WCM Nahes Ende einer leidvollen Geschichte

Der Käufer für 31.000 WCM-Wohnungen ist offenbar gefunden: US-Finanzinvestor Blackstone soll demnach der Partner bei dem Milliardendeal sein. Die Verschmelzung der noch hoch verschuldeten Beteiligungsgesellschaft mit der Klöckner-Werke AG wird damit immer wahrscheinlicher.

Hamburg/Frankfurt am Main - Möglicherweise schon kurz nach der Aufsichtsratssitzung an diesem Donnerstag wird die Beteiligungs- und Grundbesitzgesellschaft WCM  den Verkauf ihrer 31.000 Wohnungen bekannt geben. "Wir gehen ganz stark davon aus, dass es nach der Sitzung Meldungen aus dem Unternehmen geben wird. Insofern ist es kein Fehler, die WCM-Aktie am Donnerstag im Auge zu behalten", sagte eine Sprecherin am Dienstag auf Anfrage von manager-magazin.de.

Konkret auf einen möglichen Käufer der Wohnungen angesprochen, machte die Sprecherin aber keine Angaben. "Wir müssen uns hier bedeckt halten." WCM hatte in der Vergangenheit lediglich erklärt, dass das Unternehmen mit mehreren potenziellen Investoren verhandle.

Zuletzt hatten das "Handelsblatt" und die Nachrichtenagentur Reuters die US-Investorengruppe Blackstone als möglichen Käufer für die Immobilien genannt. Nach Informationen der Zeitung vom Dienstag habe das Unternehmen bereits vor mehreren Monaten einen Werthaltigkeitsprüfung für die Immobilien auf den Weg gebracht und wolle nun 1,4 Milliarden Euro dafür bezahlen. Ein Vorvertrag sei bereits geschlossen worden. "Die Sache ist praktisch durch - Blackstone nimmt die Wohnungen", sagte "ein mit der Situation Vertrauter" gegenüber Reuters. Die WCM-Sprecherin wollte indes die Meldungen nicht bestätigen.

WCM drücken Milliarden-Schulden

WCM muss sich von ihren Wohnungen trennen, um die Verschuldung von insgesamt 1,8 Milliarden Euro zu verringern. Mit der Übernahme der Wohnungen könnte die Blackstone-Gruppe, die im Juli vergangenen Jahres als WCM-Einstiegskandidat gehandelt worden war, ein weiteres großes Immobiliengeschäft in Deutschland abschließen. 2003 hatte der US-Investor bereits von der Deutschen Bank  für eine Milliarde Euro 51 Bürogebäude übernommen. Im April hatte der US-Investor zudem für rund drei Milliarden Euro das Chemieunternehmen Celanese  erworben.

Die WCM-Sprecherin erklärte weiter, dass der Aufsichtsrat am Donnerstag über die Verschmelzung mit ihrer in der Abfüll- und Verpackungstechnik tätigen Duisburger Tochter Klöckner-Werke beraten werde. An den Klöckner-Werken hält die WCM rund 78 Prozent. Form und Zeitraum der Verschmelzung sind nach Einschätzung von Beobachtern allerdings von dem angestrebten Verkauf der Immobiliensparte abhängig.

Übernahme durch Klöckner-Werke AG wahrscheinlich

Da mit dem Verkauf der Wohnungen als letzter Vermögenswert WCM lediglich der Verpackungsmaschinen-Hersteller Klöckner Werke bleibt, gilt eine Übernahme der WCM durch Klöckner als wahrscheinlich. Hätte Klöckner die WCM samt Wohnungsbestand übernommen, wären erhebliche Grunderwerbsteuern angefallen, was alle an der WCM-Sanierung Beteiligten vermeiden wollten.

Mit der Verschmelzung dürfte der Name der WCM verschwinden. Jenseits steuerrechtlicher Erwägungen wäre es jedenfalls nicht einleuchtend, dass ein Maschinenbauhersteller diesen annimmt. Damit ginge zugleich eine lange und in den vergangenen Jahren leidvolle Geschichte zu Ende.

Von der Textilfabrik zum Beteiligungsriesen

Ursprünglich im Jahre 1766 als "Württembergische Cattunmanufactur" in Augsburg gegründet, wandelten die Eigentümer das Familienunternehmen 1856 in eine Aktiengesellschaft um. Als sich nach dem Zweiten Weltkrieg der Wettbewerb in der Textilindustrie durch günstige Importe erheblich verschärfte, stellte WCM 1966 das Textilgeschäft ein und konzentrierte sich fortan auf die Verwaltung und Vermietung seines eigenen Immobilienbestandes, heißt es in der Firmenchronik.

