Medion "Jetzt kommt eine längere Durststrecke"

Dank eines starken Auslandsgeschäfts hat der Aldi-Lieferant und Elektronikhändler seinen Umsatz gesteigert. Aber die Konsumflaute in Deutschland verhagelt das Ergebnis dennoch. Nun müssen die Aktionäre mit einer geringeren Dividende rechnen.

Düsseldorf - In den ersten neun Monaten setzte Medion  aufgrund des Wachstums im Ausland zwar mehr um, verdiente aber wegen des Preisverfalls bei der Konsumelektronik in Deutschland weniger. Die im MDax  gelisteten Aktien gaben nach Vorlage der Geschäftszahlen um mehr als acht Prozent auf 13,78 Euro nach.

Der Vorstand erwarte im Weihnachtsgeschäft in Deutschland eine rückläufige Entwicklung und rechne daher im Gesamtjahr mit einem Umsatzrückgang auf 2,5 bis 2,6 (Vorjahr: 2,9) Milliarden Euro, teilte Medion am Donnerstag mit. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) wird sich den neuen Planungen zufolge mit 95 bis 105 (179) Millionen Euro beinahe halbieren.

Finanzvorstand Christian Eigen sagte in einem Reuters-Interview, die jüngsten Verkaufsaktionen gäben allerdings Anlass zur Zuversicht. "Das Notebook bei Aldi im Oktober und zuletzt der Pocket-PC mit Navigationssystem waren sehr schnell ausverkauft". Offenbar sei wohl doch zu vorsichtig disponiert worden.

Dividende soll sinken

Eigen kündigte für 2004 eine reduzierte Dividende an. Doch werde die Ausschüttungsquote angehoben, so dass die Dividende unterproportional zum Gewinnrückgang sinken werde. "Wir glauben an die Ertragskraft von Medion und werden daher die Ausschüttungsquote auf 50 Prozent anheben."

Bislang hatte Medion zwischen 30 und 50 Prozent vom Gewinn ausgeschüttet. 2003 hatten die Anteilseigner 70 Cent je Aktie erhalten. Für 2004 dürften sie wohl mit etwa 60 Cent rechnen.

Medion kündigte an, künftig Servicedienstleistungen wie einen digitalen Fotoentwicklungsservice anzubieten und im vierten Quartal mit einem Musikdownloadportal zu starten. Das mögliche Potenzial dieses neuen Geschäftszweiges sei noch nicht zu beziffern, sagte Eigen.

Gewinnrückgang nach neun Monaten

Medion teilte weiter mit, im Zeitraum Januar bis September sei das Ebit auf 61,4 (85,3) Millionen Euro gesunken. Gleichzeitig stieg der Umsatz wegen des erfreulichen Wachstums im Ausland um vier Prozent auf 1,557 (1,497) Milliarden Euro. Dabei stieg der Anteil des Auslandsgeschäftes auf 41,6 (35,8) Prozent.

Während in Deutschland der Umsatz um 5,3 Prozent auf 910,3 Millionen Euro zurückging, legte er in Europa um rund 21 Prozent auf 579 Millionen Euro zu. Im Halbjahr lag der Umsatz in Europa bei 440 Millionen Euro und stieg damit im dritten Quartal nur um etwa 130 Millionen Euro.

Analysten senken ihr Rating

Analysten senken ihr Rating

Analysten zeigten sich enttäuscht von den Aussichten des Konzerns. Das Europageschäft von Medion sei im dritten Quartal schwach gewesen und der Ausblick unter den Markterwartungen, sagte etwa Analyst Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Er setzte seine Bewertung auf "Marketperformer" von zuvor "Outperformer" herab.

Ein Analyst eines anderen Institutes sieht für Medion angesichts des Preisverfalls weitere Belastungen. "Die Endverbraucherpreise fallen und gleichzeitig steigen bei den Produzenten die Preise oder bleiben zumindest stabil. Medion kann den Preisdruck auf seine Computer kaum oder gar nicht an die Hersteller von Speicherchips, Grafikkarten oder anderer Komponenten weitergeben. Ich fürchte, das wird das Geschäft des Unternehmens weiter belasten", sagte er.

Mehr als ein einfacher Rückgang"

Auch Oliver Drebing von SES Research reagierte enttäuscht auf die Zahlen. Sie seien deutlich schlechter ausgefallen als erwartet. "Was wir jetzt sehen, ist mehr als ein einfacher Rückgang." Er kündigte an, seine Einstufung "Outperformer" zu überprüfen. "Ich muss meine Schätzungen deutlich herunternehmen. Eigentlich haben sich die Ängste der Experten bestätigt." Jetzt komme "erstmal eine längere Durststrecke".

Im Sommer habe er noch optimistischer auf das Weihnachtsgeschäft 2004 geblickt. Jetzt zeige sich aber, dass die Konsumzurückhaltung andauere. Medion-Kunden wie Aldi reagierten entsprechend und hielten ihre Lagerbestände knapp. "Die sind einfach vorsichtig", sagte Drebing. Auch die Zukunftsaussichten hätten sich eingetrübt. "Die Wachstumsstory ist erstmal beendet. Ich wüsste nicht, was sich daran auf die Schnelle ändern sollte." Einziger Lichtblick sei im Augenblick das Auslandsgeschäft, das sich im dritten Quartal recht erfreulich entwickelt habe.

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