Wall Street Google top, Amazon flop

Die Aushängeschilder der Internetindustrie haben ihre Zahlen vorgelegt. Die Reaktionen der Börse hätten nicht unterschiedlicher ausfallen können. Enttäuscht vom Umsatz-Ausblick fielen Amazon-Titel nachbörslich um mehr als 8 Prozent. Google-Titel schossen dagegen in die Höhe.

New York - Der US-Internetkonzern Google  hat in seinem ersten Quartalsbericht nach dem Börsengang seinen Gewinn und Umsatz mehr als verdoppelt. Durch ein starkes Werbe-Geschäft sei im dritten Quartal ein Netto-Gewinn von 52 Millionen Dollar oder 19 Cent pro Aktie erzielt worden, teilte der führende Betreiber von Internet-Suchmaschinen am Donnerstag nach Börsenschluss mit. Im Vorjahreszeitraum hatte der Netto-Gewinn 20,4 Millionen Dollar oder acht Cent je Aktie betragen.

Der Umsatz sei um 105 Prozent auf 805,9 Millionen Dollar gestiegen (Vorjahr: 393,9 Millionen Dollar). Analysten hatten mit einem Umsatz von rund 751 Millionen Dollar gerechnet. Im nachbörslichen Handel stiegen die Aktien von Google  auf 161,79 Dollar nach 149,38 Dollar bei Handelsschluss an der Technologie-Börse Nasdaq Composite . Das ist ein Plus von 8,31 Prozent.

"Sie waren außergewöhnlich", sagte Analystin Marianne Wolk von der Susquehanna Financial Group. "Sie haben wirklich die Erwartungen der meisten Leute bei weitem übertroffen." Ohne die Kosten wegen eines Rechtsstreits mit dem Konkurrenten Yahoo  und andere Sonderposten erreichte Google einen Gewinn von 125 Millionen Dollar oder 45 Cent je Aktie. Unter Herausrechnung der Kosten für Aktienvergütungen für Mitarbeiter betrüge der Gewinn je Aktie sogar 70 Cent, sagte Wolk. Analysten hatten im Schnitt mit einem Gewinn je Aktie vor Sonderposten von 56 Cent gerechnet.

Google hatte bereits vor seinem Börsengang mitgeteilt, dass kein Geschäftsausblick gegeben werde. Google-Chef Eric Schmidt bekräftigte dies am Donnerstag bei einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Google  und Yahoo  machen eine erhebliche Teil ihres Umsatzes mit Werbung im Internet, einem lukrativen und rasch wachsenden Markt.

Ausblick von Amazon enttäuscht die Märkte

Seattle - Der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon  hat trotz deutlich zweistelliger Ergebniszuwächse im dritten Quartal die Analysten-Erwartungen knapp verfehlt. Vor allem der Umsatz-Ausblick für das kommende Jahr hat die Märkte enttäuscht. Die Aktie rutschte nach nachbörslich um rund 8,60 Prozent auf 39,47 Dollar ab.

Der Gewinn vor Sonderposten stieg im Jahresvergleich um 52 Prozent auf 73 Millionen Dollar oder 0,17 Dollar je Aktie, wie die im Nasdaq-100-Index notierte Gesellschaft am Donnerstag nachbörslich in Seattle mitteilte. Von First Call/Thomson Financial befragte Analysten hatten dagegen mit 0,18 Dollar pro Titel gerechnet. "Unsere Entscheidung, unter anderem in niedrigere Preise und freie Auslieferungen statt in TV-Werbung zu investieren, wird von unseren Kunden gut angenommen", sagte Amazon-Chef Jeff Bezos laut Mitteilung.

Unter dem Strich steigerte Amazon.com den Überschuss auf 54 Millionen Dollar (Vorjahr: 16 Millionen Dollar) beziehungsweise 0,13 (0,04) Dollar je Aktie. Der amerikanische Online-Einzelhändler setzte mit 1,46 Milliarden Dollar auch dank Währungseffekten zwar 29 Prozent mehr um als ein Jahr zuvor (1,13 Milliarden Dollar), aber lag auch hier unter den Experten-Prognosen. Analysten hatten Amazon.com 1,47 Milliarden Dollar zugetraut. Ohne Währungseffekte angesichts des schwachen US-Dollars, die die Erlöse um 57 Millionen Dollar aufpolsterten, wäre der Umsatz lediglich um 24 Prozent gestiegen.

Operativ erzielte Amazon.com im abgelaufenen dritten Jahresviertel einen Zuwachs auf 81 (52) Millionen Dollar. Im laufenden vierten Quartal strebt der Online-Einzelhändler operativ 137 bis 197 Millionen Dollar an. Der Umsatz soll im Jahresvergleich um 18 bis 31 Prozent auf 2,295 bis 2,545 Milliarden Dollar zulegen. Analysten gehen gegenwärtig von 2,42 Milliarden Dollar aus.

Im gesamten Jahr will Amazon.com die Erlöse auf 6,675 bis 6,925 Milliarden Dollar steigern. Dies wäre ein Plus von 27 bis 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Branchenexperten rechnen derzeit im Schnitt mit 6,80 Milliarden Dollar. Operativ peilt das Unternehmen nun 415 bis 475 Millionen Dollar an. Im Juli hatte Amazon.com sich noch 400 bis 460 Millionen Dollar als Ziel gesteckt.

Die US-Gesellschaft bekräftigte zudem ihre Erlös-Prognose für 2005. Der Umsatz soll sich auf 7,40 bis 8,15 Milliarden Dollar belaufen. Damit ist Amazon.com pessimistischer als Analysten. Diese sagen derzeit im Schnitt 8,27 Milliarden Dollar voraus. Der Online-Einzelhändler peilt im nächsten Jahr einen operativen Gewinn von 400 bis 525 Millionen Dollar an.

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