Konjunktur ZEW-Prognose schlechter als erwartet

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft trüben sich wieder ein. Der Konjunkturindex des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel im September deutlich schlechter aus als erwartet. Der hohe Ölpreis und schlechte Prognosen aus den USA dämpften den Optimismus der befragten Finanzexperten.

Mannheim - Der ZEW- Konjunkturindex fiel im September von 45,3 auf 38,4 Punkte. Zum zweiten Mal in Folge haben sich die Erwartungen der befragten Finanzexperten damit verschlechtert. Schon im August waren die Konjunkturerwartungen überraschend von 48,4 Punkten auf 45,3 Punkte gesunken. Zuvor waren sie zwei Mal in Folge gestiegen.

Die ZEW-Forscher begründeten die negative Entwicklung mit einer nachlassenden weltwirtschaftlichen Dynamik, die von uneinheitlichen Wirtschaftsdaten aus den USA ausgelöst worden sei. Da die deutsche Konjunkturerholung weiterhin vor allem vom Export abhänge, könnten sich die Auftriebskräfte in den nächsten Monaten abschwächen.

"Impulse von der deutschen Binnennachfrage sind bislang nicht absehbar", erklärten die Wirtschaftsforscher. Eine mögliche Belebung der Inlandsnachfrage könne der weiterhin sehr hohe Ölpreis bremsen. "Sorgen für die Konjunktur bereitet auch die sich immer schlechtere Situation am Arbeitsmarkt."

Die aktuelle Konjunktursituation in Deutschland beurteilen die Experten im September allerdings weniger pessimistisch als im Vormonat. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage stieg von minus 65,2 Punkten auf minus 61,5 Punkte.

Indikator bleibt im positiven Bereich

Finanzexperten warnten deshalb auch davor, die Verschlechterung der ZEW-Prognose überzubewerten. "Der Indikator ist immer noch im positiven Bereich. Er zeigt aber, dass die Erwartungen für das kommende Jahr nicht übermäßig optimistisch sind und nichts hinzugekommen ist, was neuen Optimismus nährt", so Jens Kramer von der NordLB. Er gehe davon aus, dass sich die Konjunkturerholung in dem bisherigen Tempo fortsetzen werde.

Matthias Rubisch von der Commerzbank ergänzte, der Index sei ohnehin relativ hoch gewesen. Es sei aber keine Beschleunigung des Wachstums mehr zu erwarten: "Das erste Halbjahr war ja bereits ganz ordentlich." Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim unterstrich, es bestehe bei den Analysten die Sorge, dass der bisher exportgetriebene Aufschwung nicht auf die Binnenwirtschaft übergreife.

Auch für die Eurozone gingen die Erwartungen der vom ZEW befragten Experten weiter zurück. Der Euro-Indikator verlor gegenüber dem Vormonat 7,3 Punkte und liegt jetzt bei 44,7 Punkten. Der entsprechende Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum verbessert sich laut ZEW weiter von minus 33,5 auf minus 27,3 Punkte.

Das ZEW befragt monatlich rund 300 Analysten und institutionelle Anleger nach ihren mittelfristigen Erwartungen zur Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung. Der Index gibt die Differenz der positiven und negativen Einschätzungen für die künftige Wirtschaftsentwicklung in Deutschland auf Sicht von sechs Monaten wieder.

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