Telekom-Prozess Ein halbes Jahr Pause

Der wohl spektakulärste Zivilprozess der deutschen Wirtschaftsgeschichte ist schon nach einem Tag vertagt worden: Erst am 21. Juni 2005 soll die Verhandlung gegen die Deutsche Telekom fortgesetzt werden. manager-magazin.de protokolliert Stimmen und Ereignisse des Prozessauftakts.

+++ Prozess bis Juni 2005 vertagt +++

15.20 Uhr - Das Landgericht Frankfurt hat den Schadensersatzprozess tausender Kleinanleger gegen die Deutsche Telekom vertagt. Wie der Vorsitzende Richter Meinrad Wösthoff bekannt gab, soll das Verfahren am 21. Juni kommenden Jahres weitergeführt werden. Ursprünglich war für den Zivilrechtsprozess ein Verhandlungstag angesetzt.

Bis dahin haben die Anwälte der beiden Parteien Zeit, weitere Details vorzulegen. Anfänglich hatte Wösthoff im September einen neuen Termin ansetzen wollen Die Anlegeranwälte hatten dem Gericht Prozessverschleppung vorgeworfen.

+++ Ron Sommer nicht zu belangen +++

15.15 Uhr Der ehemalige Telekomchef Ron Sommer ist nach Auffassung des Frankfurter Landgerichts für die Kursverluste des Unternehmens nicht schadenersatzpflichtig. Richter Meinrad Wösthoff sagte, Sommer sei für den strittigen Verkaufsprospekt zum 3. Börsengang im Mai 2000 nicht verantwortlich gewesen sei und habe ihn auch nicht veranlasst. Die übrigen Beklagten - neben der Telekom sind das der Bund, die KfW und die Konsortialführerin Deutsche Bank - sind nach vorläufiger Einschätzung des Gerichts aber verantwortlich.

Der Herr des Verfahres: Meinrad Wösthoff, Vorsitzender Richter der 7. Kammer für Handelssachen am Frankfurter Landgericht

Der Herr des Verfahres: Meinrad Wösthoff, Vorsitzender Richter der 7. Kammer für Handelssachen am Frankfurter Landgericht

Foto: DPA
Akten satt: Mindestens 2100 sind es an der Zahl. Das entspricht dem Pensum einer Kammer in zehn Jahren...

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Foto: DPA
Lesen, lesen, lesen: Ein Mensch allein kann den Aktenberg im Zusammenhang mit dem Telekomverfahren nicht bewältigen

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Foto: DPA
Auftakt: Der Vorsitzende Richter Meinrad Woesthoff kritisiert am Dienstag zum Prozessauftakt in Frankfurt die Immobilienbewertung der Telekom

Auftakt: Der Vorsitzende Richter Meinrad Woesthoff kritisiert am Dienstag zum Prozessauftakt in Frankfurt die Immobilienbewertung der Telekom

Foto: DDP
Das Aktienrecht im Blick: Klägeranwalt Jens Peter Gieschen (r.) kurz vor Prozessbeginn

Das Aktienrecht im Blick: Klägeranwalt Jens Peter Gieschen (r.) kurz vor Prozessbeginn

Foto: DDP
Schwer beladen: Klägeranwalt Peter Kuehn (r.) von der Wiesbadener Kanzlei "Doerr - Kuehn - Plueck - Makki und Thoeren"

Schwer beladen: Klägeranwalt Peter Kuehn (r.) von der Wiesbadener Kanzlei "Doerr - Kuehn - Plueck - Makki und Thoeren"

Foto: DDP


Telekom-Prozess
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+++ Vorschlag: Musterprozess vor höherer Instanz +++

14.10 Uhr - Der Vorsitzende Richter im Anlegerprozess gegen die Deutsche Telekom, Meinrad Wösthoff, hat wenig Hoffnung auf ein schnelles Ende der Verhandlung. Wösthoff betonte, dass die über 2200 Verfahren dieses Falles fast ausschließlich über seinen Schreibtisch laufen würden. Auf einen solchen Ansturm seien die Gerichte aber nicht eingestellt.

