Konjunktur Wirtschaftsforscher senken Prognose

Führende Wirtschaftsforscher sehen den konjunkturellen Aufschwung in Deutschland schon wieder als beendet an. Sie korrigieren ihre Wachstumsprognose unter die Marke von zwei Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen könnte dagegen bald über die Marke von fünf Millionen steigen.

Berlin - Die Mehrheit der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute gehe für 2005 von einem Wachstum von nur noch 1,5 Prozent aus, berichtete die "Welt am Sonntag". Bisher hatten die Experten ein Plus von bis zu zwei Prozent prognostiziert. In diesem Jahr erwarten alle sechs Institute ein Wachstum von 1,8 Prozent. Die Prognosen werden offiziell am Dienstag vorgestellt.

Vor dem Hintergrund der lahmenden Konjunktur und geplanten Massenentlassungen in der Autoindustrie befürchtet Commerzbank-Chefvolkswirt Ulrich Ramm einen Anstieg der Arbeitslosenzahl auf fünf Millionen. "Das ist nicht auszuschließen, weil sich die Stimmung durch die aktuelle Krise noch verschlechtern könnte", sagte Ramm der "Bild"-Zeitung. Ähnliche Befürchtungen hatte zuvor schon der Vizechef der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, geäußert.

Nach Ansicht der EU-Kommission wird Deutschland im kommenden Jahr zum vierten Mal in Folge gegen den Euro-Stabilitätspakt verstoßen. Die Neuverschuldung Deutschlands werde auch 2005 über den erlaubten drei Prozent liegen, berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf EU-Kreise. Das werde EU-Währungskommissar Joaquin Almunia bei seiner Herbstprognose Ende Oktober verkünden.

Neue Haushaltslöcher in Milliardenhöhe

Nach Informationen der "Welt am Sonntag" will die FDP gegen die Bundesregierung Verfassungsklage erheben, wenn sie nicht noch ein Zehn-Milliarden-Sparkonzept für den Bundeshaushalt 2005 bis zur Haushaltsdebatte im November vorlegt, wie ihr haushaltspolitischer Sprecher Andreas Pinkwart dem Blatt bestätigte.

Der Steuerschätzer im Kieler Institut für Weltwirtschaft, Alfred Boss, befürchtet 2005 neue Haushaltslöcher. Er rechne damit, dass das Ergebnis der Steuerschätzung im November nach unten korrigiert werde, sagte er der "Stuttgarter Zeitung". Boss bezifferte die Einnahmeausfälle 2005 für Bund, Länder und Gemeinden auf vier bis fünf Milliarden Euro.

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