Thilenius-Kolumne Nach der Wahl ist vor der Wahl

In Demokratien gilt, dass eine überstandene oder gar gewonnene Wahl gut ist, die nächste Wahl aber schon vor der Tür steht, und man sich weiterhin anstrengen muss, um auch die anstehende Wahl zu gewinnen oder mit Anstand zu verlieren. So ähnlich sieht es in der Weltpolitik aus - mit direkten Auswirkungen auf die Aktienmärkte.

Nach dem deutlichen Wahlsieg von Präsident Bush in USA und dem Rückgang des Ölpreises ziehen die Aktienmärkte unter Führung des amerikanischen weltweit an. Es scheint wohl eine Menge Erholungspotential aufgestaut zu sein, das durch den hohen Ölpreis und die Ängste im Zusammenhang mit einer möglichen Wiederholung des Wahlchaos von vor 4 Jahren in den USA aufgestaut wurde.

Nach der Wahl scheint sich dieses Erholungspotenzial nun seine Bahn zu brechen. Dies trifft sich auch mit der Entwicklung aus früheren Zeiten: Seit dem Jahr 1900 ist die Börse in Wahljahren in USA in den Monaten Oktober, November und Dezember um durchschnittlich 7,7 Prozent gestiegen.

Eine ähnliche Entwicklung scheint sich auch in dieser Zeit anzubahnen. Die nächsten Wahlen werfen schon ihre Schatten voraus: Kurz nach der Jahreswende wird sowohl im Irak als auch in Palästina gewählt. Daran knüpfen sich hohe Erwartungen: Falls die Wahl im Irak halbwegs störungsfrei verläuft, dürften die dortigen antidemokratischen Kräfte in den Augen der Bevölkerung wesentlich geschwächt werden. Dies könnte das schwergeprüfte Land ein wenig voran bringen.

Aufschwung bis weit ins nächste Jahr hinein möglich

In Palästina liegen die Verhältnisse völlig anders, es gibt jedoch auch dort eine gewisse Hoffnung auf einen dauernden Frieden. Falls in Palästina eine neue Führung gewählt wird, der alle Parteien zutrauen, im Laufe der Zeit zum Frieden mit Israel zu kommen, wäre der zweite große Konfliktherd im Nahen Osten entschärft.

Daher knüpfen sich an beide Wahlen große Hoffnungen der friedliebenden Öffentlichkeit und damit auch der Kapitalanleger. Positive Ergebnisse aus den neuen Regierungen sind nicht vor März oder April nächsten Jahres zu erwarten. Die Hoffnung auf Entschärfung dieser beiden Konflikte im Laufe der Zeit dürfte jedoch zusammen mit dem etwas niedrigeren Ölpreis eine gute Basis für einen Aufschwung der wesentlichen Aktienmärkte bieten, der weit in das Jahr 2005 hineinreichen dürfte.

Auf eine längere Aufschwungphase als etwa drei bis vier Monate sollten sich Investoren aus heutiger Sicht jedoch nicht einstellen. Solange ist es sicher lohnend die jetzigen Bestände zu Halten. Wer neu einsteigen möchte, sollte der Einfachheit halber sehr gute Zertifikate auf die wesentlichen Indizes wie Dax , Standard & Poors oder EuroStoxx  kaufen. Er muß jedoch bei einem Ausstieg im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres die einjährige Spekulationsfrist beachten.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.