Telekom Alles Sterntaler?

Die Aktie im Höhenflug und endlich wieder eine Dividende. Darbenden T-Aktionären mag dies wie ein Märchen vorkommen. Doch die Analysten zeigen sich beeindruckt - auch wenn einige der Dividenden-Politik skeptisch gegenüberstehen.

Hamburg/Frankfurt am Main - Das hatte man schon lange nicht mehr gesehen. Nach Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal hat die Aktie der Deutschen Telekom  am Donnerstag kräftig zugelegt. In der Spitze kletterte der Wert um rund 5 Prozent auf 15,80 Euro. Damit stand der Titel zwar noch rund ein Euro unter dem aktuellen Jahreshoch und T-Aktien-Zeichner aus besseren Zeiten können da sowieso nur gleichgültig mit den Schultern zucken. Angesichts der überraschend hohen Dividende, die der ehemalige Staatsmonopolist nach zwei Jahren Pause für 2004 nun an seine Aktionäre ausschütten will, machte sich am Donnerstag aber Hochstimmung breit.

Die meisten Analysten bewerteten das Zahlenwerk überwiegend positiv. Die Experten von Merrill Lynch, Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW), Sal. Oppenheim oder auch der DZ-Bank erneuerten ihre Kaufempfehlung. Vor allem Dank der starken Entwicklung der Mobilfunksparte fiel für die Experten das Ergebnis besser als erwartet aus. Unisono lobten sie die für 2004 in Aussicht gestellte Dividende von 62 Euro-Cent, die ebenfalls deutlich über dem Konsens der Analysten lag.

"Die Zahlen sind wirklich überraschend gut", sagte Telekom-Analyst Andreas Heinold von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) im Gespräch mit manager-magazin.de und empfiehlt die T-Aktie  weiter zum Kauf. Einen Grund für das gute Ergebnis sieht er in dem starken internationalen Mobilfunkgeschäft der Telekom. Hier erhöhte sich der Umsatz im abgelaufenen dritten Quartal um 9,4 Prozent auf 6,479 (5,920) Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum, was auch auf den starken Kundenzuwachs von T-Mobile USA zurückzuführen sei. Die Zahl der Mobilfunkkunden stieg dort um 900.000 auf rund 16,3 Millionen. Das ist das zweithöchste Wachstum der sechs führenden Mobilfunkanbieter in den Vereinigten Staaten.

Positiv bewertete Heinold ebenso den stabilen Ergebnisbeitrag der Festnetzsparte T-Com bei fallenden Umsätzen sowie die deutliche Schuldenreduzierung des Konzerns. Das Highlight war aus Sicht des Analysten allerdings die Ankündigung der Telekom, für das Jahr 2004 eine Dividende von 62 Euro-Cent auszuschütten. Dies sei mehr gewesen als man hätte erwarten können.

In der Analystenkonferenz am Donnerstag hatte die Telekom zudem signalisiert, dass sie auch in den kommenden Jahren wieder eine Dividende auf mindestens diesem Niveau an ihre Aktionäre ausschütten wolle. Der Analyst von der LBBW wollte deshalb nicht ausschließen, dass die T-Aktie  unter dem Aspekt der Dividenderendite und ihrer deutlich gesunkenen Volatilität in Zukunft wieder breitere Anlegerkreise ansprechen dürfte.

Neue Dividendenpolitik umstritten

Neue Dividendenpolitik umstritten

Ohne Zweifel, es klingelt in der Kasse der Telekom. Im kommenden Jahr erwartet der Konzern gar einen freien Cash-Flow von bis zu acht Milliarden Euro. Doch hinter der neuen Spendierfreude vermuteten Kritiker am Donnerstag nicht nur die gewonnene Einsicht, der bislang darbende Privataktionär müsse jetzt endlich wieder zum Zuge kommen.

Der Bund als größter Aktionär der Telekom habe bei der unerwartet hohen Ausschüttung seine Finger im Spiel gehabt, argwöhnte etwa Dietrich Austermann. "Hier zeigt sich die Rücksichtslosigkeit des Bundes im Umgang mit seinen Unternehmen", wetterte der haushaltspolitische Sprecher der CDU gegenüber dem "Tagesspiegel". Und auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sieht derselben Zeitung zufolge vor allem in der Finanznot des Bundes den Grund für die veränderte Dividendenpolitik.

