Strompreise Kunden zahlen 300 Euro zuviel

Die privaten Haushalte könnten nach Berechnungen der Verbraucherzentralen im Schnitt jährlich je 300 Euro bei Strom und Gas einsparen. Bedingung: "Watchdogs" nach britischem Muster.

Berlin - Haushalte und Industriekunden der Energiewirtschaft könnten sich dann eine Jahresentlastung von 22 Milliarden Euro je zur Hälfte teilen, sagte die Vorsitzende des Verbandes der Verbraucherzentralen (vzbv), Edda Müller, am Montag in Berlin.

Nach Angaben von Mieterbund und Verbraucherverband handelt es sich bei den englischen "consumer watchdogs"(Wachhunden) um äußerst schlagkräftige Organisationen. Für die verschiedenen Branchen wie Telekommunikation oder Strom gebe es in Großbritannien je eine eigenständige Regulierungsbehörde. Sie seien nicht, wie vom Bund geplant, zusammengefasst.

Diesen Behörden seien jeweils die "watchdogs" mit straffen Kompetenzen zugeordnet. "Ein Energiegipfel beim Regierungschef ohne Verbrauchervertreter wäre in Großbritannien undenkbar", so Edda Müller.

Netzkosten real halbiert

In Großbritannien herrsche auf diese Weise bereits seit mehr als zehn Jahren Wettbewerb am Strom- und Gasmarkt. Dadurch seien die Netzkosten um real 50 Prozent gesunken. 40 Prozent der Kunden hätten ihre Energielieferanten gewechselt, betonte Müller.

Übertrüge man diese Wirkung auf Deutschland, könnten die privaten Haushalte mit 6 Milliarden Euro weniger Ausgaben für Strom und fünf Milliarden weniger für Gas rechnen. Die Industrie würde in einer ähnlichen Größenordnung profitieren.

Regulierungschef erwartet sinkende Preise

Auch der Chef der geplanten Regulierungsbehörde, Matthias Kurth, erwartet sinkende Preise, äußerte sich aber zurückhaltender als die Verbraucherlobby.

"Da sehe ich durchaus Potenzial", sagte Kurth im ZDF-Morgenmagazin. Gerade bei den Preisen für die Netzdurchleitung müsse Transparenz her, die im Augenblick fehle. "Das führt ja im Moment auch zu einer gewissen Vertrauenskrise", was von den Energiekonzernen jetzt aber erkannt worden sei.

Von einem Netzbetreiber zum anderen gebe es Preisunterschiede bis zum Dreifachen. Das sei auch mit Ineffizienzen zu erklären, aber auch mit dem teureren Energietransport in ländlichen Gegenden, was künftig in Preisklassen durchschaubar gemacht werden soll. Aufgabe des Gesetzes sei es, die teuren Netzbetreiber einem Durchschnittsentgelt anzunähern.

Entgelte vorab genehmigen

Zugleich forderte Kurth die Betreiber von Strom- und Gasnetzen zur Zusammenarbeit auf. Zugleich warnte der in Bonn ansässige Regulierer, der bereits seit Jahren für die Liberalisierung der Post- und Telekommunikations-Märkte zuständig ist, die Länder vor einer "Zersplitterung der Befugnisse". Eine Regulierung von Netzentgelten auf Landesebene wäre nicht sachgerecht und führte zu erheblichem Abstimmungsbedarf.

Dagegen bekräftigte der hessische Wirtschaftsminister Alois Riehl (CDU) die Position einer Mehrheit der Länder, die auch weiterhin ihre Kompetenzen bei der Regulierung einbringen wollten. "Die Netzentgelte müssen vorab reguliert und genehmigt werden", sagte Riehl auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Verbraucherverband und dem Deutschen Mieterbund. Er unterstützte damit die Forderung der beiden Verbände, Verbraucherorganisationen wie in Großbritannien ein größeres Gewicht einzuräumen.

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