Rekordhoch Ölpreis erklimmt 55-Dollar-Marke

Der Preis für Rohöl steigt und steigt: Am Montag wurde erstmals die Marke von 55 Dollar pro Barrel überschritten. Analysten sehen bereits den nächsten Meilenstein wackeln, bald könnte ein Fass 60 Dollar kosten.

An den asiatischen Rohstoffbörsen bezahlten Händler am Montag für November-Kontrakte 55,33 Dollar pro Barrel (159 Liter); das waren 40 Cent mehr als am Freitag. Öl ist damit über 70 Prozent teurer als noch vor einem Jahr.

In Asien sank der Preis am Montag im Laufe des Tages zunächst wieder unter 55 Dollar. Auch der Preis für die Nordseesorte Brent stieg in London kurz über die psychologisch wichtige Marke von 50 Dollar, ging aber ebenfalls wieder zurück. Inflationsbereinigt liegt der Rohölpreis zurzeit noch immer um rund 40 Prozent unter dem Stand vom Februar 1981.

Einen deutlichen Preissprung gab es in der vergangenen Woche auch wieder beim Opec-Öl: Ein Barrel kostete durchschnittlich 45,72 Dollar und damit fast zwei Dollar mehr als in der Vorwoche (43,94 Dollar). Entspannung scheint nicht in Sicht: Wie die Organisation Öl exportierender Länder (Opec) am Montag in Wien mitteilte, lag der Preis am letzten Freitag schon bei 46,14 Dollar, um 66 Cent höher als am Donnerstag (45,58 Dollar).

Hauptgründe für den hohen Ölpreis sind nach Angaben von Branchenexperten das weiterhin nur schleppende Anlaufen der Produktion nach den Schäden von Hurrikan "Ivan" im Golf von Mexiko, die angespannte Sicherheitslage im Irak und in Nigeria, die Unsicherheiten um den russischen Ölkonzern Jukos sowie die steigende Nachfrage vor dem anstehenden Winter.

Entspannung bei den Heizölpreisen

Unterdessen zeichnet sich bei den Heizölpreisen nach immer neuen Steigerungen offenbar eine leichte Entspannung ab. "Wir stellen keine unmittelbare Aufwärtsbewegung fest", erklärte Rainer Wiek vom Hamburger Energie Informations Dienst. Am Donnerstag hatte der Durchschnittspreis für 100 Liter Heizöl mit 52,40 Euro ein neues Jahreshoch erreicht. Das Allzeithoch für Heizöl liegt bei rund 55 Euro für 100 Liter. Auch die Preise am Rotterdamer Markt seien seit Freitag weitgehend stabil, betonte Wiek.

Nach dem Überschreiten der 55-Dollar-Marke beim Rohöl erwarten nun einige Branchenexperten, dass der Ölpreis bis Jahresende auf 60 Dollar steigt. "Wir haben einen neuen Meilenstein erreicht und haben jetzt die 60 Dollar im Blick", sagte der Analyst Victor Shum von Puvrin & Gertz. "Die 60 Dollar sind ganz sicher möglich." Auch Axel Busch, Chefkorrespondent der Londoner Energy Intelligence Gruppe, hält das Erreichen der 60-Dollar-Marke für möglich. Er bezeichnete den Ölmarkt allerdings als überhitzt.

Ölpreis trifft Verbraucher auch indirekt

Der hohe Ölpreis wird aus Sicht der Logistikbranche die Verbraucher im nächsten Jahr auch indirekt über höhere Preise für Produkte vom Joghurt bis zum Küchenschrank treffen. Das Transportgewerbe werde versuchen, seine Kostensteigerungen an die Kunden weiterzugeben, sagte Christian Messerschmidt, Mitglied im Beirat der Bundesvereinigung Logistik, am Montag der Nachrichtenagentur AP.

Der hohe Ölpreis schlage in der gesamten Logistik-Branche sehr stark zu Buche, sagte Messerschmidt, der gleichzeitig Geschäftsführer bei UPS Transport ist. Treibstoffkosten machten je nach Unternehmen bis zu 30 Prozent der Gesamtkosten aus.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.