Das Marktumfeld wird nicht gerade einfacher

An derlei Spekulationen wollten sich Analysten am Donnerstag nicht beteiligen. Die neu eingeleitete Dividendenpolitik der Telekom bewertete LRP-Analyst Per-Ola Hellgren aber durchaus mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite sei die Erhöhung der Dividende positiv für die Aktionäre zu sehen. Die Deutsche Telekom generiere einen hohen Cash-flow, auf den auch ihre Aktionäre einen Anspruch hätten. Auf der anderen Seite entstehe der Eindruck, der Konzern sähe mittelfristig nur wenige lukrative Investitionsmöglichkeiten. "Dies rückt die Frage nach dem künftigen Wertschöpfungspotenzial in den Vordergrund", schrieb der Analyst am Donnerstag in einer Studie.

Für die Zukunft erwartet der Experte von der Landesbank Rheinland-Pfalz ähnlich wie sein Kollege von der LBBW ein schwieriges Marktumfeld für die Telekom. Dies betreffe sowohl den Festnetz- als auch den Mobilfunkbereich. Der durch die Regulierungsbehörde "vorprogrammierte Erfolg der Wettbewerber" dürfte weiter an der bislang angenehmen Monopolstellung der Telekom im Festnetzbereich kratzen. Den deutschen Markt für herkömmliche Mobilfunkdienste sieht Hellgren bereits als gesättigt an. Und neben einigen der osteuropäischen Tochterunternehmen verfüge nur noch T-Mobile USA über ein hohes, allerdings zeitlich begrenztes Wachstumspotenzial.

Mit dem Zusammenschluss von Cingular und AT&T Wireless auf der einen Seiten und Verizon  auf der anderen Seite stünden der Telekom auf dem US-Markt zwei sehr starke Konkurrenten gegenüber, gab auch Heinold zu bedenken. Das Geschäft auf dem US-Mobilfunkmarkt dürfte deshalb hart umkämpft bleiben, sagte der Analyst von der LBBW.

Der Druck auf die Ertragsbringer wächst

Festnetzgeschäft von verschiedenen Seiten unter Druck

Mit Blick auf das Festnetzgeschäft äußerte Heinold die Einschätzung, dass die Umsätze künftig weiter unter Druck stehen werden. Die Risiken durch die weiter steigende Konkurrenz im Inland seien nicht zu unterschätzen. Dennoch dürfte der Ergebnisbeitrag der Sparte vorerst stabil bleiben. Denn "auf der Kostenseite hat die Telekom hier noch Luft", begründete der Analyst. Mit entscheidend für die Entwicklung des Festnetzgeschäftes der Telekom sei, ob die Regulierungsbehörde gegenüber dem Konzern künftig eine härtere Gangart einschlagen werde, meinte auch Heinold.

Dass sich die Situation im Festnetzgeschäft verschärft hat, spiegelten am Donnerstag auch die Zahlen wider. So hat die Telekom mit Verbindungsentgelten im dritten Quartal 13,5 Prozent weniger Umsatz erwirtschaftet, konnte mit den eigentlichen Anschlüssen aber 7,1 Prozent mehr Erlöse einfahren. In Deutschland fiel der Umsatz der Festnetzsparte unter dem Strich um 5,4 Prozent und damit überproportional stark. Der Konzern macht dafür vor allem die Call-by-Call und Preselection-Angebote der Konkurrenz verantwortlich.

Festnetz und Mobilfunk als die herkömmlichen Ertragsbringer der Telekom werden nach Einschätzung Hellgrens von der LRP weiter unter Druck geraten. Mittelfristig sei für die künftige Wertschöpfung des Konzerns daher die erfolgreiche Umsetzung neuer Geschäftsmodelle zwingend erforderlich. Die Breitbandstrategie der Telekom weise vor diesem Hintergrund in die richtige Richtung. Doch sie müsse weiter entwickelt werden, um das Wertschöpfungspotenzial langfristig zu sichern.

Während die LBBW für die T-Aktie  am Donnerstag kein Kursziel nannte, bezifferten es die Analysten von SES Research in einer Studie mit stolzen 20 Euro. Die Kollegen von SEB nannten in ihrer Kaufempfehlung 18,50 Euro als Kursziel. Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz sieht den Wert Ende 2005 bei 19 Euro. Trotz aller Risiken hält der LRP-Experte die Aktie aus fundamentaler Sicht derzeit für "deutlich unterbewertet".

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