EZB Alles unverändert - bis auf die Konjunktur

Die Europäische Zentralbank (EZB) steckt in einem Dilemma. Der hohe Ölpreis beschleunigt die Inflation. Das spricht eigentlich für eine Zinserhöhung. Dass er gleichzeitig die Konjunktur lähmt und der Euro seinen Rekordkurs fortsetzt, spricht eher dagegen. Also entschied der EZB-Rat: Die Leitzinsen bleiben, wie sie sind.

Frankfurt/Main - "Sehr einvernehmlich" habe sich der Rat der Europäischen Zentralbank dafür ausgesprochen, den bisherigen Zinssatz von 2,0 Prozent beizubehalten, teilte Notenbankchef Jean-Claude Trichet in Frankfurt mit. Über eine mögliche Zinssenkung sei gar nicht gesprochen worden, so Trichet.

Angesichts des explodierten Ölpreises korrigierte die EZB aber ihre Wachstumsprognose für das kommende Jahr nach unten. Für 2005 werde im Euro-Raum ein Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts zwischen 1,4 und 2,4 Prozent erwartet, sagte Trichet. Bislang hatte die Notenbank ein Wirtschaftswachstum zwischen 1,8 und 2,8 Prozent vorhergesagt.

Gleichzeitig beschleunige der Ölpreis die Inflation. Für 2005 rechnet die EZB daher mit einer Inflationsrate von 1,5 bis 2,5 Prozent. Bislang lag sie bei 1,3 bis 2,3 Prozent. Kurzfristig sei die Aussicht für die Preisstabilität bedenklich, sagte der EZB-Präsident. Die Ölpreise ließen die Jahresteuerung noch eine Weile über zwei Prozent verharren, im Lauf des nächsten Jahres sei aber ein Rückgang unter diese Schwelle zu erwarten.

Hinweise auf eine bevorstehende Intervention an den Devisenmärkten lieferte der Notenbankchef nicht. Die jüngsten Wechselkursschwankungen seien nach Ansicht Trichets zwar "nicht zu begrüßen". Er betonte jedoch, "verbale Disziplin" sei das "Wort der Stunde". Trichet hatte die Wechselkursbewegungen in jüngster Zeit bereits mehrfach als nicht willkommen bezeichnet. "Die Währungshüter halten ihr Pulver auch für verbale Interventionen weiter trocken", sagte ein Analyst der DekaBank. Am Morgen hatte eine Zeitung berichtet, die EZB habe bereits mit Verantwortlichen in Japan über gemeinsame Marktinterventionen gesprochen. Dazu äußerte sich Trichet nicht.

Die Währungshüter dürften erst mit verbalen Interventionen am Markt eingreifen, wenn der Kurs des Euro  über die Marke von 1,35 US-Dollar steige, schätzen Marktbeobachter. Schließlich nutze sich das Instrument verbaler Interventionen mit wachsender Häufigkeit des Einsatzes ab. Mit 1,3385 Dollar erreichte der Euro zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch. Die Notenbank legte den Referenzkurs mit 1,3314 US-Dollar fest.

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