Julius Bär Wieder Ärger mit "Mr. Neuer Markt"

Statt den Web.de-Emissionserlös in ein risikoarmes Investment anzulegen, soll das Schweizer Bankhaus Julius Bär einen Fonds von Kurt Ochner gewählt haben. Jetzt verlangt der Internet-Anbieter Schadenersatz in Millionenhöhe.

Düsseldorf/Karlsruhe- Der Internet-Anbieter Web.de  hat das Schweizer Bankhaus Julius Bär vor dem Landgericht Frankfurt am Main auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt. Einen entsprechenden Bericht der "Wirtschaftswoche" bestätigte am Donnerstag ein Unternehmenssprecher im Gespräch mit manager-magazin.de.

Dem Bericht zufolge verlor Web.de in den Jahren 2000 und 2001 bis zu sieben Millionen Euro mit Fonds, die vom ehemaligen Julius-Bär-Fondsmanager Kurt Ochner verwaltet wurden. Ein Bär-Sprecher bestätigte dem Blatt, dass die Bank sich in erster Instanz in einem Rechtsstreit mit Web.de befinde. Die Bank sehe aber "keine rechtlichen Grundlagen" für das Verfahren.

Neben Web.de sollen noch weitere Unternehmen eine Klage gegen Julius Bär eingereicht haben. Die Bank soll zum Teil den Emissionserlös von Firmen in Aktien anderer Neue-Markt-Unternehmen angelegt haben, obwohl eine risikoarme Investition erwünscht gewesen sei. Laut "Wirtschaftswoche" geht es im Web.de-Prozess um die bisher größte Schadenssumme wegen ehemaliger Ochner-Fonds.

"König der Nebenwerte"

In den goldenen Zeiten der New Economy galt Ochner als einer der mächtigsten Fondsmanager des Landes: Mit umstrittenen Methoden hob er die Kurse seiner Börsenlieblinge in ungeahnte Höhen. Seine Vorgehensweise war dabei so einfach wie effizient: Ochner kaufte marktenge Werte, trieb die Kurse nach oben und verkaufte mit Gewinn. Das funktionierte, solange der Hype an der Börse anhielt.

Ochner, der auch "Mr. Neuer Markt" oder "König der Nebenwerte" genannt wurde, konnte noch mit anderen Pfunden wuchern: Seine Kontakte konnten verschlossene Türen öffnen, seine Fürsprache Risikokapitalgeber milde stimmen. Wer in seiner Gunst stand, galt als gemachter Mann.

Besonders bekannt wurde Ochner durch seinen Investmentfonds "Special German Stock Fund", den er für Julius Bär verwaltete. Der Fonds legte von 1996 bis zum Jahr 2000 um mehr als 500 Prozent zu, weil Ochner frühzeitig auf kleine, weitgehend unbekannte Firmen setzte. Dank des Erfolgs von Ochner stieg das von Julius Bär in Deutschland betreute Fondsvolumen von wenigen hundert Millionen Mark auf bis zu zwölf Milliarden Mark.

Die Fonds implodierten

Doch pünktlich zur Jahrtausendwende platzte Ochners Spekulationsblase. Die Kurse brachen ein, der Börsenspekulant versenkte Milliarden. Der Fehler im System Ochner: Bei fallenden Kursen implodierten die Fonds, weil er seine Titel zu Dumpingpreisen verscherbeln musste.

Anfang April 2001 trennte sich die Frankfurter Fondsgesellschaft, eine Tochter der Schweizer Privatbank Julius Bär, von Ochner. Der Aufsichtsrat der Julius Bär Kapitalanlage AG und Ochner hätten "unterschiedliche strategische Auffassungen bezüglich der Geschäftstätigkeit", hieß es damals knapp.

In einem zähen Rechtsstreit forderten Ochners Opfer vergeblich Schadenersatz von Julius Bär. Erst Ende vergangenen Jahres wurde die Klage dreier Privatanleger abgeschmettert. Etliche Formulierungen im Verkaufsprospekt des Fonds hätten auf ein sehr riskantes Management schließen lassen, so die Richter des Frankfurter Oberlandesgerichts in ihrer Urteilsbegründung. Offen ist die Frage, ob Web.de mehr Erfolg haben wird, als die Privatanleger.