Fußball AGs Lahmer Kick auf dem Parkett

Die Champions League ist nicht nur ein Kräftemessen der besten europäischen Fußballclubs. Es geht auch um viel Aktionärsvermögen, schließlich ist jeder fünfte teilnehmende Club auch börsennotiert. Für Anleger entpuppten sich Investitionen in Sportklubs wie Borussia Dortmund bislang meist als Eigentor.

Düsseldorf - Wenn am Dienstag mit der Champions League der wichtigste Vereinswettbewerb im europäischen Fußball erneut startet, schauen einmal mehr nicht nur Fans der 32 Mannschaften genau auf die Ergebnisse. Auch zahlreiche Aktienhändler, Investoren und Analysten werden die Spiele verfolgen.

Die Champions League ist dabei die Maschine, die für mehr Ansehen und mehr Umsatz sorgt. Ein frühes Scheitern kann fatale Folgen für Börsenkurs, wirtschaftlichen und sportlichen Erfolg haben. Borussia Dortmund , einziger deutscher Börsen-Club, hat diese bittere Erfahrung schon gemacht.

Nachdem die fußballspielenden Angestellten der Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA vor ziemlich genau einem Jahr schon in der Qualifikation zur Champions League überraschend am FC Brügge gescheitert waren, brach der Kurs der BVB-Aktie am nächsten Morgen erst einmal um 15 Prozent ein. Nur wenige Monate später musste das Management Verluste bekannt geben und sah sich unter großem öffentlichen Aufsehen sogar genötigt, die Gehälter seiner Starspieler zu kürzen. Das Geschäftsmodell des Vereins basiere nun einmal auf dem Erreichen der Champions League, erklären dazu die Analysten der HVB Equity Research.

Die beim Börsengang versprochene Diversifizierung sei zudem gescheitert, monieren die Beobachter der Münchener Bank. Im Vorfeld des IPO im Oktober 2000 hatte der Verein nämlich verkündet, die zusätzlichen Gelder nicht nur in "Beine", sondern auch in "Steine" zu investieren, um den Club unabhängiger vom sportlichen Erfolg zu machen. Dies war trotz vielfacher Versuche nicht gelungen. Die in dieser Saison erneut verpasste Champions-League-Qualifikation trifft die Vereinskasse damit umso härter.

Tottenham Hotspur wagte schon 1983 den Börsengang

Geschafft in den Elite-Wettbewerb des europäischen Fußballs haben es dagegen in diesem Jahr neben Meister Werder Bremen auch Bayer Leverkusen und Bayern München. Sie erhalten damit allerdings maximal indirekt Einfluss an der Börse: Die Bayern könnten ihrem 10-Prozent-Anteilseigner Adidas-Salomon  durch schlechtes Abschneiden Verdruss bereiten, während die Leverkusener Kicker, die zur Sportabteilung der Bayer AG  gehören, höchstens am Image des Chemie- und Pharmariesen kratzen könnten. Die Münchener bekommen es zudem mit Ajax Amsterdam  und Juventus Turin  gleich mit zwei handelbaren Spitzenclubs zu tun - die Leverkusener mit dem AS Rom  immerhin mit einem gelisteten Verein.

Europaweit sind derzeit knapp 40 Fußball-Unternehmen aus sieben Ländern an der Börse notiert. Mehr als die Hälfte von ihnen stammen aus England, wo schon früh die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen Handel ihrer Anteile geschaffen wurden.

Mit Tottenham Hotspur  wagte im Oktober 1983 der erste Verein den Gang an die London Stock Exchange. Der eigentliche Börsenboom der Fußballclubs begann aber erst 1996. Positive Entwicklungen der ersten Kicker-Aktien und die Möglichkeit einer Stadionfinanzierung waren bei vielen Clubmanagern der Antrieb für den Schritt. Borussia Dortmunds Börsengang 2000 war dann bereits einer der letzten IPO in der europäischen Fußballbranche.

Kursverluste prägen das Bild

Börsenboom der Clubs ist vorbei

Inzwischen ist der Boom für Börsengänge von FCs, VfLs, Reals, Spartaks und Sportings in Europa erst einmal vorbei. Im 31 Werte umfassenden Dow Jones Stoxx Football Index  sind Manchester United , Lazio Rom , Kopenhagen und Juventus Turin derzeit die Schwergewichte. Borussia Dortmund liegt mit einem Gewicht von 6,86 Prozent immerhin noch auf Platz 5.

Wie die meisten anderen Fußballaktionäre sind aber auch die Borussen-Eigentümer nicht eben glücklich mit dem Kursverlauf ihrer Wertpapiere. Schon am ersten Handelstag hatte die BVB-Aktie rund 10 Prozent an Wert eingebüßt. Mittlerweile liegt das Papier bei rund 2,50 Euro - der Ausgabepreis vor vier Jahren lag einmal bei elf Euro.

Das Ende des Börsenbooms allgemein, sinkende Einnahmen aus der Quelle Fernsehvermarktung, die Kirch-Krise, aber auch hausgemachte Probleme wie etwa mangelhafte IR-Arbeit - wie nicht wenige Investoren monieren - haben hierzu beigetragen.

Weitere Börsengänge stehen derzeit in Europa nicht auf dem Programm - die Unzufriedenheit der Vorreiterclubs hat sicherlich dazu beigetragen. Die Vereine bemühen sich mittlerweile eher um andere Finanzierungsquellen. Der FC Schalke 04, der immer wieder als einer der heißesten IPO-Kandidaten in Deutschland angesehen wird, verpfändete 2003 beispielsweise schon seine Zuschauereinnahmen der kommenden 23 Jahre.

Chance für Bayern, Schalke und Hertha?

Analysten sehen dennoch die Chance, dass noch weitere Vereine den Sprung an den Kapitalmarkt schaffen. In Deutschland seien Bayern München, Schalke 04 und Hertha BSC Berlin als Kandidaten gut vorstellbar, heißt es in einer Studie der WGZ-Bank von 2002. Schalke und Hertha müssten vorher aber erst einmal ihren eigenen Ansprüchen auch gerecht werden und auch sportlich die Voraussetzungen schaffen. Denn, so die WGZ-Analysten: "Für die Brandnames des europäischen Fußballs sind die Fernseheinnahmen aus der Champions League der wesentliche Katalysator für das Umsatz- und Ergebniswachstum". Für 32 Clubs beginnt der Katalysator in dieser Woche wieder zu laufen.

Andreas Heitker, Dow Jones Newswires

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