten im fernöstlichen Handel Spekulationen über eine womöglich bevorstehende Intervention am Devisenmarkt und drückten den Euro zeitweise unter 1,34 Dollar.

Bundesbank-Präsident Weber hält Eingriff für möglich

Carsten Fritsch, Devisenanalyst bei der Commerzbank wertete die Aussagen als bisher stärkste Verbalintervention von Vertretern der Euro-Zone. Das neue Rekordhoch des Euro zeige aber, "dass derartigen Maßnahmen derzeit nur eine geringe Glaubwürdigkeit beigemessen wird."

Umso unwahrscheinlicher sei eine Interventionen, als dass die EZB in der vergangenen Woche über eine Zinserhöhung diskutiert hatte, ergänzte er. "Es macht keinen Sinn zu intervenieren und gleichzeitig die Zinsen zu erhöhen."

Am Dienstag sagte Bundesbank-Präsident Axel Weber, dass Interventionen ein Instrument seien, dass den Zentralbanken zur Verfügung stehe.

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