IPO-Welle Japan im Aktienfieber

Der Speicherchiphersteller Elpida hat ein erfolgreiches Börsendebüt hingelegt und rund 814 Millionen Euro eingesammelt. Experten rechnen in diesem Jahr mit bis zu 170 Börsengängen in Japan. Die IPO-Welle ist auch dem wiedererwachten Interesse des japanischen Privatanlegers zu verdanken.

Tokio - Japans Privatanleger sind wieder da. Nachdem viele von ihnen in der Ende der achtziger Jahre geplatzten Immobilienblase große Summen verloren hatten, herrschte für einige Jahre Zurückhaltung. Das "Zai-Teku" genannte Zocken am Finanzmarkt war verpönt. In diesem Jahr ist es nicht zuletzt diese Klientel, die für eine rasante Zunahme der Börsengänge gesorgt hat.

"Es sind nicht nur die Kleinanleger, aber ich gehe davon aus, dass das Anlagevolumen in diesem Segment in den letzten drei Monaten deutlich zugenommen hat", sagte Edward Gordon von Japaninvest. Rund 80 Prozent der Umsätze würden über das Internet getätigt. "Daytrader und andere Kleinanleger sind zunehmend aktiv." Ein großer Teil der bei den jüngsten Börsengängen neu ausgegebenen Aktien sei allerdings von ausländischen Investoren und Hedge-Fonds geschluckt worden.

Rund 170 Börsengänge in diesem Jahr

Während in Deutschland kaum ein Unternehmen den Gang an die Börse wagt, werden den Daten der Zeitung "Nihon Keizai Shinbun" zufolge in Japan rund 170 Unternehmen in diesem Jahr diesen Schritt tun. Das Gros der Neuemissionen in Japan bewegt sich allerdings im Bereich von etwa 40 Millionen Euro. Vor allem diese kleineren Börsengänge gelten als Tummelplatz für Privatanleger.

Börsendebüt: Elpida sammelte 814 Millionen Euro ein

Der Börsengang des fünftgrößten DRAM-Speicherchipherstellers der Welt ist am Montag erfolgreich verlaufen. Die Aktien der Elpida Memory Inc. kletterten am ersten Handelstag um 7,1 Prozent auf 3750 Yen. Der Ausgabepreis hatte am Montag bei 3500 Yen gelegen, der erste Kurs bei 3610 Yen. Das Unternehmen sammelte mit diesem IPO 111,5 Milliarden Yen (rund 814 Millionen Euro) ein.

Der Elpida-Börsengang ist einer von vier großen Börsengängen, die innerhalb weniger Wochen über die Bühne gingen oder noch gehen sollen. Ende September sammelte der fünftgrößte Energieversorger J-Power (Electric Power Development) beim größten IPO seit 1998 rund 375 Milliarden Yen ein. Darauf folgte NTT Urban Development, die Immobiliensparte der Telefongesellschaft NTT. Am Mittwoch sollen die Aktien des Ölexplorations-Unternehmens Inpex Corp zum ersten Mal gehandelt werden.

Niedrige Ausgabepreise locken die Anleger

"Auch wenn sich die konjunkturelle Erholung in Japan abgeschwächt hat, gehen die strukturellen Reformen weiter", sagte Gordon. Grundstückspreise und andere Indikatoren sähen relativ gut aus. "Vor diesem Hintergrund wäre ich nicht überrascht, wenn die Stimmung bei den Anlegern weiterhin optimistisch bliebe."

Bei 148 der 151 Unternehmen, die bis zum 24. September in Japan an die Börse gegangen sind, lag der erste Kurs über dem Ausgabepreis. Es waren eben die ungewöhnlich niedrigen Ausgabepreise, die nach Einschätzung von Marktbeobachtern den Aktien der Börsenneulinge am ersten Tag satte Kurssteigerungen beschert haben - im Durchschnitt waren es rund 100 Prozent.

Börse in Tokio schloss auf Höchststand

Die Börse in Tokio hatte am Montag sehr fest geschlossen. Der Nikkei  war 1,88 Prozent fester auf 11.227 Punkte aus dem Handel gegangen. Das war der höchste Stand seit 8. Oktober. Der breit gefasste Topix legte um 1,76 Prozent auf 1123 Punkte zu. Händlern zufolge hoffe der Markt auf ein Anziehen der Wirtschaft in den Vereinigten Staaten. Dies könne den japanischen Exporten und Unternehmensgewinnen Auftrieb verleihen.

Zudem stützte eine Umfrage den Markt, laut der die Investitionen japanischer Unternehmen im Geschäftsjahr bis März 2005 um 10,4 Prozent wachsen werden. "Diese Umfrage besänftigte Marktteilnehmer, die sich um die Investitionen aus dem privaten Sektor sorgten", sagte Stratege Motoyoshi Uchida von Mizuho Investors Securities.

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