Das Grundvermögen war die Basis für eine neue Orientierung der WCM. Nach mehreren Kapitalerhöhungen Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre wurde 1991 das Unternehmen in WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG umbenannt. Der Erwerb von Beteiligungen, Finanzanlagen und Immobilien war seitdem offiziell Geschäftszweck des Unternehmens.

Unter ihrem Großaktionär Karl Ehlerding kaufte WCM in den 90er Jahren einen enormen Beteiligungsbesitz zusammen und stieß die einst unterbewerteten Firmen zumeist mit hohem Profit ab. Was Ehlerding auch anfasste, schien sich in Gold zu verwandeln. Anfang 2000 war die WCM an der Börse rund sieben Milliarden Euro wert. Der Familie Ehlerding gehörten zu jener Zeit noch rund zwei Drittel der WCM-Aktien.

Der folgenschwere Kauf des Coba-Pakets

Gänzlich verkalkuliert hatte sich der Hamburger Firmenjäger dann allerdings, als er auf Pump Mitte 1999 rund 4,5 Prozent der Commerzbank-Aktien  kaufte. Dafür setzte er rund 700 Millionen Euro privates Kapital ein. Später stieg auch die WCM als Unternehmen selbst ein und kaufte etwa 1 Prozent der Coba-Anteile für bis zu 42 Euro je Aktie. Die Börsenbaisse und eine sich abzeichnende Bankenkrise setzten den Kurs der Commerzbank-Aktie unter Druck. Ehlerding geriet gegenüber den Kreditinstituten in Bedrängnis, weil sie mehr Sicherheiten für ihre Kredite verlangten. Zeitgleich brach auch der Aktienkurs der WCM ein, denn der Finanzjongleur Ehlerding hatte seine Pakte an die Banken verpfändet.

Im Februar 2002 hatte die WCM das Commerzbank-Aktienpaket von Ehlerding für 19 Euro je Aktie übernommen - mit dramatischen Folgen, wie die kommenden sechs Monate zeigen sollten. Im Herbst 2002 brach die Commerzbank-Aktie auf rund fünf Euro ein. Doch auch der Wert der anderen auf Pump erworbenen Beteiligungen wie etwa die Bonner Immobiliengesellschaft IVG  schmolz zusammen. WCM häufte Milliardenschulden an und erwirtschaftete in 2002 einen Verlust von rund 860 Millionen Euro.

Kapitalerhöhung wurde kurzfristig abgesagt

Händeringend suchte Vorstandschef Roland Flach nach dem rettenden Investor - vergeblich. Auf der Hauptversammlung im Juni 2003 musste er eine fest geplante Kapitalerhöhung absagen. Insider behaupteten seinerzeit, die Banken hätten in letzter Sekunde ihre Zustimmung zurückgezogen. Spätestens seit Sommer 2003 zogen sie bei WCM die Fäden. Hielten sie doch Ehlerdings WCM-Aktien als Sicherheit.

Im Dezember 2003 gelang dem Vorstand der Beteiligungsgesellschaft der Verkauf des Fünf-Prozent-Pakets an der Commerzbank. Zudem wurde die Beteiligung an der Immobiliengesellschaft IVG verwertet und auf den geplanten Rückkauf der Mehrheit an der Berliner Wohnungsbaugesellschaft Gehag verzichtet.

"Adios, WCM"

Von dem einst oppulenten Beteiligungsbesitz ist kaum noch etwas übrig geblieben. Doch selbst bei einem Verkauf der Immobilien stünde WCM bei den Banken noch mit rund 400 Millionen in der Kreide. Eine Verschmelzung der WCM mit der Klöckner-Werke AG käme den Gläubigern mehr als gelegen. Denn dann hätten sie direkten Zugriff auf die verbliebenen, werthaltigen Assets des Konzerns.

Sollte es zur Verschmelzung von WCM und Klöckner kommen, müssten die Hauptversammlungen der jeweiligen Unternehmen dies noch absegnen - vermutlich Anfang kommenden Jahres. Bei Klöckner dürfte dies aufgrund der Mehrheit von WCM kaum ein Problem sein. Bei WCM selbst rechnen Beobachter aber mit dem Widerstand einiger Aktionäre, bis hin zu Anfechtungsklagen. Ob hier Aussicht auf Erfolg besteht, ist abzuwarten. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" titelte vor wenigen Tagen jedenfalls bereits: "Adios, WCM".

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