Deutsche Bank Der Primus kann es packen

Die Deutsche Bank legt Zahlen vor, der Investor zuckt die Schultern. Die Börse zeigt, der Branchenprimus muss sich noch mächtig ins Zeug legen, will er die Märkte überzeugen und sein ambitioniertes Renditeziel in 2005 erreichen. Analysten halten das für möglich, bemängeln aber auch die "Qualität" des jüngsten Zahlenwerks.

Hamburg - Zwar hat die Deutsche Bank  im dritten Quartal ihren Vorsteuergewinn stärker gesteigert als erwartet. Die Investoren ließ das Zahlenwerk am Freitag allerdings kalt. Sie hielten sich mit Käufen zurück. Analysten äußerten sich dagegen im Gespräch mit manager-magazin.de überwiegend positiv, kritisierten mitunter allerdings die "Qualität" des Ergebnisses.

Für Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz war das Ergebnis zwar "besser als erwartet". Dabei habe die Deutsche Bank allerdings auch an allen ihr zur Verfügung stehenden "Stellschrauben gedreht", wandte der Analyst zugleich ein.

So tauche in der Gewinn- und Verlustrechnung der Bank etwa eine Position "sonstige Erträge" von rund 222 Millionen Euro auf, die weit höher liege als in anderen Quartalen. Dahinter verbergen sich laut Kayser unter anderem Erlöse aus dem Verkauf von Grundstücken. "Das sind einmalige Positionen, die haben mit dem operativen Geschäft nichts zu tun, sie gestalten das Gesamtbild aber freundlicher." Ähnlich äußerten sich Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein und Citigroup  am Freitag in Kurzstudien.

"In einem schwierigen Marktumfeld gut behauptet"

Positiv habe sich auf das Ergebnis auch die deutlich niedrigere Steuerquote von 32 Prozent ausgewirkt. "Damit haben wir unter dem Strich ein besseres Ergebnis als im zweiten Quartal, obwohl das Vorsteuerergebnis gesunken ist", sagte Kayser weiter. Insgesamt habe sich die Deutsche Bank angesichts eines schwierigen Marktumfeldes im dritten Quartal allerdings gut behauptet.

Diesen Schluss zog im Gespräch mit manager-magazin.de auch Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck. Mit rund einer Milliarde Euro habe das Vorsteuerergebnis über den durchschnittlichen Analystenschätzungen (rund 900 Millionen Euro) gelegen. Positiv bewertete der Experte auch, dass die Bank die Personalkosten weiter gesenkt habe. "Zudem ist die Risikovorsorge weiter stark zurückgegangen. Hier zahlt sich aus, dass die Deutsche Bank in der Vergangenheit offenbar sehr vorsichtig in der Kreditvergabe war", sagte Becker.

"Ambitionierte" Renditeziele für 2005

Niedrige Steuerquote poliert das Ergebnis auf

Nach Ansicht von Fabian Brunner, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), habe die Deutsche Bank "sehr zufrieden stellende" Zahlen für das dritte Quartal abgeliefert. Brunner verwies ebenso wie Becker von Merck Finck darauf, dass das dritte Quartal nicht zuletzt wegen der Urlaubszeit traditionell schlechter ausfalle als andere Perioden.

Auch wenn die Gesamterträge mit 5,056 Milliarden Euro deutlich hinter dem Vorquartal (5,4 Milliarden Euro) und ebenso hinter dem Vorjahreswert (5,161 Milliarden Euro) geblieben seien, habe die Deutsche Bank nach Steuern das beste dritte Quartal seit 2001 erreicht. "Das ist eine bemerkenswerte Leistung", sagte Brunner im Gespräch mit manager-magazin.de. Ebenso wie Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz räumte der Analyst aber ein, dass das Ergebnis von der deutlich niedrigren Steuerquote profitiert habe.

Analyst Becker von Merk Finck mahnte an, beim Vergleich des dritten Quartals mit den Vorquartalen in 2004 nicht zu vergessen, dass die Deutsche Bank zu Jahresbeginn quasi einen "Kick-Start" hingelegt habe. Mit dem "hervorragenden" ersten Quartal liege die Messlatte nun sehr hoch, was sich auch daran zeige, dass das Handelsergebnis mit 1,27 Milliarden Euro weiter abgefallen sei.

