Gesundheit Pillenpreise fressen Reform auf

Die Wirkung der Gesundheitsreform wird womöglich schneller verpuffen als der Bundesregierung lieb ist. Experten der gesetzlichen Krankenkassen befürchten deutliche Kostensteigerungen bei Medikamenten.

Hamburg - Die Arzneimittelausgaben könnten bereits vom nächsten Jahr an wieder um rund zehn Prozent steigen, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Kassenkreise. Die Experten begründen dies dem Blatt zufolge damit, dass die Medikamenten-Hersteller im kommenden Jahr erstmals seit 2003 wieder die Preise erhöhen dürfen und den Kassen keine Rabatte mehr gewähren müssen. Außerdem müssten die Kassen den Apotheken ab nächstem Jahr mehr Geld pro Rezept zahlen. Damit sinke für die Krankenkassen auch der Spielraum für Beitragssenkungen.

Am Wochenende bereits hatte auch der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Hermann Keller, wieder steigende Medikamentenausgaben prophezeit. "Im Dezember wird es einen Ausgabe-Boom der Krankenkassen geben", sagte Keller der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Er fügte hinzu: "Die Zahleneuphorie, die im Moment herrscht, ist am Jahresende garantiert wieder verflogen. Wer jetzt von der Zuzahlung befreit ist, wird am Jahresende Arzneimittel horten."

Den Ankündigungen der Krankenkassen, die Beiträge zu senken, schenke er wenig Glauben, sagte Keller weiter. "Dieses Jahr passiert bei den Beiträgen sowieso nichts, nächstes Jahr gibt es vielleicht eine Bewegung von 0,1 bis 0,2 Prozent - mehr nicht." Es sei ausgeschlossen, dass Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) ihr Ziel erreicht und die Kassenbeiträge unter 14 Prozent sinken.

Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums kritisierte die Äußerungen Kellers als Schwarzmalerei. Bei den Arzneimittelkäufen werde es lediglich zu einer "Rhythmusverschiebung" kommen. Die Bundesregierung gehe davon aus, dass die Kassen weiter ihre Beiträge senken, einige Kassen hätten dies bereits angekündigt.

Alle Beteiligten im System seien aufgerufen, sich wirtschaftlich zu verhalten, betonte die Sprecherin. Ärzte sollen ihrer Pflicht nachkommen, wirtschaftlich zu verordnen. Die Kassen müssten wirksam kontrollieren. Apotheker sollten preisgünstige Alternativen empfehlen und die Möglichkeiten zur freien Preisgestaltung bei nichtverschreibungspflichtigen Arzneien nutzen, mahnte die Sprecherin.

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