Wösthoff schlug vor, ein Musterverfahren vor der nächsthöheren Instanz, dem Oberlandesgericht Frankfurt, zu führen. Das Landgericht würde dann nur zentrale Fragen benennen, die vor dem Prozess zu klären wären. Der Richter deutete zudem an, dass er keine Grundlage für eine Beweislastumkehr sehe, das heißt, dass die Kläger nicht darauf hoffen dürfen, dass die Telekom die Kosten für Gutachten zur Immobilienbewertung vorstreckt.

+++ Richter: Kritik ist keine Vorentscheidung +++

12.45 Uhr - Seine Kritik an der Methode, die die Deutsche Telekom zur Bewertung ihrer Immobilien verwendet hat, will der Vorsitzende Richter am Frankfurter Landgericht, Meinrad Wösthoff, nicht als Vorentscheidung verstanden wissen. Eine falsche Bewertungsmethode bedeute noch lange nicht, dass diese auch zu falschen Ergebnissen geführt habe. Die Telekom hatte in ihrer Gründungsbilanz das Immobilienvermögen mit rund 35 Milliarden Mark ausgewiesen und es damit um etwa 13 Milliarden Mark aufgewertet. Auf diesen Punkt bezieht sich die Mehrzahl der rund 2100 Prospekthaftungsklagen, die vor dem Gericht anhängig sind. Eine klare Position vertrat Wösthoff aber hinsichtlich der Frage, welche Seite die Kosten für ein eventuelles Gutachten zu tragen hätte. Hier sieht er die Kläger am Zuge. Die Beweislast trage die klagende Partei.

+++ T-Aktie im Minus +++

12.30 Uhr - Die Kritik des Frankfurter Landgerichts an der Immobilienbewertung der Deutschen Telekom  hat die T-Aktie ins Minus gedrückt. Bis zum Mittag verlor das Papier 0,9 Prozent auf 15,84 Euro. Im Schadensersatzprozess tausender Kleinanleger gegen den Bonner Konzern hält das Gericht die umstrittene Immobilienbewertung für ungenügend. Die Kammer zweifele an der Zulässigkeit des so genannten Cluster-Verfahrens, sagte der Vorsitzende Richter.

Gericht: Immobilienbewertung ungenügend

+++ Gericht: Immobilienbewertung ungenügend +++

11.15 Uhr - Das Frankfurter Landgericht hält die umstrittene Immobilienbewertung der Deutschen Telekom für ungenügend. Die Kammer zweifele an der Zulässigkeit des so genannten Cluster-Verfahrens, sagte der Vorsitzende Richter Meinrad am Dienstag zur Eröffnung des Zivilprozesses. Die Telekom hatte zu ihrer Gründung ihre kleineren Immobilien in Gruppen (Cluster) zusammengefasst und pauschal bewertet.

Der Herr des Verfahres: Meinrad Wösthoff, Vorsitzender Richter der 7. Kammer für Handelssachen am Frankfurter Landgericht

Der Herr des Verfahres: Meinrad Wösthoff, Vorsitzender Richter der 7. Kammer für Handelssachen am Frankfurter Landgericht

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Akten satt: Mindestens 2100 sind es an der Zahl. Das entspricht dem Pensum einer Kammer in zehn Jahren...

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Lesen, lesen, lesen: Ein Mensch allein kann den Aktenberg im Zusammenhang mit dem Telekomverfahren nicht bewältigen

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Auftakt: Der Vorsitzende Richter Meinrad Woesthoff kritisiert am Dienstag zum Prozessauftakt in Frankfurt die Immobilienbewertung der Telekom

Auftakt: Der Vorsitzende Richter Meinrad Woesthoff kritisiert am Dienstag zum Prozessauftakt in Frankfurt die Immobilienbewertung der Telekom

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Das Aktienrecht im Blick: Klägeranwalt Jens Peter Gieschen (r.) kurz vor Prozessbeginn

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Schwer beladen: Klägeranwalt Peter Kuehn (r.) von der Wiesbadener Kanzlei "Doerr - Kuehn - Plueck - Makki und Thoeren"

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Telekom-Prozess
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+++ SdK: Erfolgsaussichten ungewiss +++

10:17 Uhr - Der Ausgang des Gerichtsverfahrens gegen die Deutsche Telekom wegen möglicherweise falsch bewerteter Konzernimmobilien ist nach Einschätzung von Aktionärsschützern völlig offen. Der Vorstandsvorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Klaus Schneider, verwies auf die sehr verworrene Sachlage. Ob die Telekom-Aktie überbewertet wurde, müsse sich in dem am Dienstag beginnenden Prozess erst noch erweisen, sagte Schneider im DeutschlandRadio Berlin.

