Freitag, 23. August 2019

Coca-Cola In 120 Tagen um die Welt

Die Brause trägt den wertvollsten Firmennamen der Welt: Coca-Cola. Aber das rote Symbol amerikanischer Kultur und Wirtschaftskraft verliert an Glanz. Vorstandsquerelen und eine altbackene Produktpolitik lädieren das Image. Findet der neue Konzernchef Neville Isdell auf seiner Amtsantrittstour das Erfolgsrezept wieder?

Hamburg - Als der Apotheker John Pemberton 1886 in seiner Stube herumexperimentierte und durch Zufall ein Erfrischungsgetränk erfand, hatte er nicht den Weltmarkt im Blick, sondern die Laufkundschaft im heimischen Atlanta. Und die zögerte anfangs noch: Im ersten Jahr verkaufte Pemberton durchschnittlich neun Gläser der dunklen Brause täglich. Abgefüllte Flaschen sollte es erst zur Jahrhundertwende geben.

Kommt Zeit, kommt Rat: Coca-Cola-Chef Neville Isdell (61) erstellt in den ersten 120 Tagen seiner Amtszeit eine neue Langfriststrategie
Mit der Apotheke von damals hat der Konzern heute nur noch den Namen des Getränks gemeinsam: Coca-Cola. Das Unternehmen setzt mittlerweile 1,3 Milliarden Flaschen täglich ab, unter dem Konzerndach sind 400 Produkte gebündelt, die in über 200 Ländern vertrieben werden.

Gewinne und Umsätze liegen auf Milliardenniveau, allein der Wert des Firmennamens wird von der "Business Week" auf 67,39 Milliarden Dollar geschätzt. Dagegen verblasst auch das deutsche Vorzeigeunternehmen Mercedes. Der Auto-Stern soll nur 21,3 Milliarden Dollar wert sein.

Manager-Ikonen legten den Grundstein

Dieser Erfolg wird vor allem mit zwei Namen in Verbindung gebracht: Robert Woodruff und Roberto Goizueta. Ersterer war in den Gründerzeiten bestimmend, der andere setzte den Kurs in den wachstumsstarken 80er und 90ern.

Woodruffs Vater Ernest hat den Brausehersteller 1918 übernommen und an die Börse gelotst. Fünf Jahre später folgte der Filius auf den Chefsessel.

 Wie alles begann: Der Apotheker John S. Pemberton (Aufnahme von 1890)  Jung und frisch: Von Anfang an setzte Coca-Cola auf ein jugendliches Image, wie hier bei einem Kalenderblatt von 1901  Klassisch: Generationen von Brausetrinkern kennen diesen Schriftzug, hier ein Werbeplakat von 1905
 Die Kommerzialisierung des Weihnachtsfests begann schon früh, Coca-Cola warb bereits 1939 mit Santa Claus  "Things Go Better With Coke" In Coca-Colas Heimatstadt Atlanta nimmt der Brausehersteller einen prominenten Platz ein (Bild von 1963)  Erfolgreich auch in der Alten Welt: Im "Haus der Geschichte" in Bonn feiert Coca-Cola die Erfolge auf dem deutschen Markt, der erstmals 1929 beliefert wurde
 Mehr als nur Cola: Die Werbefigur Miles Thirst mit einer Sprite  Der Schriftzug auf allen Straßen: Coca-Cola-Lieferwagen in den 80er Jahren  Power: Mit einem neuen Werbekonzept und Sporthelden wirbt der Konzern jetzt für seine Lifestyle- und Fitnessgetränke

Die Coca-Cola-Unternehmensgeschichte in Bildern
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Über nahezu 60 Jahre lenkte Woodruff junior dann die Coca-Cola-Geschicke und hat nebenbei das moderne Produktmarketing perfektioniert. Er führte das traditionelle Cola-Logo bei Sportwettbewerben ein, erfand das "Six-Pack", ließ seine Drückertruppe Amerikas Haushalte mit Cola-Flaschenöffnern ausstaffieren und verkaufte im Zweiten Weltkrieg allen uniformierten US-Soldaten eine Cola für den Spottpreis von fünf Cents. Mit den GIs in Europa war auch der Schritt über den Atlantik geglückt, die Brause-Globalisierung nahm ihren Anfang.

Aber die Ära Woodruff ist längst Geschichte, zu lange ruhte sich der Konzern auf seinen Erfolgen aus. Als Neville Isdell am 1. Juni dieses Jahres den Chefposten übernahm, stand er an der Spitze eines behäbigen Riesen. Vor ihm die Mammutaufgabe, in Coca-Cola wieder die Spritzigkeit früherer Zeiten wiederzuerwecken. Ein Mega-Projekt, für das sich der gebürtige Ire viel Zeit lässt: Zu Beginn startete Isdell eine 120-Tage-währende Informationstour, die ihn über jeden größeren Unternehmensstandort einmal um die ganze Welt führt.

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