Borussia Dortmund Der Alte ist der Neue

Reinhard Rauball ist neuer Präsident des krisengeschüttelten Fußballclubs Borussia Dortmund. Bei einer Mitgliederversammlung trat Rauball die Nachfolge von Gerd Niebaum an, der über die katastrophale wirtschaftliche Lage des Clubs gestürzt war. Sein Amt als Geschäftsführer behält Niebaum jedoch - zum Ärger vieler Mitglieder.

Dortmund - Der 57-Jährige Rauball wurde bei der fast sechsstündigen, emotionalen Jahreshauptversammlung per Handzeichen fast einstimmig gewählt. 1745 Mitglieder waren zu der Versammlung in die Dortmunder Westfalenhalle gekommen - ein neuer Rekord.

Dortmund Rauball, der die Borussia bereits von 1979 bis 1982 und 1984 bis 1986 führte, tritt die Nachfolge von Gerd Niebaum an. Er hatte sein Amt kommissarisch mit dem Schwerpunkt Lizenzspielerbereich bereits am 17. Oktober angetreten.

Der 56-jährige Niebaum hatte nach wachsender Kritik an seiner Person sein Amt nach 18 Jahren beim mit 118,8 Millionen Euro verschuldeten börsennotierten Traditionsklub zur Verfügung gestellt.

In einer persönlichen Erklärung teilte Niebaum, zugleich Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA , der Mitgliederversammlung mit, dass er in einer sportlich und wirtschaftlich belasteten Situation des Klubs den Weg für Neuwahlen freimachen wolle. "Schläge gegen den Präsidenten waren auch immer Schläge gegen den Verein", sagte Niebaum bezüglich der harschen Kritik gegen seine Person in den vergangenen Monaten. Niebaum will sein Amt als Geschäftsführer der KGaA jedoch weiterhin ausfüllen (Vertrag bis 2006) und "das Haus bestellen, im Sinne der Fans und Aktionäre".

Doch die versammelten Fans übten massive Kritik an Niebaum und Manager Michael Meier, in Personalunion ebenfalls Geschäftsführer der KGaA - vor allem im Blick auf die Aufarbeitung der jüngsten wirtschaftlichen Entwicklung. Der frühere NRW-Minister Hermann Heinemann warf dem Führungsduo unter großem Beifall unverantwortliche Risiko- und Informationspolitik, eine schlechte Außendarstellung des Vereins sowie Entscheidungen mit mangelnder Weitsicht vor.

"Wenn man den Untergang beschworen hat, kann man nicht den Aufschwung herbeiführen", so Heinemann. Schon beim Börsengang sei die Chance zur Sanierung des bereits damals hoch verschuldeten Clubs verspielt worden. "Deshalb ist es nicht in Ordnung, wenn Herrn Niebaum und Michael Meier eine zweite Chance fordern. Diese Chance haben sie bereits mit dem Börsengang gehabt", kritisierte Heinemann.

Hilfe könnte der BVB aus der Politik erhalten. So haben SPD-Verteidigungsminister Peter Struck und CDU-Wirtschaftsexperte Friedrich Merz ihre Bereitschaft erklärt, einen Posten im Wirtschaftsrat zu bekleiden.

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