Die nach dem dritten Börsengang erfolgte pauschale Wertberichtigung des Immobilienvermögens um zwei Milliarden Euro sei zwar ein Indiz für das Fehlverhalten des Unternehmens. Die strafrechtlichen Ermittlungen der Bonner Staatsanwaltschaft, die parallel zu dem in Frankfurt am Main beginnenden Zivilverfahren weiter laufen, zögen sich aber bereits seit drei Jahren hin. Schneider hofft zwar, dass im kommenden Jahr eine Entscheidung über die zehn Musterklagen vor dem Frankfurter Landgericht fällt, zeigte sich aber nicht allzu optimistisch.

+++ Bank senkt T-Aktie auf "Neutral" +++

10.15 Uhr - Die US-Bank J.P.Morgan hat ihre Anlageempfehlung für die Deutsche Telekom von "Overweight" auf "Neutral" zurückgenommen. Wegen des kürzlichen "starken Laufs" der Dax-Papiere sei zudem das Kursziel von 18,30 auf 17,30 Euro gesenkt worden, teilte die Bank am Dienstag in Frankfurt am Main mit. Hinzu komme, dass der Bonner Konzern seinen Ausblick auf das laufende Jahr sehr vorsichtig formuliert habe und vor 2007 auf der Finanzseite nicht mit weiteren Überraschungen gerechnet werden könne.

+++ Mammutverfahren hat begonnen +++

10.00 Uhr - Das Mammutverfahren enttäuschter Kleinanleger gegen die Deutsche Telekom  hat begonnen. Mehr als 14.000 Aktienbesitzer verlangen von dem ehemaligen Staatsunternehmen Schadenersatz für erlittene Kursverluste. Seit dem dritten Börsengang im Jahr 2000 hat sich der Wert der Telekom-Papiere auf ein Viertel reduziert. Die Anleger halten dem Unternehmen unter anderem krasse Fehlbewertungen der Immobilien vor. Zunächst wird über zehn Musterklagen verhandelt.

+++ Anwalt: Telekom täuschte Anleger vorsätzlich +++

9.45 Uhr - Klaus Rotter, einer der maßgeblichen Kläger-Anwälte hat der Deutschen Telekom vorgeworfen, seine Aktionäre nicht nur fahrlässig, sondern sogar vorsätzlich getäuscht zu haben. Damit könnten nicht nur die Prospekthaftungsklagen, über die das Gericht seit heute verhandelt, sondern auch Klagen wegen Kapitalanlagebetrugs möglich sein, erklärte der Rechtsanwalt, der in einem der zehn vom Landgericht ausgewählten Musterprozesse die Klägerseite vertritt. In dem Prozess geht es vor allem um angeblich überbewertete Immobilien der Telekom.

Die Prospekthaftungsansprüche seien in der Zwischenzeit verjährt - im Gegensatz zum Kapitalanlagebetrug. Damit könnten alle Zeichner der zweiten und dritten Aktientranche der Telekom nun ihre Ansprüche auf Schadensersatz geltend machen. "Ich rechne fest mit einer weiteren Klagewelle gegen die Telekom", erklärte Rotter.

+++ Anlegerschützer: Rechtssystem überfordert +++

9.30 Uhr - Nach Meinung der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger mit der Massenklage von Aktionären gegen die Telekom völlig überfordert. Bei dem am Dienstag in Frankfurt begonnenen Prozess sei eine Mammutaufgabe mit einer sehr verworrenen Sachlage zu bewältigen, sagte der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft, Klaus Schneider, dem DeutschlandRadio Berlin.

Vor der Frankfurter 7. Kammer für Handelssachen sind schon gut 2100 einzelne und gemeinschaftliche Prospekthaftungsklagen anhängig, hinter denen rund 14.500 Kläger stehen. Sie werden durch mehr als 750 Rechtsanwälte vertreten. Der gesamte Streitwert liegt nach einer Schätzung des Gerichts bei rund 100 Millionen Euro.

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