Märkte Dax setzt Talfahrt fort

Schlechte Nachrichten aus den USA drücken die Dax-Schwergewichte Münchner Rück und Allianz tief ins Minus. Auch der weiterhin hohe Ölpreis lastet auf der Stimmung an der Börse.

Frankfurt am Main - "Die Stimmung ist insgesamt angeschlagen. Es gibt die eine oder andere Nachricht, die belastet", sagte Ascan Iredi, Händler bei der Postbank. "Einigen dürfte auch noch Opel und General Motors  auf den Magen schlagen." Der Dax  schloss am Freitag auf Xetra mit einem Verlust von 0,5 Prozent bei 3922 Punkten.

Aus Protest über die Kürzungspläne der Konzernmutter General Motors ruht seit Donnerstagabend die Produktion im Bochumer Opel-Werk. In Rüsselsheim ist am Morgen der Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengekommen. GM will in Europa bis 2006 12.000 Stellen streichen.

Deutschlands wichtigster Börsenindex setzte seine Talfahrt des Vortages fort und verbuchte bis zum frühen Nachmittag ein Minus von 0,7 Prozent auf 3913 Punkte. Die Terminkontrakte auf leichtes US-Öl hatten am Donnerstag ein neues Rekordhoch bei 54,88 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter) erklommen. Gegen Mittag lag der Preis für die Ölsorte bei 54,62 Dollar

Die Konjunkturdaten aus den USA sind im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. So stiegen die Erzeugerpreise im September leicht um 0,1 Prozent zum Vormonat, teilte das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Volkswirte hatten ebenfalls mit einem Anstieg von 0,1 Prozent gerechnet.

Die Kernrate - ohne die besonders schwankungsanfälligen Lebensmittel- und Energiepreise - erhöhte sich um 0,3 Prozent. Hier hatten Volkswirte mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet. Die Erzeugerpreise beeinflussen die allgemeine Teuerung nicht direkt, schlagen aber erfahrungsgemäß mit einiger Verzögerung je nach Konjunkturlage zumindest teilweise auf die Verbraucherpreise durch.

Der US-Geschäftsklimaindex Empire State Manufacturing ist im Oktober stärker gesunken als erwartet. Der Index sei von revidierten 27,3 Punkten auf 17,4 Zähler gefallen, teilte die regionale Vertretung der US-Notenbank in New York mit. Von CBS Marketwatch befragte Volkswirte hatten im Durchschnitt einen Rückgang auf 24,9 Punkte erwartet. Der Wert für den Vormonat war ursprünglich mit 28,3 angegeben worden. Der Empire-State-Index misst die Geschäftstätigkeit des produzierenden Gewerbes im Staat New York. Ein Indexstand über Null deutet eine Ausweitung der Aktivitäten an.

Versicherer nach Klage gegen US-Makler unter Druck

Versicherer nach Klage gegen US-Makler unter Druck

Mit Kursverlusten von mehr als drei Prozent bildeten die Papiere der Münchener Rück  und der Allianz  die Schlusslichter im Dax. Börsianern erklärten die Kursverluste mit einer Klage gegen den US-Versicherungsmakler Marsh & McLennan wegen des Verdachts auf Marktmanipulationen.

In der Klageschrift wird unter anderem auch eine Tochter der Münchener Rück genannt. Eine Sprecherin der Münchener Rück betonte erneut, der Rückversicherer sei in dem Verfahren des New Yorker Generalstaatsanwalts nicht beschuldigt. Der Bereich Munich American Risk Partners der US-Tochter American Re werde lediglich erwähnt. "Trotzdem werden die Münchener Rück und die Allianz in Sippenhaft genommen", sagte ein Händler.

Anleger strafen KarstadtQuelle-Aktien erneut ab

Ihre Talfahrt setzten die Papiere von KarstadtQuelle  fort, die im Nebenwerteindex MDax  um 7,6 Prozent auf 10,79 Euro einbrachen. Händler machten dafür vor allem die am Donnerstag kurz vor Börsenschluss veröffentlichten Details zur geplanten Kapitalerhöhung verantwortlich. "Der Kurssturz liegt wohl an der Kapitalerhöhung. Das Konsortium garantiert ja nur vier Euro je Aktie", sagte ein Analyst, der nicht genannt werden wollte. "Zudem werden jetzt 93 Millionen Aktien ausgegeben, ich hatte 53 Millionen Aktien erwartet." Die Ausgabe neuer Aktien erhöht die Gesamtzahl der Papiere und verringert so den Gewinn je Aktie.

Bei einem Bezugspreis von 5,38 Euro je Aktie könne das geplante Volumen von mindestens 500 Millionen Euro erzielt werden, hatte Karstadt am Donnerstag mitgeteilt. Das Bankenkonsortium habe sich dazu bereit erklärt, die neuen Aktien zu mindestens vier Euro zu übernehmen.

Unter Druck gerieten auch die Aktien des Handelskonzerns Metro , die ein Prozent verloren. "Es gibt keine Nachrichten zu Metro. Aber die Stimmung für den Sektor ist nach KarstadtQuelle und Carrefour  nicht gerade die beste." Am Mittwoch hatte der französische Supermarktkonzern Carrefour seine Jahresprognose gesenkt.

Dem Abwärtstrend trotzten die Papiere des Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern MAN , die sich mit einem Plus von 1,7 Prozent an die Spitze der Dax-Gewinner setzten. Nach den Worten von MAN-Chef Rudolf Rupprecht hat das Unternehmen in den ersten neun Monaten 2004 deutliche Zuwächse bei den Aufträgen verbucht. "Das Geschäft ist auch im September gut gelaufen und wir haben in den ersten neun Monaten ein Plus im Auftragseingang von über 20 Prozent", sagte Rupprecht dem "Handelsblatt".

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