Telekom Mammutprozess kann beginnen

Monatelang hat sich das Landgericht Frankfurt durch 2300 Klagen von zigtausend Aktionären gearbeitet. Jetzt wurde endlich der Termin für einen der spektakulärsten deutschen Wirtschaftsprozesse festgelegt. Ein frühes Ende ist aber nicht in Sicht.

Hamburg/Frankfurt am Main - Am Dienstag, den 23. November dieses Jahres soll es endlich losgehen: Dann beginnt vor dem Landgericht Frankfurt am Main der seit langem erwartete Prospekthaftungs-Prozess gegen die Deutsche Telekom . Dies bestätigte ein Gerichtssprecher manager-magazin.de am Donnerstag. Insgesamt seien rund 2300 Klagen eingereicht worden.

Die Anzahl der einzelnen Kläger ist jedoch um ein Vielfaches höher, da sich häufig viele Aktionäre zusammengeschlossen haben. In einer früheren Pressemitteilung hatte das Gericht von "etwa 15.000 Einzelpersonen oder Gesellschaften, vertreten durch 630 Rechtsanwälte" gesprochen, die Ansprüche aus angeblich falschen Prospektangaben beim dritten Börsengang der Telekom verfolgten. Zusätzlich seien beim Gericht noch etwa 350 Klagen eingereicht, die sich auf den zweiten Börsengang beziehen.

Statt über 2300 Klagen zu verhandeln, hat das Gericht zehn so genannte Pilotklagen ausgesucht, die einen exemplarischen Charakter für alle Fälle haben. An der Auswahl der zehn Musterfälle wirkten auch die Anwälte mit.

Immobilien und Voicestream auf dem Prüfstand

Hauptstreitpunkt ist die Bewertung der Telekom-Immobilien. Die Kläger, zum größten Teil private Investoren, werfen dem Unternehmen vor, im Börsenprospekt bewusst falsche Angaben über den Wert der Gebäude und Grundstücke gemacht zu haben. Die T-Aktie wurde erstmals 1996 notiert, weitere Tranchen folgten 1999 und 2000.

Bereits 1995, also noch vor der ersten Emission, hatten Bund und Telekom den Immobilienbesitz neu bewerten lassen. Das Ergebnis der Gutachter fiel für den Konzern erfreulich aus: Der Wert der Immobilien wurde von 22,9 Milliarden Mark auf 35,7 Milliarden Mark erhöht. Damit stand dem Börsengang 1996 nichts mehr im Weg.

Nur zwei Jahre später regten sich jedoch schon erste Zweifel an den Zahlen: Der damalige Chef der Telekom-Tochter DeTe-Immobilien, Frerich Görts, mahnte - gestützt auf stichprobenartige Gutachten - einen dringenden Wertberichtigungsbedarf in Milliardenhöhe an. Der Immobilienbesitz sei bei der Gründung des Unternehmens wohl "hochgeschleust" worden, schrieb Görts an den damaligen Konzernchef Ron Sommer und den Aufsichtsrat.

Neben der Immobilienbewertung steht auch der 40-Miliarden-Euro-Kauf des US-Mobilfunkunternehmens Voicestream in der Kritik. Zum Börsengang 2000 habe die Telekom die Aktionäre nicht über die bevorstehende Übernahme informiert.

Folgt jetzt der Gutachterstreit?

Die Telekom hat die Vorwürfe bislang strikt zurückgewiesen. Über die Dauer des Mammutprozesses kann nur spekuliert werden. Unter Umständen muss ein neues Immobilien-Gutachten erstellt werden, das nach Expertenschätzungen aber rund 17 Millionen Euro kosten und Jahre in Anspruch nehmen würde.

Je nach Ergebnis könne dann zudem ein "Gutachterstreit" folgen, gibt Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zu bedenken. Das würde bedeuten, dass ein weiteres Gutachten erstellt werden müsste, weil das Ergebnis des ersten angezweifelt werden könne. "Das ist uferlos", so der SdK-Jurist.