Ölpreis Allzeithoch jetzt bei 53 Dollar

Um 60 Prozent ist der Ölpreis seit Januar bereits gestiegen - und ein Ende der Klettertour nicht in Sicht. Allein seit dem Wochende zog der Preis bereits um sechs Prozent an. Experten halten einen Anstieg auf 60 Dollar für möglich. IWF-Experten warnen vor den Auswirkungen.

New York - Anders als bisher nahm die Reaktion des Internationalen Währungsfonds (IWF) einen warnenden Tonfall an: Mit Energiepreisen auf dieser Höhe könne 2005 nur noch mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von vier Prozent statt wie bislang angenommen 4,3 Prozent gerechnet werden, sagte David Robinson, Vize-Direktor der Abteilung Research des IWF.

Die Industriestaaten hatten sich bislang optimistisch geäußert, dass die hohen Preise ihren Aufschwung nicht allzu sehr belasten. Die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) ist nach Angaben aus Kreisen des Kartells zu einer weiteren Erhöhung der Ölförderung bereit, um einem erneuten Preisanstieg entgegenzuwirken.

Die Reaktion der Börse auf die Preisrakete: Der Xetra-Dax  schloss am Donnerstag mit 0,16 Prozent im Minus bei 4.043,36 Punkten. Die deutlichsten Verluste mussten mit einem Minus von 3,1 Prozent der Waschmittel- und Klebstoffhersteller Henkel  und Continental  hinnehmen, die um knapp 3,3 Prozent nachgaben. Für beide Unternehmen wirkt sich der Rohölpreis überdurchschnittlich stark auf der Kostenseite aus.

Der Öl-Preis ist seit dem 1. Januar um etwa 60 Prozent gestiegen. Chinas Wirtschaftswachstum hat die Nachfrage des Landes so stark gesteigert wie seit Jahrzehnten nicht und die weltweiten Lagerbestände weitgehend aufgezehrt. Sollte es Versorgungsprobleme geben, ist der Spielraum gering.

Streik-Gerüchte pushen den Preis zusätzlich

Dazu kommen die Unsicherheit im Irak und in Nigeria sowie eine nur langsame Wiederaufnahme der Förderung im Golf von Mexiko nach den jüngsten Hurrikans dort.

Nachrichten von einem unangekündigten zweitägigen Streik im westafrikanischen Nigeria gaben dem Aufwärtstrend am Nachmittag weitere Nahrung. Gewerkschaften und der britisch-niederländische Erdölkonzern versicherten zwar, der Streik richte sich nicht gegen den Export des fünftgrößten Opec-Förderlandes. Der Brent-Preis übersprang trotzdem die Marke von 49 Dollar, der Preis für US-Öl stieg bis auf 53 Dollar.

Hauptsorge an den Märkten bleiben zudem die vergleichsweise geringen Lagerbestände in den USA, Asien und Europa: "Wir haben nicht genug Vorräte vor dem Winter, wenn die Nachfrage nach Öl typischerweise einen Höhepunkt erreicht", sagte Tony Nunan von Mitsubishi in Tokio.

In den USA sind die Lagerbestände für Heizöl in der Woche bis zum 1. Oktober um 1,2 Millionen auf 51,2 Millionen Barrel gefallen und die Gesamtvorräte sind nach am Mittwoch veröffentlichten Daten insgesamt sechs Prozent geringer. Auch die großen europäischen und asiatischen Importstaaten haben weniger als sonst um diese Jahreszeit üblich auf Lager.

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