Argentinien-Pleite Gläubiger in der Zwickmühle

Der südamerikanische Staat macht sich an die Bereinigung des größten Zahlungsausfalls in der Finanzgeschichte. Schon im kommenden Monat soll mit der Umschuldung der Milliarden-Verpflichtungen begonnen werden. Ob die Gläubiger die Pläne mittragen werden, ist noch ungewiss. Sie würden einen Verlust von 70 Prozent verbuchen müssen.

Hamburg/Buenos Aires - Die Regierung in Buenos Aires will mit einer Umschuldung seiner Milliarden-Verpflichtungen bei privaten Gläubigern die "Anleihen-Krise" beenden. Nach Angaben der argentinischen Zeitung "Clarín" sollen den Inhabern der seit Januar 2002 nicht mehr bedienten Staatsanleihen neue Wertpapiere angeboten werden. Der Wert der neuen Bonds belaufe sich jedoch nur auf knapp 30 Prozent der aufgelaufenen Schulden. Gläubiger würden in diesem Falle also einen hohen Verlust verbuchen.

Die Regierung von Präsident Néstor Kirchner möchte die Pläne bereits in Kürze umsetzen. Der Umtausch der Wertpapiere werde am 15. November beginnen, hieß es. Anschließend hätten die Inhaber fünf Wochen Zeit, das Angebot anzunehmen. Zwischen dem 20. Dezember und dem 7. Januar würden die neuen Bonds dann ausgegeben.

Die Erfolgsaussichten sind ungewiss: Seit annähernd drei Jahren sitzen rund 500.000 Gläubiger, darunter 30.000 Deutsche, auf argentinischen Staatsanleihen im Wert von über 80 Milliarden Dollar, die von Argentinien anerkannten Zinsforderungen belaufen sich auf etwa 20 Milliarden Dollar. Die meisten der Anleihe-Halter haben sich bislang gegen die Pläne Argentiniens gestellt, da dies einen drastischen Verlust ihrer Investition bedeuten würde.

Bröckelt die Front der Verweigerer?

Die argentinische Regierung gibt sich dagegen gelassen: "Wer das Angebot nicht akzeptiert, muss vor Gericht ziehen", so der argentinische Wirtschaftsminister Roberto Lavagna. Besonders kniffelig wird die Wahl für Gläubiger auch deshalb, weil Lavagna erwägt, die gesamten Zinszahlungen auszuschütten, egal wie viele Gläubiger auf das Umtauschangebot eingehen. Das bedeutet, je weniger dem Schuldentausch zustimmen, desto mehr bekommen sie ab. Die bislang noch standhafte Gegenwehr unter den Gläubigern könnte also bröckeln. Die Deutsche Bank kommt deshalb in einer Analyse zu dem Schluss: " Die optimale Strategie hängt vom Verhalten der anderen Player ab."

Zu pfänden gibt es nichts, der IWF steht außen vor

Riskante Neuauflage

Vertrauen am Finanzmarkt können die neuen Bonds jedoch nicht schaffen. Der US-Börsenaufsicht SEC wurden die Anleihen bereits vorgelegt und mit umfangreichen Risikohinweisen versehen: Es könne keine Sicherheit geben, dass die Umschuldung die bestehende Zahlungsunfähigkeit lösen könne oder das die Regierung im Stande sein wird, die neuen Wertpapiere bis zu deren Fälligkeit zu bedienen, warnt der Emittent.

Falls sich nicht alle Gläubiger an den Umschuldungs-Plänen beteiligten, könnten diese das neue Programm verhindern oder sogar künftige Schuldenzahlungen auf die neuen Bonds mit Hilfe eines Vollstreckungstitels für sich beanspruchen. Außerdem könnte eine enttäuschende Konjunkturentwicklung in Argentinien die Zahlungsfähigkeit für die neuen Bonds in Frage stellen.

Zu pfänden gibt es nichts

Der Umschuldungsplan steht also auf wackeligen Beinen und sollte viele Gläubiger in ihrem Widerstand bestärken. Bislang haben rund 80 deutsche Investoren Klagen gegen Argentinien eingereicht, zwei deutsche Kläger haben sogar einen Pfändungsbeschluss erwirkt. Dieser bringt bislang jedoch nichts, hat der argentinische Staat sein Geld schließlich längst aus dem Ausland abgezogen. Es gibt also nichts zu pfänden.

Einen weiteren Rückschlag erlitten die klagewilligen Gläubiger durch den Rückzug des Internationalen Währungsfonds (IWF). Bislang hatten die Gläubiger stets gehofft, über den IWF Druck auf die argentinische Regierung ausüben zu können, schließlich besagen die Statuten, dass der Fonds nur dann Kredite an ein Land im Zahlungsverzug vergeben darf, solange dieses "in gutem Glauben" mit seinen privaten Gläubigern verhandelt. Doch die Regierung Kirchner verzichtet lieber auf IWF-Kredite, statt in Verhandlungsrunden mit Gläubigern gedrängt zu werden. Der IWF ist damit aus dem Spiel und mit dieser Position wahrscheinlich sogar glücklich. "Präsident Kirchner und ich sind übereingekommen, die Konversation über das Kreditprogramm wieder aufzunehmen, sobald wir die Resultate der Schuldenrestrukturierung beurteilen können", erklärte IWF-Geschäftsführer Rodrigo Rato vergangene Woche in Buenos Aires.

Keine Hilfe aus Berlin

Damit haben die Gläubiger einen wichtigen Mitstreiter verloren. Auf die deutsche Regierung können sie eh nicht hoffen: "Das sind privatrechtliche Verträge, die auch privatrechtlich geklärt werden müssen", sagte eine Sprecherin des Ministeriums unlängst gegenüber manager-magazin.de. Staatssekretär Jürgen Chrobog sei zwar in dieser Angelegenheit schon einmal in Buenos Aires gewesen, ansonsten werde sich Berlin aber aus den Verhandlungen heraushalten.

Bleibt nur der organisierte Widerstand. Unter dem Dach des Global Committee of Argentina Bondholders (GCAB), das 500.000 Einzelanleger und 100 institutionelle Investoren mit insgesamt 45 Prozent der Gesamtforderungen vertritt, haben sich etliche Gruppierungen zusammengefunden. Darunter ist auch die Interessengemeinschaft Argentinien, die deutsche Anleger mit Anleihen im Wert von nahezu 200 Millionen Euro vertritt. Unter Leitung der HypoVereinsbank  und der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapiere entstand die Abra (Argentine Bond Restructuring Agency) für Investoren aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, der Schweiz und Holland (Gesamtanleihewert: 1,2 Milliarden Euro). Institutionelle Anleger aus den USA und Europa gründeten das Argentina Bondholder Committee, mit Anleihen in Wert von 7,5 Milliarden Dollar. Mit einem großen Anleihepaket im Wert von 14,5 Milliarden Dollar tritt die Task Force Argentina an, die für Anleger aus Italien spricht.

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