Schering Weniger Steuern, mehr Gewinn

Vor allem geringere Steuerzahlungen haben Scherings Gewinn im dritten Quartal angetrieben. Der Pharmakonzern hebt seine Prognose für den Gewinn je Aktie in 2004 an. Zugleich kündigte das Unternehmen an, es werde die Gehälter von allen Vorständen künftig offenlegen.

Berlin - Vor allem dank geringerer Steuerzahlungen hat der Pharmakonzern Schering  im dritten Quartal seinen Nettogewinn deutlich gesteigert und rechnet hier nun auch im Gesamtjahr mit mehr Gewinn als bislang. Das operative Geschäft blieb dagegen im Rahmen der Erwartungen von Analysten. Wie Schering am Donnerstag weiter mitteilte, werde das Unternehmen künftig das Gehalt von jedem einzelnen Vorstandsmitglied offen legen

Der Quartalsgewinn sei im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent auf 123 Millionen Euro gestiegen, teilte Schering am Donnerstag weiter mit. Für das Gesamtjahr erhöhte Schering deshalb die Prognose für den Gewinn pro Aktie auf mehr als 2,35 Euro. Das Betriebsergebnis, dass den eigentlichen Geschäftsverlauf widerspiegelt, ist zwischen Juli und September auf 182 Millionen Euro geklettert und lag damit in etwa im Rahmen der Schätzung von Reuters befragter Analysten. Vor allem wegen der im vierten Quartal auflaufenden Kosten für das Sparprogramm "Focus" behielt der Konzern seine Prognose von 700 Millionen Euro Betriebsgewinn im Gesamtjahr bei.

Die Aktie von Schering legte nach Bekanntgabe der Zahlen zu und notierte gegen 14 Uhr noch mit 0,86 Prozent auf 50,58 Euro im Plus. Damit gehörte der Wert zu den wenigen Gewinnern im Dax .

Günstigere Steuerquoten trieben Gewinn an

Günstigere Steuerquoten in verschiedenen Ländern hätten beim Konzerngewinn für einen Sprung gesorgt, sagte Finanzvorstand Jörg Spiekerkötter. Für das Gesamtjahr erhöhte Schering die Prognose eines Ergebnisses pro Aktie auf mehr als 2,35 Euro von bislang 2,26 Euro. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Schering in diesem Jahr vier Millionen eigener Aktien zurückgekauft hat. Werden sie eingezogen, erhöht sich automatisch das Ergebnis pro Aktie. Der Umsatz stieg im dritten Quartal leicht um zwei Prozent auf 1,235 Milliarden Euro.

"Yasmin" in den USA stark gefragt

Anti-Baby-Pille "Yasmin" in den USA stark gefragt

Optimistisch ist der Konzern weiter für die Entwicklung seiner neuartigen Anti-Baby-Pille Yasmin. "Yasmin ist in den USA das Top-Produkt bei Verhütungsmitteln geworden", sagte Schering-Chef Hubertus Erlen. Man rechne in diesem Jahr mit einem Umsatz von weit mehr als den bislang prognostizierten 400 Millionen Euro. Das Produkt ist mittlerweile nach Betaferon das am besten verkaufte bei Schering.

Bei dem Mulitple-Sklerose Medikament Betaferon sind die Zeiten des starken Wachstums dagegen offenbar vorbei. "Wir werden wohl kein zweistelliges Wachstum mehr sehen", sagte Finanzvorstand Spiekerkötter mit Blick auf die nächsten Jahre. Für 2004 senkte der Konzern die Prognose eines hoch, einstelligen Wachstums auf ein mittleres, einstelliges Umsatz-Plus in Landeswährungen gerechnet. "Wir haben verstärkten Wettbewerb in den USA", sagte er zur Begründung. Bereits zuvor war aus Branchenkreisen verlautet, dass der Marktanteil von Betaferon dort stark sinke.

Vorstand hält an Prognose beim Betriebsgewinn fest

Beim Betriebsgewinn hat der Konzern in den ersten neun Monaten nun zwar bereits fast 600 Millionen Euro erzielt, bleibt aber bei seiner Gesamt-Jahresprognose von mehr als 700 Millionen Euro. "Das ist konservativ gerechnet", räumte Spiekerkötter ein. Er verwies aber darauf, dass ein Großteil der Kosten für das "Focus"-Programm in diesem Jahr von über 50 Millionen Euro im vierten Quartal anfallen würden. Bislang seien davon erst 15 bis 18 Millionen Euro verbucht.

Durch das "Focus"-Programm will Schering durch die Konzentration auf weniger, aber profitbablere Produkte seine Umsatzrendite im Jahr 2006 auf 18 Prozent steigern. Zuletzt lag sie bei gut 14 Prozent. Um das Ziel zu erreichen, will Schering die Hälfte seiner Produktionsstätten schließen und insgesamt 2000 Stellen streichen.

"Wir kommen bei dem Programm gut voran", sagte Erlen. 600 Stellen sind Schering zufolge bereits weggefallen. Zudem hege man große Hoffnungen auf die Zulassung von neuen Produkten in den nächsten zwei Jahren, wie das Krebspräparat PTK/ZK. Dieses könne Umsätze von mehr als einer Milliarde Euro erreichen.

Schering legt alle Vorstandgehälter offen

Dresdner Kleinwort bestätigt Aktie mit "Kaufen"

Die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) haben Schering mit der Einstufung "Kaufen" bestätigt. Das Kursziel liegt bei 56 Euro. Die Geschäftszahlen hätten am oberen Ende der Prognosen gelegen, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Auch das Restrukturierungsprogramm laufe nach Plan.

Die Experten erwarten in den kommenden sechs Monaten positive Nachrichten von dem Berliner Pharmakonzern. Zu erwarten seien etwa die Zulassungen von "Yasmin 20" und "Bonefos" in den Vereinigten Staaten. "Wenn diese Meilensteine erreicht sind, werden wir wohl auch unser Kursziel heben", schrieben die Experten.

Die Analysten von HVB Equity Research bestätigten die Aktien des Pharmaproduzenten mit "Neutral" und das Kursziel mit 54 Euro. Die Quartalsbilanz habe weitgehend im Rahmen der HVB eigenen Schätzungen und der Konsenserwartung gelegen, hieß es in einer Kurzstudie am Donnerstag.

Schering will alle Vorstandsgehälter offen legen

Wie der drittgrößte deutsche Pharmakonzern weiter mitteilte, will Schering künftig das Gehalt von jedem einzelnen Vorstandsmitglied offen legen. Damit beugte sich die Unternehmensleitung um Vorstandschef Hubertus Erlen am Donnerstag in Berlin dem wachsenden Druck aus der Politik.

Den Meinungswechsel bei den Gehältern begründete Erlen mit dem "öffentlichen Erwartungsdruck". Schering hatte als eines der ersten Unternehmen das genaue Gehalt des Vorstandschefs (2,2 Millionen Euro) genannt, wollte aber eigentlich nicht darüber hinaus gehen. Nach der Drohung der Bundesregierung mit einem Offenlegungs-Gesetz haben inzwischen auch andere Konzerne eingelenkt. Die Mehrheit der 30 Dax-Unternehmen lehnt eine Veröffentlichung aber weiterhin ab. Erlen warnte davor, die Gehälter-Debatte ausufern zu lassen. "Wir haben in Deutschland wichtigeres zu diskutieren."

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