Thilenius-Kolumne Chancen in der Türkei

Lange hat die Türkei darauf gewartet, aber nun ist der Weg für eine Aufnahme in die Europäische Union geebnet. Anleger sollten sich jetzt bereits darauf einstellen und die Investitionsmöglichkeiten in dem bevölkerungsstarken Land nutzen.

Der letzte Versuch der Türkei, sich Europa anzuschließen, war nicht von großem Erfolg gekrönt. Vor 321 Jahren besiegte eine katholische Armee unter polnischer Führung die türkischen Truppen, die schon lange Wien belagert hatten. Damit endete der bis dahin nahezu unhaltbare türkische Vorstoß nach Mitteleuropa. Im weiteren Verlauf der Geschichte wurde dann im Jahr 1838 Griechenland von der Türkei unabhängig. Seit damals bestehen die heutigen Grenzen, wonach die Türkei nur einen kleinen Teil ihres Territoriums auf dem europäischen Kontinent hat.

Dieses Mal sieht es mit friedlicheren Mitteln besser aus: Nach 40-jährigem Klopfen an die Tür und fünf Jahren als offizieller Kandidat hat nun die EU-Kommission Beitrittsverhandlungen empfohlen. Damit dürfte die EU-Mitgliedschaft der Türkei nur eine Zeitfrage sein.

Alle wissen, worauf sie sich einlassen: Die türkischen Bauern freuen sich auf die EU Subventionen; die deutschen und französischen Bauern sind nicht gerade begeistert von der Aussicht, nach den polnischen nun auch noch mit den türkischen Kollegen teilen zu müssen. Immerhin hat die Türkei über 70 Millionen Einwohner, etwas mehr als die Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung. Der Anteil kleiner Landwirte ist sehr hoch.

Machtverschiebung im Parlament

Die Wähler der konservativen christlichen Volksparteien in Europa wissen zudem, dass kaum ein gläubiger Muslim eine christliche Partei wählen wird. Über die abzusehende Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse im europäischen Parlament dürften sich vor allem die Grünen freuen.

Die europäischen Unternehmen stellen sich hingegen mit Freude auf größere Märkte ein; die sehr leistungsfähigen türkischen Unternehmen, die vor allem Baustoffe, Lebensmittel und Haushaltsgüter erzeugen, freuen sich auf den Zugang zu den europäischen Märkten.

Geringes Risiko einer Finanzkrise

Aber auch der weitsichtige Investor hat Anlass zur Freude. Denn durch die Aussicht des EU-Beitritts hat die Türkei in den vergangenen Jahren ein rigoroses Stabilitätsprogramm durchgezogen, das die hohen Inflationsraten und Finanzkrisen der Vergangenheit unwahrscheinlicher machen soll.

Das Risiko von Türkeiinvestitionen ist damit wesentlich gesunken, aber noch weit vom geringen Katastrophenrisiko eines westeuropäischen Landes entfernt. Die frühen Investoren in den neuen EU Ländern Polen und Tschechische Republik und Ungarn haben mit Ihren Aktieninvestments meistens Freude gehabt; die Anleiheinvestments sind durch die zahlreichen Abwertungen nicht so gut gelaufen.

Der weitsichtige Aktieninvestor sollte in dieser Lage auf eine Branche setzen, die von der stark wachsenden Bevölkerung profitiert, die Jugend anspricht und ein originäres Marktwachstum hat. Hier bietet sich der Mobilfunk an, der den zusätzlichen Vorteil hat, weniger konjunkturanfällig als beispielsweise Zement und Kühlschränke zu sein.

Der führende Mobilfunkbetreiber des Landes ist Turkcell. Das Unternehmen hat derzeit etwa 19 Millionen Kunden und ist auch mit Tochtergesellschaften in der Ukraine und anderen Schwellenländern vertreten. Der Aufschwung der türkischen Wirtschaft und die engere Anbindung an Europa dürften nach bisherigen Erfahrungen mit anderen Schwellenländern zu einer großen Zunahme des Mobilfunks führen. Die Aktie wird als ADR  in US Dollar gehandelt und ist recht liquide.

Der Titel ist zudem recht preiswert: Bei einem Kurs von derzeit etwa zwölf Dollar wird für das Jahr 2005 ein Gewinn von 1,28 Dollar erwartet. Daraus ergibt sich ein für den Sektor günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter zehn. Gleichzeitig liegt die Dividendenrendite bei 3,5 Prozent, damit ist der Kurs nach unten durch die hohe Dividende abgesichert. Hier erwartet den Investor mit einem Zeithorizont von einigen Jahren eine preiswerte und vielversprechende Konvergenzgeschichte.

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