VW-Gesetz Neuer Investor auf dem Sprung?

Die EU-Kommission will das VW-Gesetz kippen. Was bedeutet das für die Aktie, den Anleger und potenzielle Investoren? manager-magazin.de sagt, was Analysten von einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes erwarten und was sie nicht leisten kann.

Hamburg - Die EU-Kommission will mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof wesentliche Änderungen am deutschen Volkswagen-Gesetz durchpauken. Im Gespräch mit manager-magazin.de haben Analysten es grundsätzlich begrüßt, sollte das VW-Gesetz kippen oder durch einen Beschluss des Gerichtes stark modifiziert werden.

"Damit wird für Volkswagen  eine neue Entwicklung anbrechen", sagte Autoanalyst Marc-René Tonn in einer ersten Reaktion am Mittwoch. Allerdings rechnet er nicht mit einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes vor Ablauf von zwei Jahren. Zudem erwartet der Experte von M.M. Warburg, dass das Gesetz eher angepasst als ersatzlos gestrichen wird. "Das schürt sicherlich Übernahmefantasien am Markt, insgesamt sollte man die Meldung aber nicht überbewerten."

Ähnlich äußerte sich Autoanalyst Stefan Droxner. "Sollte das Gesetz fallen, wäre das gut für die Aktie und die Anleger", sagte der Experte von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Von einem "Bewertungsabschlag" eben wegen des VW-Gesetzes sprach auch Michael Punzet von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Langfristig dürfte die Aktie davon profitieren, sollte das VW-Gesetz kippen, so Punzet.

Einstieg bei VW künftig einfacher

Für internationale Investoren sei es dann künftig "einfacher und attraktiver", bei Volkswagen einzusteigen. Auch hätte die Konzernspitze von VW in der Vergangenheit immer wieder Entscheidungen getroffen, die den Interessen der Anleger widersprachen, sagte Droxner. Gleichwohl erwartet der Analyst kein Kursfeuerwerk, sollte das Land Niedersachsen vor dem Europäischen Gerichtshof unterliegen.

EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein kritisiert seit Jahren das VW-Gesetz. Das Höchststimmrecht von 20 Prozent, das in dem Gesetz festgeschrieben ist, behindere seiner Auffassung nach ausländische Investoren, mache eine Übernahme des Konzerns nahezu unmöglich und sei damit ein Hindernis für den freien Kapitalverkehr.

Analysten halten Übernahme für unwahrscheinlich

Analysten halten Übernahme für unwahrscheinlich

"Hier stellt sich allerdings die Frage, ob es überhaupt einen Investor gibt, der an einer Übernahme von Volkswagen interessiert ist. Derzeit sehen wir diesen Investor nicht", erklärte Tonn von M.M. Warburg. Nach Einschätzung des Kollegen Punzet käme dann ohnehin nur ein anderer Autobauer in Frage. "Bis auf einige Japaner haben die meisten Hersteller derzeit aber genügend eigene Probleme", erteilte auch der LRP-Analyst Übernahmespekulationen eine Absage.

Toyota etwa war in der Vergangenheit immer wieder als möglicher Einstiegskandidat gehandelt worden. "Wir glauben jedoch nicht, dass die Japaner diesen Schritt tatsächlich gehen werden", so Tonn. Denn der Mehrwert durch eine mögliche Beteiligung an Volkswagen dürfte für den japanischen Autobauer insgesamt nicht groß genug ausfallen. Einer besseren Marktposition in Europa stünden dann deutliche Überschneidungen der Produktpalette auf dem US-Markt oder auch in China gegenüber, sagte der Analyst von M.M. Warburg.

VW für reine Finanzinvestoren durchaus interessant

Ob sich jenseits von möglichen Übernahmeambitionen künftig ein neuer Großinvestor herausbilden werde, müsse man abwarten, hieß es einhellig unter den Experten. Für einen reinen Finanzinvestor hätte bereits in der Vergangenheit die Möglichkeit bestanden, sich an Volkswagen zu beteiligen, gab Punzet zu bedenken.

Gleichwohl wollte der LRP-Analyst nicht ausschließen, dass neben der an VW bereits beteiligten US-Gesellschaft Brandes weitere Gesellschaften Interesse an dem Autobauer zeigen könnten, weil sie ihm langfristig einen Turnaround zutrauen. "Für einen Turnaround ist Volkswagen zumindest ein guter Kandidat", urteilt Punzet. Volkswagen könnte trotz seiner Probleme für Investoren durchaus interessant sein, erklärte auch LBBW-Experte Droxner eben unter Verweis auf Brandes. Die US-Investmentgesellschaft hält derzeit 10,65 Prozent an Volkswagen.

Was macht Abu Dhabi?

Bleibt die Frage, ob unter diesen neuen Vorzeichen womöglich die Einstiegsverhandlungen mit dem Golfemirat Abu Dhabi wieder aufgenommen werden. Der Verkauf eines im Konzernbesitz befindlichen Pakets von 9,8 Prozent der Stammaktien war in diesem Jahr gescheitert. M.M.-Warburg-Analyst Tonn glaubt jedoch nicht daran. "Der Deal ist vor allem wegen der unterschiedlichen Preisvorstellungen geplatzt. Wäre es um Stimmrechte oder die Vertretung des Emirats im VW-Aufsichtsrat gegangen, hätte man sicherlich mit dem Land Niedersachen eine Lösung gefunden."