Drittes Quartal ist nicht der Maßstab

Insofern dürfe auch die auf 16 von 18 Prozent gefallene Eigenkapitalrendite vor Steuern im dritten Quartal nicht überbewertet werden. "Herr Ackermann hat sich als Ziel eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zum Ende des Jahres 2005 gesetzt. Das dritte Quartal wird dieses Ziel nicht maßgeblich bestimmen", zeigte sich Becker überzeugt.

Es sei nicht angemessen, das Erreichen dieses Zieles vornehmlich vom Ergebnis des dritten Quartal aus zu beurteilen, sagte auch Brunner von der LBBW. "Keine Frage, das ist ein ambitioniertes Ziel."

Die Deutsche Bank befinde sich aber auf einem sehr guten Weg. Wenn es ihre gelinge, die Kosten weiter zu senken, die Erträge zu steigern und der Markt in 2005 mitspiele, habe die Bank "gute Aussichten", dieses Ziel zu erreichen. Sowohl Brunner als auch Becker von Merck Finck empfehlen die Aktie weiter zum Kauf.

Die Stellschrauben für den Erfolg

Das Marktumfeld muss stimmen

Bei einem günstigen Marktumfeld traut Becker der Deutschen Bank im kommenden Jahr durchaus zu, die Erlöse deutlich zu verbessern und damit dem angestrebten Renditeziel zumindest sehr nahe zu kommen.

Clemens Börsig, Finanzvorstand der Deutschen Bank, hatte sich in der Analystenkonferenz ähnlich optimistisch gezeigt, räumte allerdings ein, dass es bei extrem schwachen Marktverhältnissen schwierig werden könne, die von Vorstandschef Ackermann herausgegebene Zielmarke von 25 Prozent zu erreichen.

Zweifelsohne werde die Bank dafür weiter an der Kostenschraube drehen, hatte Börsig erklärt. "Hier muss sich allerdings noch zeigen", führte Becker weiter aus, "ob das von Vorstandschef Ackermann angeschobene Effizienzsteigerungsprogramm noch in 2005 greifen kann."

Analyst schließt weitere Aktienrückkäufe nicht aus

Nicht nur, aber insbesondere an seinen vorgegebenen Renditezielen wird Ackermann im kommenden Jahr gemessen werden. Analyst Becker wollte deshalb auch nicht ausschließen, dass die Deutsche Bank über ein weiteres Aktienrückkaufprogramm versuchen werde, die Eigenkapitalrendite positiv zu beeinflussen.

Finanzvorstand Börsig signalisierte in der Analystenkonferenz dagegen, dass das Geldhaus zur Verbesserung der Rendite weniger auf eine Verringerung der Eigenkapitalbasis denn auf Ertragswachstum und Kostensenkung setze. Die Deutsche Bank hatte im dritten Quartal weitere 16 Millionen Anteilsscheine, was in etwa 3 Prozent der ausgegebenen Aktien entspricht, für 919 Millionen Euro zurück erworben.

"Das vierte Quartal wird schlechter"

Und eben wegen der ambitionieren Ziele Ackermanns für 2005 rechnet Analyst Becker damit, dass der Vorstandschef weitere Restrukturierungsaufwendungen im vierten Quartal verbuchen werde. "Deshalb werden wir im vierten Quartal auch ein deutlich schlechteres Ergebnis sehen als im dritten Quartal", sagte der Analyst vom Bankhaus Merck Finck.

Brunner wollte dieser Annahme nicht uneingeschränkt zustimmen. Es sei nur schlecht einzuschätzen, wie stark das vierte Quartal durch erhöhte Restrukturierungskosten belastet werde. "Die Bank hält sich hier sehr bedeckt", gab der Experte seinen Eindruck aus der Analystenkonferenz wider. Nach Einschätzung des Experten von der LBBW dürfte die positive Entwicklung der Deutschen Bank auch im vierten Quartal erkennbar bleiben.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.