Devisen Kein Ende des Euro-Höhenfluges

Der Euro hat am Mittwoch erneut kräftig zugelegt. Manche Devisen-Experten sehen die Gemeinschaftswährung mittelfristig bei 1,40 Dollar. Das Institut für Weltwirtschaft spricht sich indes gegen einseitige Interventionen am Devisenmarkt aus.

Frankfurt - Der Euro ist am Mittwoch auf ein Rekordhoch bei über 1,3170 Dollar geklettert und hat sich der Marke von 1,32 Dollar genähert. Devisenanalysten gehen davon aus, dass der Euro-Höhenflug weiter anhalten wird. "Was den Euro stützt, ist immer noch das Gleiche: das US-Leistungsbilanzdefizit", sagte Rainer Sartoris, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Zusätzlichen Auftrieb hätten der Gemeinschaftswährung die Aussagen der russischen Zentralbank vom Vortag gegeben, ihre Euro-Reserven zu überprüfen. Das hatte am Markt Spekulationen über mögliche Euro-Käufe ausgelöst. "Vielleicht überlegen sich andere Länder derzeit auch, den Euro stärker zu berücksichtigen. Das würde ja auch Sinn machen, Währungen zu kaufen, die sich solide zeigen", fügte Sartoris hinzu. Paul Mackel, Devisenstratege bei ABN Amro, sagte: "Jede Geschichte, mit der der Markt Druck auf den Dollar ausüben kann, ist willkommen."

Der Euro kletterte am Mittwoch zwischenzeitlich auf das Rekordhoch von 1,3170 und lag gegen 15.37 Uhr zuletzt bei 1,3158 Dollar nach einem Schlusskurs in New York am Vorabend bei 1,3084 Dollar. Seit seinem Jahrestief im April hat der Euro knapp zwölf Prozent an Wert gewonnen. Zum Schweizer Franken markierte die US-Währung bei 1,1500 Franken den tiefsten Stand seit neun Jahren. Zur japanischen Währung notierte der Dollar am Nachmittag bei 102,77 Yen nach einem New Yorker Schlusskurs bei 103,27 Yen.

Kaum Auswirkungen auf die Devisenkurse hatten am Nachmittag neue US-Konjunkturdaten wie die etwas besser als erwartet ausgefallenen wöchentlichen US-Arbeitsmarktdaten und der unter den Prognosen liegende Auftragseingang für langlebige Güter.

Ende des Euro-Höhenfluges nicht in Sicht

HSBC-Analyst Sartoris rechnet ebenso wie die meisten anderen Analysten mit einer Fortsetzung des Euro-Höhenflugs. Die Experten der WestLB sehen die Gemeinschaftswährung in sechs Monaten bei 1,40 Dollar. "Zusammenfassend ergibt sich ein Bild, das weiterhin den Euro favorisiert", prognostiziert auch Devisenanalyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank in einem Marktkommentar. Die nächsten Kursziele sehe er im Bereich von 1,3150 und 1,3250 Dollar. Im Referenzkursverfahren der Banken EuroFX wurde der Kurs des Euro mit 1,3146 (Vortag: 1,3063) Dollar festgelegt. Die EZB ermittelte den Referenzkurs ebenfalls mit 1,3146 (1,3089) Dollar.

Neuer IfW-Chef gegen Interventionen am Devisenmarkt

Der neue Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, hat sich gegen einseitige Interventionen am Devisenmarkt ausgesprochen. Er glaube nicht, dass Interventionen gegen die Dollarschwäche erfolgreich sein werden, sagte Snower dem Anlegermagazins "Börse Online" (Donnerstagausgabe).

Snower kritisierte außerdem die einseitige Auslegung des europäischen Stabilitätspakt. Vielmehr müsse es für die Mitgliedsstaaten der Eurozone Anreize für höhere Überschüsse geben, schlug der IfW-Chef vor. "Wir müssen einen Anreiz schaffen, in konjunkturell guten Zeiten Überschüsse zu erwirtschaften und diese auch zum Schuldenabbau zu verwenden." Dennis Snower ist seit Oktober Präsident des IfW, eines der sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute.