Comdirect Börsianer ziehen sich zurück

Deutschlands größter Online-Broker hat im abgelaufenen Quartal die Börsenschwäche zu spüren bekommen. Die Umsätze sind nochmals zurückgegangen. Der Aktienkurs ist nach den schwachen Zahlen unter Druck.

Frankfurt am Main - "Das dritte Quartal wird mit Sicherheit schlechter als das zweite Quartal werden", sagte HSBC-Analyst Peter Barkow am Donnerstag. Im gerade zu Ende gegangenen dritten Quartal hatte die im Nebenwerte-Index MDax  gelistete Comdirect  mit 1,2 Millionen ausgeführten Orders 20 Prozent weniger als noch im zweiten Quartal dieses Jahres verzeichnet. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich sogar ein Rückgang um rund ein Drittel. Daraus lässt sich auf einen ähnlich hohen Rückgang beim Provisionsüberschuss des Brokers schließen. Comdirect will am 21. Oktober die Zahlen für das dritte Quartal veröffentlichen.

"In den Order-Zahlen spiegelt sich das wenig optimistische Klima an den Börsen wider", sagte Konrad Becker, Analyst bei Merck Finck, mit Blick auf den hohen Ölpreis und den anhaltenden Konjunkturpessimismus in Deutschland. Es werde nun schwieriger, das Gewinnziel zu erreichen. Comdirect-Vorstandschef Achim Kassow hat den Aktionären für 2004 einen Vorsteuergewinn von mindestens 50 Millionen Euro versprochen. Nach den ersten sechs Monaten waren es bereits 33 Millionen Euro. Allerdings hatte Comdirect bereits im zweiten Quartal nicht an die Rekordergebnisse zu Jahresbeginn anknüpfen können und einen deutlichen Gewinneinbruch hinnehmen müssen.

In einem schwächeren MDax verloren die Anteilsscheine der Comdirect zeitweise mehr als sieben Prozent auf 6,21 Euro, erholten sich aber im weiteren Verlauf wieder. Am späten Vormittag lagen die Papiere noch 4,3 Prozent im Minus. HSBC-Experte Barkow rät Anlegern momentan, die Aktien im Portfolio zu reduzieren. Er nennt ein Kursziel von fünf Euro.

Jörn Kissenkötter, Aktienanalyst bei M.M. Warburg ist dagegen optimistischer gestimmt: "Die Zahlen sind wie im Juli und August erneut etwas schwächer im Vergleich zu den Vormonaten und zu den Transaktionszahlen an allen deutschen Börsen ausgefallen", so der Experte. Dies bekräftige, dass die Kunden der Direkt-Bank besonders sensibel auf Änderungen der Marktaktivität reagierten. Wenn die Aktivität wieder steige, werde die Comdirect aber entsprechend überproportional profitieren.

Der September bringt keine Wende

Nach den traditionell schwachen Handelsaktivitäten in den Sommermonaten brachte der September nicht die vom Unternehmen erhoffte Wende. Das sei ungewöhnlich, kommentierte Barkow. So verzeichnete Comdirect im September mit 373.009 ausgeführten Wertpapierorders knapp sieben Prozent weniger als im August. Dagegen fielen die Transaktionen an allen deutschen Börsen nur um 4,7 Prozent auf 11,4 Millionen. Schon im August hatte Comdirect einen ähnlich starken Einbruch hinnehmen müssen.

Comdirect hat mittlerweile 632.456 Kunden und damit rund zwei Tausend mehr als im August. Die Zahl der Depots lag zuletzt bei 545.156 (August: 546.713). Das betreute Kundenvermögen erhöhte sich auf 9,62 (9,51) Milliarden Euro.

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